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50 Jahre zivile Luftrettung in Deutschland (Teil 2a) – die Anfänge in Bayern

12.07.2020

Mit der Indienststellung des ersten zivilen und ständig mit einem Notarzt besetzten Rettungshubschraubers (RTH) „Christoph 1“ in München schlug am 1. November 1970 die Geburtsstunde der öffentlich-rechtlichen Luftrettung in der Bundesrepublik Deutschland. rth.info nimmt den 50. Geburtstag der Luftrettung in Deutschland zum Anlass, die „Hubschrauberrettung“ in den Bundesrepublik auf die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern zu fokussieren. Damit sollen auch die immensen Leistungen und auch die mit einem stetigen Wandel verbundenen großen Herausforderungen sowie die Bedeutung der Luftrettung in einem europäischen und globalen System der schnellen Hilfe aus der Luftrettung näher beleuchtet werden.

Dies wird mit einer Darstellung der Luftrettung in den 16 Bundesländern Deutschlands in alphabetischer Reihenfolge geschehen. Der Fokus liegt dabei auf der historischen Entwicklung, den gesetzlichen Grundlagen der “Hubschrauberrettung“ und dem gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern. Den Anfang machte Baden-Württemberg, jetzt ist Bayern dran. Aufgrund des dichten Netzes an Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern im Südosten und aufgrund der abwechslungsreichen Historie im Freistaat wird die “Hubschrauberrettung“ in Bayern von rth.info mit zwei Reportagen gewürdigt.

Historische Entwicklung

Bevor die “Christoph“-Luftrettung am 1. November 1970 in München aus der Taufe gehoben wurde, fanden in Bayern bereits zum Ende der 1960er Jahre zwei Pionierversuche mit Hubschraubern im Rettungsdienst statt, die maßgeblich zur Implementierung der Luftrettung beigetragen haben (einer in der bayerischen Landeshauptstadt München, ein weiterer in der Frankenmetropole Nürnberg). Bundesweit gab es weitere Feldversuche: Bereits 1967 in Neu-Anspach (Hessen), 1968 in Frankfurt am Main (ebenfalls Hessen) und im gleichen Jahr in Mainz (Rheinland-Pfalz).

Im Herbst 1970 wird im Englischen Garten der erste zivile und ständig mit einem Notarzt besetzte Rettungshubschrauber auf den Namen “Christoph“ getauft

Im Herbst 1970 wird im Englischen Garten der erste zivile und ständig mit einem Notarzt besetzte Rettungshubschrauber auf den Namen “Christoph“ getauft

Foto: ADAC

In der bayerischen Landeshauptstadt München startete der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) zwischen dem 13. Juni und dem 6. Oktober 1968 sowie zwischen dem 20. Dezember 1968 und dem 7. Januar 1969 mit einer von der Firma Süd-Helicopter Flug-Gesellschaft Ch. Ortner & F. Haberl oHG gecharterten Bell 206 A Jet Ranger einen Pionierversuch. Aus der Firma ging 1977 die Münchner Helicopter Service GmbH (MHS) hervor.

“Kolibri von Christoph, bitte kommen.“

Der weiß-blaue Hubschrauber wurde „Kolibri“ gerufen, während die Bodenfunkstelle den Namen „Christoph“ trug. „Kolibri“ wurde an insgesamt 47 Tagen 52 mal angefordert, dabei wurden 27 Patienten transportiert. Ein weiterer Pionierversuch des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Nürnberg fand zwischen dem 26. Juli und dem 25. August 1968 mit einem Hubschrauber des Typs Bell Super Ranger der Ambulanzfliegergruppe Nordbayern e.V. und einer Ersatzmaschine des Typs Alouette II“ der Bundeswehr statt, in dessen Rahmen 18 Einsätze geflogen und 23 Verletzte notärztlich versorgt wurden (rth.info berichtete 2018 hierüber).

