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SAR-Jahresbericht 2018: Dringende Eilhilfe um fast 50 Prozent gestiegen

20.05.2019

Köln (NRW) ::  Das Luftwaffenamt der Bundeswehr (LufABw) hat im April dieses Jahres den SAR-Jahresbericht veröffentlicht. Bereits in seinem Vorwort hat der Amtschef des LufABw, Generalmajor Günter Katz, sehr gute Nachrichten zu verkünden, denn der SAR-Flugbetrieb kann auf 16 unfallfreie Jahre zurückblicken, obwohl komplexe SAR-Einsätze außerordentlich hohe Anforderungen an die Einsatzbesatzungen stellen, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr bei nahezu jedem Wetter zur Verfügung stehen.
Aus dem in Zusammenarbeit mit den beiden SAR-Leitstellen Glücksburg und Münster erstellten SAR-Jahresbericht 2018 geht hervor, dass der SAR-Dienst der Bundeswehr insgesamt 1.695-mal alarmiert wurde. Dabei wurden 284 Einsätze mit 477 Flugstunden absolviert. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass längst nicht jede Alarmierung auch zu einem SAR-Einsatz führen muss, sondern nur ein Bruchteil einen operativen SAR-Hubschrauber-Einsatz erforderlich macht.

  • Im Rahmen des originären SAR-Dienstes, also zur Unterstützung der eigenen und verbündeten Streitkräfte sowie der Luft- und Seenotrettung (u.a. ICAO-Auftrag) wurden 112 Einsätze durchgeführt.
  • Auf den Punkt genau die gleiche Anzahl von Einsätzen, nämlich auch 112 Einsätze, wurden im Rahmen der Dringenden Eilhilfe zur Unterstützung der zivilen Luftrettung geflogen. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein ziviles Luftrettungsmittel nicht oder nicht zeitnah zur Verfügung steht und militärische Belange dem Einsatz nicht entgegenstehen.

Durch Nacht- und Schlechtwettereinsätze sind die Einsätze im Rahmen der Dringenden Eilhilfe im Vergleich zum Vorjahr um fast 50% mit 46 zusätzlichen Flugstunden gestiegen. Der Zuwachs an Einsätzen erfolgte an den SAR-Kommandos Niederstetten und Holzdorf. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass die SAR-Hubschrauber neben der Dringenden Eilhilfe auch zur Hilfe und Rettung bei Naturkatastrophen und Großschadenslagen eingesetzt werden, um die Fähigkeiten der zivilen Luftrettung zu unterstützen und damit zu verstärken. Weitere 60 Einsätze wurden im Rahmen von Übungen, wie beispielsweise SAREX ADLER 2018, durchgeführt. Anlässlich des Tages der Bundeswehr 2018 wurde durch die SAR-Einsatzstaffel Niederstetten ein zusätzlicher SAR-Hubschrauber mit dem Call Sign (C/S) RESCUE 99 in Wunstorf bereitgestellt.

Einsatzlenkung, -gebiet und -mittel

Der SAR-Dienst der Bundeswehr verfügt derzeit über zwei SAR-Leitstellen, engl. Aeronautical Rescue Coordination Center (ARCC), die in Münster für den SAR-Bereich Land vom Heer und in Glücksburg für den SAR-Bereich See von der Marine betrieben werden. Während das ARCC Land der Division Schnelle Kräfte (DSK) des Heeres untersteht, gehört das ARCC See zum Marinekommando (MarKdo). Zum Einsatzbereich des ARCC Münster gehört das gesamte Gebiet südlich der deutschen Nord- und Ostseeküste sowie südlich von Hamburg bis zu den Alpen. Das Einsatzgebiet des ARCC Glücksburg umfasst die Hansestadt Hamburg und das Bundesland Schleswig-Holstein, den deutschen Anteil des Festlandsockels in der Nordsee sowie das Küsten- und Seegebiet im Bereich der Fluginformation Bremen mit allen Inseln, Halbinseln und Bodden. Für die Seenotrettung ist das Maritime Rescue Coordination Center (MRCC - Seenotleitung Bremen) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zuständig, wozu eine enge Zusammenarbeit zwischen dem ARCC Glücksburg und dem MRCC Bremen besteht. International fungiert das ARCC Münster als nationale Kontaktstelle des SAR-Dienstes als Search and Rescue Point of Contact (SPOC).

