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Ein Tag bei Christoph Europa 5

09.01.2007

06:50h, Luftrettungszentrum Niebüll

Pilot Uli Weigang öffnet das Tor der Hubschrauberhalle und schiebt den Christoph Europa 5 (D-HWWW), der auf einer fahrbaren Plattform steht, mit einem Gabelstapler zu seinem Startplatz. Die anderen Mitglieder der Besatzung, der Rettungsassistent Patrick Burtscher und Notarzt Dr. Torsten Burow, helfen dabei, den Hubschrauber an die Stromversorung anzuschließen und einsatzbereit zu machen.

Um 7:00 Uhr wird Christoph Europa 5 bei der Leitstelle Husum einsatzbereit angemeldet. Pilot Uli Weigang sieht sich im Internet die Flugwetterdaten für den Bereich Schleswig-Holstein an, um sich ein Bild über die Wetterlage zu machen. Der Blick zum Himmel verheißt kein gutes Flugwetter: Wolkenverhangen präsentiert er sich an diesem Tag über der norddeutschen Landschaft.

07:10h: "Christoph Europa 5, bitte kommen!"

Um 7:10 Uhr klingelt das Telefon und eine Rettungsleitstelle fordert den Hubschrauber für den Verlegungsflug eines Patienten von Helgoland nach Bremerhaven an. Da der Pilot durch seine Wetterberatung weiß, das um Helgoland herum noch etliche Gewitter stehen, muß er diesen Flug ablehnen, da die Flugsicherheit Vorrang hat.

Das Wetter spielt nicht mit – Einsatzauftrag abgelehnt. Auch das gehört dazu

Das Wetter spielt nicht mit – Einsatzauftrag abgelehnt. Auch das gehört dazu

Foto: Bernd Walliser

Pilot und Rettungsassistent gehen zur Tankstelle für Jet-A1 Kraftstoff (Kerosin), um mit der Wasserprobe zu testen, ob sich eventuell Wasser im Tankvorrat befindet. Die Probe ist sauber, es ist kein Wasser festzustellen. Anschließend wird am Hubschrauber von beiden Besatzungsmitgliedern die Spülung der Turbinen mit Wasser durchgeführt, was nötig ist, um die Triebwerke von Salz, das hier im Küstenbereich der Nordsee reichlich in der Luft vorhanden ist, zu reinigen.

Reinemachen im Innenleben von "Christoph Europa 5"

Reinemachen im Innenleben von "Christoph Europa 5"

Foto: Bernd Walliser

Die Besatzung setzt sich zusammen, um einen Kaffee zu trinken, bespricht dabei nochmal einige geflogene Einsätze der letzten Tage und wartet auf den nächsten Alarm. Zusätzlich muss die Crew von Christoph Europa 5 noch nebenbei im Büro die schriftliche Abarbeitung der Einsätze erledigen.

12:00h: Leitstelle mit Alarm!

Schnittstelle Landeplatz - Übergabe des Patienten an die Luftretter

Schnittstelle Landeplatz - Übergabe des Patienten an die Luftretter

Foto: Bernd Walliser

Startklar im Cockpit

Startklar im Cockpit

Foto: Bernd Walliser

Das Warten geht weiter, bis um 12:00 Uhr der Einsatzauftrag für die Verlegung eines Patienten vom Krankenhaus Niebüll nach Flensburg erteilt wird. Der Patient wird von einem RTW an den Hubschrauber herangefahren, wird an Notarzt Dr. Burow und HEMS-Crew-Member Patrick Burtscher übergeben und auf einer Trage in den Hubschrauber hineingeschoben. Patrick Burtscher verschließt die Hecktüren des Hubschraubers sorgfältig und überwacht anschließend von außen den Start der Turbinen. Als er sieht, das alles in Ordnung ist, besteigt auch er den Christoph Europa 5 und der Hubschrauber hebt ab zum Flug zur Klinik nach Flensburg.

Flensburg schon fast zum Greifen nahe: Drei Tonnen Hubschrauber heben vom Boden ab in den windzerzausten Himmel

Flensburg schon fast zum Greifen nahe: Drei Tonnen Hubschrauber heben vom Boden ab in den windzerzausten Himmel

Foto: Bernd Walliser

Der Hubschrauber fliegt an diesem Tag noch zwei weitere Einsätze, womit sich der Anzahl der seit 01.04.2005 geflogenen Einsätze auf 1662 erhöht. Um 21:30 Uhr wird Christoph Europa 5 von seiner Besatzung bei der Leitstelle Nordfriesland abgemeldet und wird für die Nacht wieder in den Hangar gebracht.

 
Autor(en)
Bernd Walliser
Wir danken:
DRF & Team Christoph Europa 5

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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