Aus den überaus positiven Erfahrungen resultierte der ambitionierte Vorsatz zum Aufbau eines flächendeckenden zivilen Hubschrauber-Rettungsdienstes, wie die Luftrettung anfangs bezeichnet wurde, vornehmlich zur Unfallrettung. Der ADAC entschloss sich zur Beschaffung der damals brandneuen BO 105 A der in Ottobrunn bei München ansässigen Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB, 1969 aus der am 1. November 1968 gegründeten Bölkow-Messerschmitt GmbH in Ottobrunn hervorgegangen). MBB ging 1992 im Rahmen einer Fusion mit der französischen Aérospatiale in dem Konzern Eurocopter auf, der 2013 in den EADS- bzw. später Airbus-Konzern als Airbus Helicopters integriert wurde. Am 1. November 1970 wurde der gelbe RTH des ADAC mit dem treffenden Kennzeichen D-HILF am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching (heute München Klinik Standort Harlaching) in Dienst gestellt. Die erste Einsatzbesatzung bestand aus Pilot Wolfgang Starke, Notarzt Dr. Hans Burghard und Sanitäter Otto Seuß.

Am 1. November 1970 wurde der gelbe RTH des ADAC mit dem treffenden Kennzeichen D-HILF am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching in Dienst gestellt

Am 1. November 1970 wurde der gelbe RTH des ADAC mit dem treffenden Kennzeichen D-HILF am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching in Dienst gestellt

Foto: ADAC Luftrettung

Wie aus dem “Rotkreuz Bayern 4“ erst “Christoph“, dann “Christoph 1“ wurde

Zwar wurde der erste zivile und ständig mit einem Notarzt besetzte RTH Deutschlands bereits am 29. September 1970 im Englischen Garten in München auf den Namen „Christoph“ getauft, dennoch wurde er aber im Funk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) anfangs „Rotkreuz Bayern 4“ gerufen. Erst einige Monate später folgte der Rufname „Christoph“ im Rettungsdienstfunk und im Jahr 1972 dann die Umbenennung in „Christoph 1“, als auch „Christoph 2“ in Frankfurt am Main stationiert wurde.

Am 17. August 1971 erlitt die noch sehr junge Luftrettung ihren ersten Rückschlag mit dem Absturz von „Christoph“ in München-Allach, wobei der RTH zerstört wurde und der Notarzt tödliche Verletzungen erlitten hatte. Da eine ADAC-eigene Ersatzmaschine nicht vorhanden war, leistete noch am gleichen Tag die Bundeswehr mit einer Bell UH-1D und ab 23. August die damalige Grenzschutz-Fliegerstaffel Süd, die heutige Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim, ebenfalls mit einer Bell UH-1D, zur Sicherstellung des Einsatzflugbetriebes, die notwendige Aushilfe. Ab dem 27. Dezember 1971 stand dann wieder eine ADAC-eigene, gelbe Einsatzmaschine in München zur Verfügung.

Nach dem Absturz von "Christoph 1" im August 1971 stellte die damalige Grenzschutz-Fliegerstaffel Süd mit einer Bell UH-1D die notwendige Aushilfe

Nach dem Absturz von "Christoph 1" im August 1971 stellte die damalige Grenzschutz-Fliegerstaffel Süd mit einer Bell UH-1D die notwendige Aushilfe

Foto: Archiv ehem. Bundesgrenzschutz-Fliegerstaffel Süd

Ab dem 27. Dezember 1971 stand dann wieder eine ADAC-eigene, gelbe Einsatzmaschine in München zur Verfügung

Ab dem 27. Dezember 1971 stand dann wieder eine ADAC-eigene, gelbe Einsatzmaschine in München zur Verfügung

Foto: Archiv Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

Der Bund übernimmt 1975 die Münchner Station vom ADAC

Zur Vereinheitlichung des Luftrettungsdienstes übereignete der ADAC seinen RTH in München dem Bundesministerium des Innern (BMI), wodurch die Luftrettungsstation München mit Wirkung vom 1. Januar 1975 zu einem Zivilschutz-Hubschrauber-Standort des Bundes wurde. Im darauf folgenden Jahr wurden die für einen adäquaten Flug- und Einsatzbetrieb notwendigen Standortanlagen am Städtischen Krankenhaus Harlaching errichtet. Zuvor musste der “Christoph 1“ täglich zum Übernachten nach Neubiberg zum dortigen Militärflugplatz.

