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Fliegt Christoph Europa 5 bald nur noch in Deutschland?

17.09.2014

Niebüll (SH) ::  Wie das Onlineportal “nordschleswiger.dk“ der gleichnamigen deutschsprachigen Tageszeitung in Dänemark Anfang September berichtete, erwägt die Region Süddänemark, aufgrund eines 130 Millionen schweren Sparprogrammes den in Niebüll stationierten Rettungshubschrauber (RTH) “Christoph Europa 5“ gewissermaßen “abzuschießen“.

Dazu Hinrich Jürgensen, der Vorsitzende des Bundes deutscher Nordschleswiger gegenüber “nordschleswiger.dk“: „Das ist nicht schön und gewiss nicht die feine Art, den nun fallen zu lassen“ - und er denkt dabei auch an Konsequenzen entlang der südlichen Grenze.

Der vormals in Hohenlockstedt bei Itzehoe stationierte RTH “Christoph 52“ ist seit dem 1. April 2005 am Niebüller Krankenhaus stationiert und fliegt seither auch regelmäßig nach Dänemark. Dazu Hinrich Jürgensen: „Im Zuge der damaligen Krankenhaus-Beschlüsse – u. a. der Schließung in Tondern – hingen wir Dank des Angebotes aus Schleswig-Holstein hinsichtlich der prähospitalen Versorgung nicht in der Luft Wir bekamen damals eine sehr kostengünstige Lösung, wo nur per Einsatz bezahlt wird. Dies hat Leben gerettet und soll dies natürlich weiter tun. Wenn man nun dann seitens der Region die Zusammenarbeit aufkündigen würde, käme womöglich auch der dritte Rettungshelikopter in Schleswig-Holstein in Gefahr. Das war damals mit eines meiner Anliegen, den mit der Platzierung in Niebüll abzusichern.“

Jürgensen ist der Auffassung, dass man vehement für die Erhaltung des Standortes Niebüll kämpfen müsse: „Der Helikopter rettet Leben und ist wichtig für eine vernünftige prähospitale Versorgung des Landesteils. Aber er hat auch eine Symbolfunktion. Er war eines der ersten grenzüberschreitenden Projekte, wo den Bürgern etwas Konkretes geboten wurde. Ein Projekt, das den Menschen im Grenzland direkt zugute kommt. Daran muss man festhalten“, so Hinrich Jürgensen. Und so hofft er, dass die Schließung des Standorts Niebüll keine Verschlechterung für die Westküste bedeuten würde.

Petra Hentschel, die Pressesprecherin der DRF Luftrettung, kann die Aufregung um den Niebüller Rettungsheli nicht so recht nachvollziehen: “Die Flüge über die Grenze machen nur sechs Prozent der Einsätze aus.“ und sieht den DRF-Standort Niebüll wirtschaftlich nicht gefährdet. Von den 1.194 Einsätzen des Niebüller Hubschraubers führten im vergangenen Jahr lediglich 69 nach Dänemark.

Unser nördliches Nachbarland baut zurzeit ein eigenes Luftrettungsnetz auf. Zum 1. Oktober 2014 startet von Billund in Mitteljütland ein neuer RTH, der auch den Süden Dänemarks abdecken wird. Die DRF Luftrettung hatte sich deshalb erst zum Jahreswechsel aus dem dänischen Ringsted zurückgezogen.

Unterdessen plant nach Informationen des “Flensburger Tagblatts“ das Land Schleswig-Holstein, die Trägerschaft für die Luftrettung zu übernehmen - und damit auch die Bedarfsplanung. Erreicht werden soll das durch eine Änderung des Rettungsdienstgesetzes. Bei den örtlichen Krankenkassen als Kostenträger stößt dies naturgemäß auf Widerstand, wären diese dann nämlich nicht mehr unmittelbar an der Planung beteiligt. „Wir werden zu Zahlmeistern degradiert, bei Entscheidungen gar nicht mehr gefragt“, beklagt sich ein Sprecher vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Kiel.

Der Vorstoß der Landesregierung dürfte für weiteren Zündstoff sorgen - nicht nur in Nordschleswig. Schließlich waren es die Krankenkassen, die seinerzeit nur noch zwei Standorte im “Land zwischen den Meeren“ finanzieren wollten.

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Autor(en)
Tim Nußbaum

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Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

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