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Thüringer Luftrettung im Wandel (Teil 1)

25.11.2008

In dieser Reportagenserie sind erschienen:

SAR-Hubschrauber: Search and Rescue in Erfurt

Im Dezember 1989, also zu Zeiten der "Wende", stationierte die damalige Nationale Volksarmee der DDR den ersten ostdeutschen Rettungshubschrauber auf dem Erfurter Flughafen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Schnellen Medizinischen Hilfe Erfurt, die für den Ausbau der damaligen Einsatzmaschine zuständig war denn der Hubschrauber kam völlig leer nach Erfurt.

SAR Erfurt 89 (rechts) und die damalige Einsatzmaschine der Polizeihubschrauberstaffel Thüringen auf dem Flughafen Erfurt- Bindersleben (EDDE)

SAR Erfurt 89 (rechts) und die damalige Einsatzmaschine der Polizeihubschrauberstaffel Thüringen auf dem Flughafen Erfurt- Bindersleben (EDDE)
Foto: Alan Lathan

Der erste RTH der zivilen Luftrettung auf dem Gebiet der DDR kam am 02.04.1990 seitens der IFA nach Leipzig: Der damalige RTH nahm seinen Dienst mit der Stationierung am Lazarett Leipzig- Wiederitzsch der NVA (Nationale Volksarmee der DDR) auf. "Christoph Leipzig" trug damals übrigens die Türbeschriftung "SMH – Rat der Stadt Leipzig".

SAR Erfurt 89 als wichtiges Rettungsmittel

Der Militärhubschrauber flog mit der Bundeswehrbezeichnung SAR 89 und wurde damals besetzt von Piloten des Lufttransportkommandos aus Brandenburg. Eine sehr beeindruckende "Mühle". Die Kommandos der Piloten im Cockpit wurden in Russisch gesprochen! Diese Mi 8 bot in der RTH Version Platz für bis zu 4 liegende Patienten. Neben der örtlichen Rettungsleitstelle „Erfolg Erfurt“ war der Helikopter unmittelbar der Luftrettungsleitstelle in Fürstenwalde (RCC) untergeordnet.

In 24-Stunden- Bereitschaften hielten Krankenpfleger der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH) Erfurt und später des Arbeiter-Samariter-Bundes Erfurt gemeinsam mit Erfurter Notärzten den Luftrettungsdienst aufrecht. Seit dem 08. Dezember 1989 war das SAR- Kommando Erfurt mit einem Hubschrauber ausgestattet. Dieser wurde in den darauf folgenden Tagen zum RTH um- und ausgerüstet. Ab dem 21. Dezember 1989 war der Hubschrauber dann einsatzklar und angemeldet. Zwei Tage später, also am 23.12.1989 erfolgte der erste Einsatz. Als noch einziger Rettungshubschrauber für das ganze Bundesland war man in Erfurt schon damals gut ausgelastet, zumal durch die übermäßige Flut von neu zugelassenen Fahrzeugen unter anderem die A 4 zum täglichen Einsatzort für Verkehrsunfälle wurde. In den jährlichen Statistiken nach der Wende belegte "SAR 89" im Vergleich zu anderen ostdeutschen Luftrettungszentren einen einsamen Spitzenplatz.

25.März 1991, 07:42h Absturz SAR 89 bei Primäreinsatz

Die Mi-8 war im Anflug zu einem Rettungseinsatz im Bereich Erfurt Autobahn. Der Besatzung war es nicht gelungen, das starke Sinken rechtzeitig zu beenden, woran den Beschreibungen nach ein Leistungsverlust der Triebwerke Schuld hatte. Die Maschine konnte so nicht abgefangen werden. Der Hubschrauber setzte hart auf dem Feld auf und kam wenig später schwer beschädigt zum Stehen. Das abfallende Gelände trug seinen Teil dazu bei, dass die Heckschraube sich in den Boden grub und letztendlich der Heckträger brach. Zum Glück kamen die Kollegen mit leichteren Verletzungen davon. Die Maschine war Totalschaden.

Neue Strukturen in der Luftrettung

Aufnäher

Aufnäher "Christoph 50 - SAR 89"; zum Rufnamen "Christoph 50" siehe weiter unten
Foto: Team SAR-Kdo. Erfurt

Durch Auflösungen und Umstrukturierungen bei den Grenztruppen und der NVA änderten sich auch die Aufgabenverteilungen im Bereich Luftrettung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. So kam es im Jahre 1992 zu einer ersten Veränderung in der Thüringer Luftrettung. Die MI 8 der Volksarmee wurde gegen das bis dato wohl bekannteste Luftfahrzeugmuster der westdeutschen Luftrettung ausgetauscht:

Es war eine Bell UH-1D, besetzt von Piloten und Bordtechnikern des Lufttransportgeschwaders 61 aus dem Bayerischen Penzing bei Landsberg am Lech.

"Christoph 50"

SAR Erfurt 89 (links) und der spätere

SAR Erfurt 89 (links) und der spätere "Christoph 50/2" im gemeinsamen Primäreinsatz im Erfurter Umland
Foto: Anonym

Die Funkkennung für die Luftrettung behielt die Luftwaffe bei. Die Bell flog also wie bekannt als "SAR Erfurt 89", allerdings jetzt angegliedert an die Luftrettungsleitstelle Goch (RCC – Rescue Coordination Center). In der zivilen Luftrettung erhielt der "SAR Erfurt 89" einen weiteren Namen. "Christoph 50".