Erste BK 117 im Luftrettungsdienst kommt 1984 nach München

Ein Quantensprung in der bayerischen, aber auch deutschland- und sogar weltweiten Luftrettung wurde mit der Indienststellung der ersten BK 117 am 3. Februar 1984 in München erreicht und damit die Luftrettungsstation wieder von der ADAC Luftrettung übernommen. Allerdings blieb die Station München bis ins Jahr 1990 ein Zivilschutz-Hubschrauber-Standort des Bundes, was sich in der Aushilfe durch den damaligen Bundesgrenzschutz (BGS), der heutigen Bundespolizei (BPOL), mit einem ZSH des Bundes zeigte, wenn die gelbe BK 117 in die Wartung musste.

Eine weitere Optimierung erfuhr die Luftrettung in der bayerischen Landeshauptstadt im Februar 1995 durch die Ausrüstung von „Christoph 1“ mit einer Rettungswinde, wodurch nun auch Einsätze im Gebirge und bei besonderen Einsatzlagen möglich wurden. Am 1. Januar 2010 erfolgte der Wechsel der Rettungsassistenten bzw. HEMS Crew Member (HCM) vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) zur Berufsfeuerwehr (BF) der Landeshauptstadt München, d.h. das Personal wechselte vom BRK zur BF.

Ab Februar 1984 flog mit der BK 117 ein neues Muster in der bundesdeutschen Luftrettung

Ab Februar 1984 flog mit der BK 117 ein neues Muster in der bundesdeutschen Luftrettung

Foto: Archiv Michael Butz

2015 wird auf H145 umgestellt – “Jubiläumshubschrauber“ erinnert an “50 Jahre Christoph“

Mit der Indienststellung der H145 mit Außenrettungswinde in München wurde die Luftrettung durch „Christoph 1“ am 25. November 2015 wieder mit neuester Technik deutlich optimiert. Mit der feierlichen Übergabe einer durch den Förderverein „Christoph 1“ e.V. aufwendig restaurierten und originalgetreu ausgestatteten BO 105 A mit dem Kennzeichen D-HILF und dem Rufnamen „Christoph“ an das Deutsche Museum, Flugwerft Schleißheim, in München wurde am 26. Oktober 2018 ein Stück deutscher Luftrettungsgeschichte dokumentiert und erhalten. Anfang dieses Jahres wurde ein RTH/ITH des Typs H145 als „Jubiläumshubschrauber“ in einem besonderen Design mehrfach mit der Nummer 50 beklebt, um 50 Jahre Luftrettung in München und damit in Deutschland deutlich sichtbar zu machen.

Neben dem ADAC gab es in Bayern weitere Luftrettungspioniere

Der zweite Luftrettungsstützpunkt in Bayern wurde 1971 durch die Firma Süd-Helicopter Flug-Gesellschaft Ch. Ortner & F. Haberl oHG mit der schon im Pionierversuch in München eingesetzten weiß-blauen Bell 206 A Jet Ranger im oberbayerischen Landkreis Traunstein errichtet. Erst startete die Einsatzmaschine nur am Wochenende von der Autobahnpolizei Siegsdorf aus. Ab 1972 war der RTH dann am Klinikum Traunstein stationiert, der 1974 dort einen provisorischen Hangar aus Wellblech erhielt. Der Flug- und Einsatzbetrieb dieses RTH wurde im Oktober 1975 eingestellt, sodass für ein knappes Jahr kein Luftrettungsmittel in der Region zur Verfügung gestanden hatte.

Ab September 1976 flog in Traunstein eine BO 105 C des BGS – erst in gelb, dann (wie hier abgebildet) in orange

Ab September 1976 flog in Traunstein eine BO 105 C des BGS – erst in gelb, dann (wie hier abgebildet) in orange

Foto: Archiv Michael Butz

Diesem folgte am 10. September 1976 ein damals noch gelb lackierter Hubschrauber des Zivilschutzes vom Typ BO 105 C mit Piloten des BGS und dem Rufnamen „Christoph 14“ ebenfalls am Klinikum Traunstein, wo auch die notwendigen Standortanlagen errichtet wurden. Eine Erweiterung bzw. ein Umbau des Klinikums Traunstein machte den Abriss der Standortanlagen im Oktober 1984 erforderlich, weshalb eine provisorische Luftrettungsstation im Garten des Klinikums Traunstein errichtet und die Maschine zur „Übernachtung“ täglich in die Bundeswehr-Kaserne Traunstein geflogen werden musste und morgens umgekehrt wieder zurück zum Krankenhaus. Ende November 1986 konnte die neue und moderne Luftrettungsstation auf dem Dach des Klinikums Traunstein in Betrieb genommen werden. Somit endete das zweijährige Provisorium und auch die „Gastfreundschaft“ der Bundeswehr brauchte nicht mehr in Anspruch genommen zu werden, da der RTH wieder ein komplettes Zuhause hatte.

