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Wo verbleiben RTH?

03.10.2002

Kiel (SH) ::  Die Schleswig-Holsteinischen Krankenkassen planen im Rahmen der Sparpläne, die zur Sanierung der Kassen geschmiedet wurden, die derzeit drei Luftrettungsstationen, die mit je einem RTH (2x) bzw. ITH (1x) ausgestattet sind, zu zwei anderswo einzurichtenden Stationen zusammenzuschließen. Hierdurch stünden nur noch zwei RTH / ITH für ganz Schleswig Holstein zur Verfügung. Die Zusammenlegung beträfe die RTH Christoph 12 (Eutin, Bell 212, betrieben vom BMI) und Christoph 42 (Rendsburg, EC 135, DRF) sowie ITH Christoph 52 (Hartenholm, BK 117, DRF).

Die Effizienz dieser Pläne wurde von Experten der DRF in mehrerer Hinsicht in Frage gestellt. Es sei die medizinische Versorgung der Bevölkerung durch die Umstationierung der RTH rein flächenmäßig zwar nicht extrem beeinträchtigt (Abdeckung von der Fläche von SH durch RTH in Prozent). Dabei jedoch wurde nicht beachtet, dass z.B. die Nordfriesischen Inseln auf diese Weise einen notfallmedizinischen Engpass beschert bekämen, da die RTH nun einen allzu langen Anflugweg hätten. Von den Pläneschmiedern wurde Weede bei Bad Segeberg sowie Schobüll in Nordfriesland als neue Stützpunkte anvisiert. Dies jedoch erscheint ineffizient in Anbetracht der beiden Hamburger RTH, in deren Einflussgebiet Bad Segeberg noch liegt. Es käme also zu mehreren neuen Überschneidungen in den Zuständigkeitsgebieten, während andere Regionen nicht mehr im Einflussbereich von RTH (ca. 50-80km um den Stützpunkt) lägen. Vierzig Prozent von SH wären mehrfach abgedeckt, was in den meisten Fällen als unwirtschaftlich betrachtet werden muss.

Außerdem wurde die tatsächliche Kosteneinsparung durch dieses Vorhaben ebenfalls angezweifelt. Es ginge schließlich um die Einrichtung komplett neuer Stützpunkte, welche quasi ganz neu aus dem Boden gestampft werden müssten. Dazu käme die Installation einer sehr kostspieligen Tankanlage, die z.B. bei Christoph 52 derzeit gar nicht extra vonnöten ist, da das LRZ eh an einem Flugplatz liegt, der über die entsprechenden Einrichtungen verfügt. Als ITH-Standort für SH seien die vorgeschlagenen neuen Stützpunkte ebenfalls weniger gut geeignet, da sie weniger zentral im Bundesland liegen als Hartenholm. Der Christoph 52 fliegt aber sehr viele Krankenbeförderungen, die teils bundeslandintern und teilweise auch bundesweit abgewickelt werden.

Ob und wenn ja welcher RTH wie derzeit der Christoph 52 den Nachtflugbetrieb übernehmen kann, ließen die Verantwortlichen offen. Auch bleibt anzumerken, dass "Christoph 12" über eine Rettungswinde verfügt. Ob dieses Rettungsmittel nach einer entsprechenden Strukturreform in der Luftrettung des Landes erhalten bleiben wird, ist rth.info nicht bekannt.

Man darf also gespannt sein, welche Argumente die Verantwortlichen der Schleswig-Holsteinischen Krankenkassen hier überzeugen werden. Letztlich, so viel steht fest, muss dies gründlich überdacht werden, da es ja nicht nur um die Finanzen geht, sondern um drei in der deutschen Luftrettung wichtige RTH bzw. ITH, deren günstige oder weniger günstige Stationierung direkt über Menschenleben entscheiden kann.

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PPR

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