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“Air Rescue Nürburgring“ im Fokus der Landespolitik

17.11.2016

Adenau / Mainz (RPF) ::  Der seit dem 1. Mai 2016 am Nürburgring stationierte Intensivtransporthubschrauber (ITH) “Air Rescue Nürburgring“ der Johanniter Luftrettung (rth.info berichtete) hat bis zum 14. September insgesamt 122 subsidiäre Einsätze, also primäre Luftrettungseinsätze geflogen. Dies geht aus den Antworten (Drs. 17/1085 und 17/1441) des für das Rettungswesen in Rheinland-Pfalz zuständigen Ministeriums des Innern und für Sport (MdI) auf zwei kurz hintereinander eingereichte Kleine Anfragen (Drs. 17/850 und 17/1220) des oppositionellen Landtagsabgeordneten Dr. Peter Enders hervor, die rth.info vorliegen. Die zum Teil im 24-Stunden-Betrieb eingesetzten ITH der Johanniter Luftrettung (also der in Gießen/Hessen stationierte Dual-Use-RTH “Christoph Gießen“, der in Reichelsheim/Hessen stationierte ITH “Christoph Mittelhessen“, der in Rostock/MVP stationierte ITH “Christoph Rostock“ sowie der seit 1. April 2016 in Marl/NRW stationierte ITH “Akkon Bochum 89-1“) haben in den ersten acht Monaten des Jahres insgesamt 304 Einsätze geflogen, dessen Aufnahme- oder Abgabeorte in Rheinland-Pfalz lagen.

Der Kartenausschnitt (Stand: 16.11.2016) zeigt den primären Einsatzradius des ITH “Air Rescue Nürburgring“

Der Kartenausschnitt (Stand: 16.11.2016) zeigt den primären Einsatzradius des ITH “Air Rescue Nürburgring“

Foto: Werner Wolfsfellner MedizinVerlag München

Der aus dem nordöstlichen Kreis Altenkirchen stammende CDU-Politiker, der vor seiner parlamentarischen Tätigkeit am Bundeswehr-Zentralkrankenhaus Koblenz als Anästhesist tätig war, wollte unter anderem wissen, ob die 122 Notfalleinsätze indiziert gewesen seien und ob diese von den zuständigen Kostenträgern, den Krankenkassen und den Berufsgenossenschaften, vergütet wurden. Irreführend war zunächst die vom MdI zitierte Aussage der Kostenträger, dass “keine vertragliche Grundlage zur Abrechnung von subsidiären Einsätzen [bestehe]“ und “nach Auffassung der Kostenträger bereits aus diesem Grund aktuell keine Anspruchsgrundlage für eine Vergütung [gebe]“.

Dies machte die renommierte Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin “Rettungsdienst“ auf ihrer Homepage www.skverlag.de dann auch am 2. November zu ihrem Aufmacher: “Luftrettungseinsätze ohne Vergütung?“ lautete der reißerische Titel der News. Auf Anfrage von rth.info widersprach Günther Lohre, Vorsitzender der Geschäftsführung der Johanniter Luftrettung, dieser Darstellung allerdings vehement. Gegenüber rth.info sagte Lohre, dass die Kostenträger bis auf drei offene alle Rechnungen bereits beglichen haben. Vor einigen Tagen vermeldete der CEO der Johanniter Luftrettung zudem, dass für die subsidiären Primäreinsätze des ITH “Air Rescue Nürburgring“, der in erster Linie im Werksrettungsdienst der capricorn Nürburgring GmbH und in Kooperation mit den Marienhaus Kliniken im luftgebundenen Interhospitaltransfer (also von Kliniken zu Kliniken) eingesetzt wird, nun eine eigene IK-Nummer vorliege, zudem zwischenzeitlich auch alle offenen Rechnungen beglichen seien.

Die Landesregierung nahm zur von Dr. Peter Enders angezweifelten Rechtmäßigkeit der subsidiären Primäreinsätze wie folgt Stellung: “Die Subsidiarität ergibt sich aus dem Umstand, dass ein originäres Luftrettungsmittel oder ein bodengebundenes, notärztliches Rettungsmittel nicht im definierten Zeitrahmen zur Verfügung steht. Die Ermittlung des jeweils nächstgelegenen Einsatzmittels erfolgt durch die zuständige Disponentin bzw. den zuständigen Disponenten auf Basis der aktuellen Standorte der Rettungsmittel.“ Das heißt konkret, wenn beispielsweise im Kreis Ahrweiler der Rettungshubschrauber (RTH) “Christoph 23“ aus Koblenz oder alternativ der RTH “Christoph 10“ aus Wittlich bzw. das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) aus Ahrweiler nicht rechtzeitig am Notfallort eintreffen kann, dann wird von der zuständigen Integrierten Leitstelle in Koblenz der in Adenau stationierte ITH “Air Rescue Nürburgring“ der Johanniter Luftrettung bzw. alternativ der im luxemburgischen Findel stationierte RTH “Air Rescue 3“ der Luxembourg Air Rescue alarmiert. “Hierbei steht alleine das Wohl der betroffenen Notfallpatientinnen bzw. -patienten im Vordergrund“, heißt es in der Antwort 17/1441 der rheinland-pfälzischen Landesregierung.

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Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken für Unterstützung:
Herrn Werner Wolfsfellner vom gleichnamigen Medizinverlag in München für die Konzeption und grafische Umsetzung des Kartenausschnitts

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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