Zur Optimierung der Luftrettung wurde am 17. Juni 1996 ein neuer ZSH des Bundes vom Typ BO 105 CBS-5 „EC Superfive“ in Traunstein stationiert. Da die neue Einsatzmaschine trotz einer um 25 cm verlängerten Zelle bzw. Kabine zu klein für Windeneinsätze war, wurde der RTH zur Optimierung der Bergrettung Mitte des darauffolgenden Jahres (1997) mit einem Fixtau ausgerüstet. Gut zehn Jahre später hielt dann auch die EC 135 bei der LUFTRETTUNG Bundesministerium des Innern zur Erneuerung der ZSH des Bundes Einzug, wodurch auch in Traunstein am 30. März 2007 erstmals eine EC 135 zum Einsatz kommt.

Drei H135 ersetzen seit 2018 die Flotte der “orangen Luftretter“

Im Jahr 2018 beschaffte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) zwei brandneue Einsatzmaschinen des Typs H135 (EC 135 T3) und ließ einen ZSH des Musters EC 135 T2i auf H135-Standard aufrüsten, die auch über Rettungswinden verfügen. Damit werden an den Luftrettungsstationen des Bundes in Traunstein seit dem 27. Oktober 2018 und in Kempten seit dem 9. Mai 2019 zwei neue H135 mit Winde eingesetzt. Die dritte H135 in Orange dient als Einsatzreserve und wird bei der zuständigen Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim vorgehalten.

Nürnberger Pilotprojekt geht in den Regelbetrieb über

Die Luftrettung in der bayerischen Region Franken nahm am 1. Juli 1974 ihren Anfang mit der Stationierung des Rettungshubschraubers „SAR Nürnberg 74“. Mit dem von der Bundeswehr gestellten RTH des Musters Bell UH-1D ging die dritte Luftrettungsstation in Bayern am Flughafen Nürnberg an den Start. Wie alle Einsatzmaschinen des SAR-Dienstes der Bundeswehr (Luftwaffe) hatte auch der „SAR Nürnberg 74“ von Anfang an eine Rettungswinde mit einer Länge von 90 m an Bord, was der Bergrettung in dieser Region zu Gute kam.

Mit dem von der Bundeswehr gestellten RTH "Christoph 74" des Musters Bell UH-1D ging die dritte Luftrettungsstation in Bayern am Flughafen Nürnberg an den Start

Mit dem von der Bundeswehr gestellten RTH "Christoph 74" des Musters Bell UH-1D ging die dritte Luftrettungsstation in Bayern am Flughafen Nürnberg an den Start

Foto: Archiv Michael Butz

Infolge des Rückzuges der Bundeswehr als Betreiber von RTH aus der zivilen, öffentlich-rechtlichen Luftrettung wurde die RTH-Station Nürnberg am 1. April 1998 von der Bundeswehr an die DRF Luftrettung übergeben, die dort eine BK 117 B-2 ebenfalls mit einer Rettungswinde stationierte. Im Jahre 2010 wurde die BK 117 durch eine EC 135 mit Winde ersetzt, womit die Luftrettungsstation Nürnberg zu den wenigen Standorten gehört, wo die Rettungswinde an der EC 135 zum Einsatz kommt. „Christoph 27“ bildet gemeinsam mit dem ebenfalls am Flughafen Nürnberg stationierten ITH/Dual-Use-Hubschrauber „Christoph Nürnberg“ einen der wenigen Doppelstandorte in der bundesdeutschen Luftrettung.

