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Rendsburg: Streit um Stationierung des “Christoph 42“

06.04.2015

Rendsburg (SH) ::  Der Rettungshubschrauber “Christoph 42“ im schleswig-holsteinischen Rendsburg feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen, doch seine Stationierung gibt aktuell im nördlichsten Bundesland Anlass für Diskussionen.

Hubschrauberlärm stört Anwohner

Wesentlicher Grund ist, dass der 24 Stunden am Tag einsatzbereite Helikopter auf dem Dach der Rettungswache an der imland-Klinik beheimatet ist, jedoch in die Klinik nur wenige seiner Patienten eingeliefert werden. Anwohner fühlen sich in ihrer Ruhe gestört und zweifeln die Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen des Hubschraubers für die örtliche Notfallversorgung und Geräuschbelästigung nicht gegeben. Sie fordern deshalb eine Dislozierung des Hubschraubers außerhalb des Stadtbereiches von Rendsburg. Dazu wurden verschiedene neue Standortoptionen ins Gespräch gebracht. Die Diskussion bekam neue Dynamik durch ein Neubaugebiet auf dem Areal der ehemaligen Eiderkaserne, das nördlich an das Klinikum angrenzt. Die “Kieler Nachrichten“ schreiben, laut einem Lärmgutachten im Auftrag der Stadt Rendsburg sei der Flugbetrieb tags wie nachts zu laut für das Neubaugebiet, so dass der Gutachter Schallschutzmaßnahme an den Häusern empfehle (Artikel siehe Weblinks); wörtlich heißt es, "insbesondere müsse es in den Kinder- und Schlafzimmern eine schalldämmende Lüftung geben". Der Standort von "Christoph 42" dürfte Bestanddschutz genießen, schließlich war er viele Jahre vor dem Neubaugebiet schon in Betrieb und entsprechend genehmigt.

Wenige Patienten per Luftrettung in die imland-Klinik

Die schleswig-holsteinische Landeszeitung (SHZ / LZ) hatte berichtet, dass “Christoph 42“ kaum noch Patienten in die imland-Klinik transportiere: “Wenn jede Sekunde zählt, um das Leben eines Patienten zu retten, bevorzugen die fliegenden Doktoren Kliniken, die über einen Landeplatz direkt neben der Notaufnahme verfügen. Diesen Zusammenhang hatte die gemeinnützige DRF Luftrettung als Betreiber des Rettungshubschraubers „Christoph 42“ am Mittwoch erstmals bestätigt“, schrieb SHZ-Autor Frank Höfer in einem Artikel vom 7. Februar dieses Jahres.

DRF Luftrettung müsste mit Krankenkassen Finanzierung verhandeln

“Wir würden die Verlegung von Rendsburg nach Schachtholm begrüßen“, zitiert die SHZ in einem Artikel vom 23. März den Mehrheitseigentümer vom Verkehrslandeplatz Rendsburg-Schachtholm, Jörg Köpping: “Die Tauglichkeit habe der Platz bereits bewiesen, als Schachtholm vor Jahren als Zwischenlösung diente“, heißt es in dem Artikel weiter. rth.info hatte darüber berichtet.

Die SHZ schreibt jedoch unter Berufung auf Petra Hentschel, Pressesprecherin der DRF Luftrettung (DRFL), dass in Schleswig-Holstein die Kostenfrage für einen möglichen Umzug ungeklärt sei, da es keine rechtliche Grundlage dafür im Rettungsdienstgesetz des Landes gebe. “Für den Betrieb der Rendsburger Station existiert nur eine Vereinbarung mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde und der DRF Luftrettung aus dem Jahr 1978“, zitiert Autor Höfer dazu Petra Hentschel. Nicht jedoch mit dem Land, heißt das im Klartext. Weiter schreibt die SHZ, Vertreter der Krankenkassen hätten den Neubau einer Station abgelehnt, da sie hierzu keine Veranlassung sähen. Mit den Kassen als Kostenträgern der Luftrettung müsste die DRF Lufrettung verhandeln. Selbst könne die DRF Luftrettung die Kosten nicht tragen, schreiben die “Kieler Nachrichten“ mit Verweis auf eine Aussage der DRFL.

Standortdiskussion im Norden nichts Neues

Um die Stationierung der Rettungshubschrauber in Schleswig-Holstein war schon um das Jahr 2003 eine länger dauernde Diskussion entbrannt. Aus ihr hatte sich die Verlegung des “Christoph 52“ von Hartenholm nach Hohenlockstedt bei Itzehoe ergeben. Später wurde der Helikopter weit nach Norden verlegt – nach Niebüll als “Christoph Europa 5“. Der “Christoph 42“ war damals jedoch unverändert in Rendsburg geblieben.

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PPR
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Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

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Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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