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Flugbetrieb frei für fünften Europastandort

01.04.2005

Niebüll (SH) ::  Planmäßig hat am 01. April 2005 im schleswig-holsteinischen Niebüll der Flugbetrieb des Rettungshubschrfauber "Christoph Europa 5" begonnen. Zur Namensgebung anwesend waren zahlreiche geladene Gäste. Um den Hubschrauber, der sowohl für Deutschland als auch für dänisches Hoheitsgebiet bereitsteht, in Niebüll stationieren zu können, hat die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. (DRF) vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Gesichtspunkte ihren Hubschrauberstandort Itzehoe aufgegeben. Dort war "Christoph 52" seit 2004 stationiert - doch diesen Hubschrauber gibt es nun schlichtweg nicht mehr. Die personellen und technischen freiwerdenden Kapazitäten (Helikopter, Piloten) hat die DRF nach Niebüll verlagert. Noch bis Februar 2005 hatte es erhebliche Meinungsdifferenzen gegeben in Bezug auf die Frage dieser Umstrukturierung des Rettungshubschrauber- Stationsnetzes (rth.info berichtete, Link siehe Kontextbereich). Vor dem Hintergrund des Drucks durch die Kostenträger, allen voran somit die Krankenkassen, war eine Vorhaltung dreier Rettungshubschrauber in Schleswig-Holstein nur noch möglich, indem eine Kooperation mit Dänemark eingegangen wurde. Der Clou: Einsätze im angrenzenden Ausland zahlen die dortigen Kostenträger - aber der Hubschrauber ist ausgelastet; und Dänemark, wo bislang kein Luftrettungssystem nach deutschen Maßstäben existiert, soll von "Christoph Europa 5" nun profitieren.

Seit dem 02. Quartal 2004 ist Christoph 52 nur noch tagsüber einsatzbereit gewesen - zugunsten der Kollegen in Rendsburg, die von diesem Zeitpunkt an den Betrieb "rund um die Uhr" gewährleisten. Auch der nun im äußersten Norden der Republik implementierte "Christoph Europa 5" wird 'nur' tagsüber, d.h. üblicherweise von 07:00h bis Sonnenuntergang zur Verfügung stehen. Disponiert wird er von der "Leitstelle Nordfriesland".

Der neue Standort befindet sich am Krankenhaus Niebüll, das Flugbetriebsgelände mitsamt flugbetriebsrelevanter Einrichtungen sind neu zu errichten. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich Mitte des Jahres; bis sie abgeschlossen sind, müssen die Besatzungen mit einem Provisorium leben. Eine vorübergehende Bleibe finden sie in einem benachbarten Schwesternwohnheim.

Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Benedikte von Dänemark war als Ehrengast zur Einweihung des neuen Rettungsmittels geladen. Sie taufte mit DRF-Vizepräsidentin Nicole Steiger die Maschine auf ihren neuen Rufnamen. Die erstmalige Einsatzbereitmeldung bei der Leitstelle Nordfriesland übernahm laut DRF Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Dr. Gitta Trauernicht-Jordan. Für Einsätze auf dänischer Seite alarmiert die Falck-Leitstelle in Kolding über die Leitstelle Nordfriesland den Hubschrauber. Vom "Christoph Europa 5" profitieren sollen vor allem die Landbevölkerung, Bewohner und Touristen auf den Nordfriesischen Inseln sowie des Westküstenbereichs des dänischen Verwaltungsbezirks Sønderjyllands Amt.

Mit der Einbindung eines Rettungshubschraubers in das Konzept "Christoph Europa", mit welchem das Leitmotiv einer organisierten grenzüberschreitenden Luftrettung seit dem 24.09.1997 planmäßig praktiziert wird, schließt sich die DRF einem Trend an, der zunächst vom ADAC mit niederländischen und belgischen Partnern in Aachen ins Leben gerufen und dann auf andere Grenzregionen ausgeweitet wurde. Mehrere weitere Automobilclubs haben mittlerweile in Anlehnung an "Christoph Europa 1" des ADAC Standorte umtaufen bzw. gründen lassen, um den Willen zu einer transnationalen Zusammenarbeit des luftgebundenen Rettungsdienstes deutlich zu machen.

Der Betrieb von "Christoph Europa 5" in Deutschland und Dänemark wird nun durch ein Pilotprojekt der DRF, des dänischen Rettungsdienstbetreibers Falck, des deutschen Landkreises Nordfriesland und des dänischen Verwaltungsbezirkes Sønderjyllands Amt möglich. Die Kooperationspartner haben eine EU-Projektförderung nach Interreg III A beantragt. Dazu erläuterte die DRF in einer Presseerklärung: "Interreg III A ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den grenzüberschreitenden Regionen. Ziel ist die Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts in der Europäischen Union. Gefördert wird transnationale und interregionale Zusammenarbeit sowie ausgewogene räumliche Entwicklung."

„Schätzungsweise zwanzig Prozent aller Einsätze von Christoph Europa 5 werden zukünftig in Dänemark durchgeführt und abgerechnet“, so DRF-Geschäftsführer Steffen Lutz; Carl Holst, Amtsbürgermeister des dänischen Verwaltungsbezirks Sønderjyllands Amt, sagte: „Wir sind sehr an der grenzüberschreitenden Luftrettung interessiert, denn bisher gab es keine flächendeckende Luftrettung in Dänemark, die mit dem deutschem System vergleichbar wäre. Wir erwarten, dass die Notfallversorgung der süd- und westdänischen Bevölkerung dank dieser Kooperation optimiert wird.“

Zur Kenntlichmachung der Kooperation trägt die derzeit eingesetzte Maschine vom Typ BK 117, Kennung D-HWWW, mehrere Aufkleber beteiligter Institutionen, so etwa das von der Fa. Falck, die internationale Notrufnummer "112", eine EU-Flagge und einen Hinweis auf den dänischen Verwaltungsbezirk Sønderjyllands Amt.

Bemerkung vom 04.04.2005:

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PPR
Quelle(n):
eigenen Recherchen; DRF-Pressemitteilung vom 01.04.2005

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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