Am 19. November 1977 wurde „Christoph 15“ am St. Elisabeth-Krankenhaus Straubing und damit der vierte zivile Luftrettungsstützpunkt in Bayern mit einer damals noch gelben BO 105 C des Zivilschutzes in Betrieb genommen, die ab 1980 in orange lackiert war. Im Zuge einer Reduktion der Zivilschutz-Hubschrauber-Standorte des Bundes wurde die RTH-Station „Christoph 15“ am 1. Dezember 1995 von der ADAC Luftrettung mit einer BO 105 CBS-5 übernommen, die im August 1998 von einer EC 135 ersetzt wurde. Infolge einer Erweiterung des Krankenhauses mussten auch hier die Standortanlagen abgerissen und neu errichtet werden. Seit Juli 2014 befindet sich die Luftrettungsstation auf dem Dach des Klinikum St. Elisabeth Straubing. Zur Optimierung der Luftrettung und der Bergrettung wurde „Christoph 15“ im Frühjahr 2018 im Rahmen eines Probebetriebes mit einer Rettungswinde ausgerüstet. Der Probebetrieb wurde im Sommer 2019 in den Regelbetrieb überführt.

In Straubing kam zwar auch eine orange BO 105 des Bundes zum Einsatz – allerdings keine CBS-5 mehr (hier eine Vergleichsaufnahme aus dem Jahr 2007 aus Kassel)

In Straubing kam zwar auch eine orange BO 105 des Bundes zum Einsatz – allerdings keine CBS-5 mehr (hier eine Vergleichsaufnahme aus dem Jahr 2007 aus Kassel)

Foto: Jörn Fries

„Christoph 18“, eine gelbe BO 105 CB, wurde als fünfter bayerischer RTH am 31. Juli 1980 am damaligen Kreiskrankenhaus Ochsenfurt, der heutigen Main-Klinik, durch die damalige ADAC Sicherheitskreis GmbH stationiert, da der BGS als Luftfrachtführer der Hubschrauber des Zivilschutzes Engpässe bei der Stellung der Piloten hatte. Die Aushilfe des ADAC dauerte bis zum 3. November 1981, als der BGS die Luftrettungsstation mit einer dann orangen BO 105 CB des Zivilschutzes mit eigenen Piloten übernahm. Temporär wurden auch in Ochsenfurt eine grüne Bell UH-1D des BGS und ein orange Bell UH-1D des Zivilschutzes eingesetzt.

Am 3. November 1981 übernahm der BGS die Luftrettungsstation "Christoph 18" in Ochsenfurt mit einer orangen BO 105 CB des Zivilschutzes und mit eigenen Piloten

Am 3. November 1981 übernahm der BGS die Luftrettungsstation "Christoph 18" in Ochsenfurt mit einer orangen BO 105 CB des Zivilschutzes und mit eigenen Piloten

Foto: Archiv Michael Butz

Nach Abgabe der Station “Christoph 18“ an zivile Betreiber: DRF und ADAC geben sich Klinke in die Hand

Im Januar 1996 übernahm die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. (DRF), die heutige DRF Luftrettung, infolge der Reduktion von ZSH-Standorten des Bundes die Luftrettungsstation Ochsenfurt mit einer BO 105 CBS, die am 20. September 1996 durch eine von zwei damals brandneuen EC 135 der DRF ersetzt wurde. Als Einsatzreserve setzte die DRF in Ochsenfurt auch temporär die BK 117 ein. Im Zuge einer öffentlichen Ausschreibung erhielt die ADAC Luftrettung den Zuschlag für den Betrieb der Luftrettungsstation Ochsenfurt ab dem 1. Januar 2011, wo seit dieser Zeit eine gelbe EC 135 eingesetzt wird. Im Januar 2012 erfolgte die durch eine umfangreiche Renovierung notwendige Verlegung des RTH „Christoph 18“ auf den nur zwei Flugminuten von Ochsenfurt und 16 km südlich von Würzburg entfernten ehemaligen US-Militärflugplatz Giebelstadt. Nach rund zwölf Monaten konnte „Christoph 18“ am 15. Januar 2013 wieder an seine frisch renovierte Station an der Main-Klinik Ochsenfurt zurückkehren, von wo aus er wieder seit dieser Zeit zu seinen Notfalleinsätzen startet.