"Christoph 50/2", Erfurt. OE-XMM (später D-HHXX) hatte HDM nach dem Verkauf der Kufenmaschine D-HHNN vom aufgelösten LRZ Wien abgezogen
Foto: Anonym

Das ist als Besonderheit zu werten, da es sich zunächst um ein reines SAR-Kommando und nicht um ein Rettungszentrum handelte. Dies kam zustande, da infolge des Tauschs des Luftfahrzeugmusters eine Umstationierung vom Flughafen Erfurt zur damaligen Medizinischen Akademie Erfurt erfolgte. Der Hubschrauber war als RZ-Maschine in Sofortbereitschaft. 24 Stunden ám Tag u.a. mit Rettungswinde, über die man in Erfurt vom ersten Tag an verfügte.

Im späteren Verlauf der Luftrettung und im Rahmen der Neustationierung des SAR 77 in Jena (heute Christoph 70-ADAC) wurde SAR 89 in ein reines SAR Kommando mit Sitz auf dem Erfurter Flughafen (EDDE) umgewandelt. Den Funkrufnamen "Christoph 50" hatten die Flieger der Luftwaffe damit auch abgelegt.

ITH

ITH "Christoph 50/2" vor dem Erfurter Hangar auf Einsatzposition; diese Maschine ist 2002 als ITH Berlin in der Nähe bei Pritzwalk abgestürzt und ausgebrannt
Foto: Anonym

Verstärkung durch "Christoph 50/2"

Dann ging der Ausbau der Luftrettung rasant weiter. Durch verschiedene große Kliniken im Großraum Erfurt und dem ständig wachsenden Einsatzaufkommen auch an Luft gebundenen Klinikverlegungen hat man sich für Erfurt nach einem weiteren Rettungshubschrauber für spezielle Intensivverlegungen umgesehen. Nach diversen Verhandlungen etc. war es am 1.April 1992 soweit. "Christoph 50/2" stand ebenfalls auf dem Erfurter Flughafen "Frei und Einsatzbereit!"

Medizinisch gibt es sehr anspruchsvolle Aufgaben für die Thüringer Luftretter, hier eine ECMO am Klinikum Bad Berka im Nachteinsatz.

Medizinisch gibt es sehr anspruchsvolle Aufgaben für die Thüringer Luftretter, hier eine ECMO am Klinikum Bad Berka im Nachteinsatz.
Foto: Anonym

Es blieb nicht lange so. Noch während die damals diensthabende Schwester am Equipment letzte Hand anlegte, kam der erste Einsatz. „Schwerer Verkehrsunfall bei Schleiz an einer Talsperre mit eingeklemmter Person.“
Also rein ins kalte Wasser und los ging es.

Flugbetriebspartner HDM

Mit der (damaligen) HDM Flugservice GmbH, noch mit Sitz in Martinsried bei München, hatte der ASB Erfurt einen Partner, der über sehr moderne Fluggeräte verfügte. Bell 412 HP, eine Weiterentwicklung der Grundzelle der Bell UH-1D (zivil Bell 205) mit allem, was einen 24-Stunden-Einsatzbetrieb möglich machte – und sogar noch bedeutend sicherer als bisher. GPS, Wetterradar, Autopilot, Instrumentenflugausrüstung und viele medizinische Dinge wie Sauerstofftank oder eingebaute Absaugpumpen machten den Hubschrauber mit all seinem Equipment zu einer "fliegenden Intensivstation".

In Folge der Stationierung des “Christoph 50/2“ zog sich der ASB Erfurt mit seinen Rettungsassistenten/ Krankenpflegern aus dem Dienstgeschehen des SAR 89 zurück und übergab dies an die Bundeswehr-eigenen Luftrettungsmeister des SAR-Dienstes.

"Sama Erfurt 1-84-1"

"Christoph 50/2" bekam nun den Funkrufnamen "Sama Erfurt 1-84-1" und flog als Intensivtransport-Hubschrauber (ITH) für Thüringen und die, die ihn darüber hinaus benötigten. Denn in Erfurt wurde ebenfalls der erste ITH in den neuen Bundesländern stationiert. (Die 84 stand hierbei für Hubschrauber laut BOS-Funkgesetz.)

Besetzt mit 2 Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistent / Krankenpfleger ging es durch ganz Deutschland. Gerade Spezialkliniken für Verbrennungsopfer wie Hamburg, München oder Berlin flog "Sama Erfurt 1-84-1" öfters an. Aber es ging noch weiter. Bis nach Genf, Brüssel, Prag oder Bern. Natürlich nicht das tägliche Brot, aber dennoch beeindruckend.

Fortsetzung folgt

In Teil 2 lesen Sie: Wie der ITH nach Bad Berka umzog und wie es von dort aus mit dem Einsatzgeschehen weiterging.

 
Autor(en)
Gastbeitrag
Wir danken:
Alan Lathan