Nach Übernahme der Station in Ochsenfurt flog dort eine der zwei damals brandneuen EC 135 der DRF – hier zu sehen: die D-HQQQ

Nach Übernahme der Station in Ochsenfurt flog dort eine der zwei damals brandneuen EC 135 der DRF – hier zu sehen: die D-HQQQ

Foto: Archiv Michael Butz

Mit „Christoph 17“ in Kempten wurde am 16. September 1980 unmittelbar vor dem Beginn des ersten Internationalen Luftrettungskongresses der sechste bayerische RTH in Dienst gestellt, womit auch die Ausbaustufe des BMI mit Hubschraubern des Zivilschutzes endete. Die orange Einsatzmaschine des Typs BO 105 CB wurde 1997 durch eine modernere und leistungstärkere BO 105 CBS-5 „EC Superfive“ ersetzt und erhielt ein Fixtau für Bergrettungseinsätze. Am 23. Februar 2007 wurde im Zuge der Erneuerung der ZSH des Bundes in Kempten eine neue Einsatzmaschine des Typs EC 135 stationiert.

Mit „Christoph 17“ in Kempten wurde am 16. September 1980 der sechste bayerische RTH in Dienst gestellt

Mit „Christoph 17“ in Kempten wurde am 16. September 1980 der sechste bayerische RTH in Dienst gestellt

Foto: Archiv Michael Butz

Eine Erweiterung des Krankenhauses Kempten machte in den 2010er Jahren die Verlegung des RTH an einen anderen Standort im Großraum Kempten erforderlich. Aus insgesamt 30 geprüften möglichen Standorten wurde der Flugplatz Kempten-Durach ausgewählt, wo „Christoph 17“ seit April 2012 beheimatet ist. Im Dezember 2018 konnte dort ein neuer Hangar mit den obligatorischen Bereitschafts-, Betriebs- und Sozialräumen sowie den Standortanlagen in Betrieb genommen werden, womit auch ein Provisorium im Allgäu zu Ende ging und eine moderne Luftrettungsstation besteht. Darüber hinaus konnte durch die Stationierung einer H135 (EC 135 T3) mit einer Rettungswinde die Luftrettung mit „Christoph 17“ in Kempten am 9. Mai 2019 wieder einmal mehr optimiert werden.

Der Bund beendet 1980 planmäßig den Ausbau des so genannten “18-RTH-Programms“

Nachdem der BMI zum Ende der 1970er Jahre bekannt gegeben hatte, dass nach dem Ende der Ausbaustufe mit der Stationierung von „Christoph 17“ in Kempten kein weiterer Ausbau der Luftrettung durch den Bund erfolgen wird, bestand in mehreren Bundesländern noch zum Teil erheblicher Bedarf an weiteren Luftrettungsstützpunkten. Vor diesem Hintergrund entschloss sich der ADAC u.a. in Bayern zum Ausbau der Luftrettung mit eigenen RTH und eigenem fliegerisch-technischem Personal und zur Gründung einer Sicherheitskreis GmbH, dem Nucleus der 1982 gegründeten ADAC-Luftrettung GmbH gemeinnützige Geselschaft.

Somit ging am 16. November 1981 eine gelbe BO 105 CB mit der Kennung D-HDMB und dem Rufnamen „Christoph 20“ am Klinikum Bayreuth an den Start. Es war damit die siebte Luftrettungsstation in Bayern. Nach dem Absturz der Einsatzmaschine am 6. Juni 1982 wurde eine damals neue BO 105 CBS-4, die über eine gegenüber der BO 105 CB um eine 25 cm längere Kabine verfügte, in Bayreuth stationiert, die 2002 durch die EC 135 ersetzt wurde.

Ab November 1981 flog eine gelbe BO 105 CB mit der Kennung D-HDMB und dem Rufnamen „Christoph 20“ am Klinikum Bayreuth – hier sehen wir eine Ersatzmaschine im Einsatz

Ab November 1981 flog eine gelbe BO 105 CB mit der Kennung D-HDMB und dem Rufnamen „Christoph 20“ am Klinikum Bayreuth – hier sehen wir eine Ersatzmaschine im Einsatz

Foto: Archiv Michael Butz

Teil 2b beleuchtet die gesetzlichen Grundlagen der “Hubschrauberrettung“ in Bayern sowie den gegenwärtigen Ist-Zustand. Er erscheint in wenigen Tagen.

Autor

Wir danken:
allen Bildautoren, deren Aufnahmen die Reportage mit ihren historischen und aktuellen Aufnahmen aufgelockert haben, insbesondere Michael Butz

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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