Zur Wahrnehmung des SAR-Auftrages stehen SAR-Mittel 1. Grades, d.h. SAR-Hubschrauber, zur Verfügung, die an SAR-Kommandos der Marine in Helgoland (RESCUE 10) und Warnemünde (RESCUE 24 und 25) sowie an den SAR-Kommandos des Heeres in Nörvenich (RESCUE 41-45), Niederstetten (RESCUE 63 und 64) und Holzdorf (RESCUE 87 und 88) rund um die Uhr in Einsatzbereitschaft stehen. Truppenstellende Verbände sind bei der Marine das Marinefliegergeschwader 5 Wurster Nordseeküste in Nordholz und beim Heer das Transporthubschrauberregiment 30, SAR-Einsatzstaffel, in Niederstetten. Zur Unterstützung der regulären SAR-Hubschrauber können die ARCC auf sog. SAR-Mittel 2. Grades zurückgreifen, dies sind Einsatzhubschrauber der Bundeswehr (Bw), der Bundespolizei (BPOL) und Länderpolizeien (Pol), zivile Luftrettungsmittel (ADAC Luftrettung, ZSH/LUFTRETTUNG BMI und DRF Luftrettung) und subsidiär Offshore-Rettungshubschrauber (NHC, Wiking) sowie boden- und wassergebundene Unterstützungskräfte, wie beispielsweise die Feuerwehr.

Alarmierungen und herausragende Einsätze

Beim ARCC Glücksburg liefen 225 Alarmierungen und beim ARCC Münster 1.470 Alarmierungen auf, die mit Übungen bei den beiden SAR-Kommandos der Marine zu 100 Alarmen und bei den drei SAR-Kommandos des Heeres zu 175 Alarmen führten. Im Einzelnen haben folgende Anlässe zu insgesamt 275 Alarmierungen von SAR-Kommandos geführt:

  • 46 Luftnot-Einsätze (ICAO),
  • 33 Seenot-Einsätze,
  • 33 Einsatzunterstützung,
  • 112 Dringende Eilhilfe,
  • 36 SAREX und
  • 15 Fehleinsätze.

Herausragende SAR-Einsätze im vergangenen Jahr waren im SAR-Bereich Land die Explosion im Kraftwerk Irsching bei Vohburg/Donau, ein Reitunfall bei Moers in Kooperation mit der Bergwacht Nordrhein, eine Unterstützung des Rescue Coordination Centre New Zealand (RCCNZ) durch einen amerikanischen Notsender eines deutschen Staatsbürgers in Neuseeland sowie ein ausgelöster Notsender eines deutschen Kutters in den Niederlanden, welcher über 15 Tage das ARCC Münster, das niederländische JRCC Den Helder und die DGzRS in Atem hielten. Im SAR-Bereich See werden die Suche nach einem vermissten Angler in Kellenhusen, die Abbergung eines zivilen Patienten vom Kreuzfahrtschiff „Costa Magica“ mit einem Transport nach Kiel und im Rahmen der Einsatzunterstützung für verbündete Streitkräfte, die Verlegung eines amerikanischen Soldaten nach Warnemünde, als herausragend genannt.

Neuerungen

Neben einem Messestand für das ARCC Münster des Heeres und zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung etc. gibt es derzeit zahlreiche Neuerungen und Innovationen beim SAR-Dienst der Bundeswehr. Mittels einer neuen Kontroll- und Flugabfertigungsanlage (KOFA) sollen Funk- und Telefon-Verbindungen optimiert werden. Zum ersten Mal wird mit einer direkten Datenanbindung der beiden ARCC untereinander eine notwendige Redundanz geschaffen. Durch ein neues Führungssystem SAR (FüSys SAR) mit neuen, höhenverstellbaren Leitstellenkonsolen, wozu u.a. auch ein umfassendes Einsatzlagebild gehört, soll teilweise eine automatisierte und schnellere Führung von SAR-Einsätzen erfolgen. Darüber hinaus befindet sich derzeit das satellitengestützte System zur Erfassung von Notsignalen, COSPAS-SARSAT, im kompletten Umbau und soll zwischen 2020 und 2022 völlig in Einsatzbereitschaft stehen. Zudem erfolgt beim ARCC Münster eine Erneuerung der SAR-Flugfunkgeräte der bundesweit verteilten 32 SAR-Flugfunkstellen. Des Weiteren wurden die SAR-Hubschrauber des Heeres, derzeit noch vom Muster Bell UH-1D, im vergangenen Jahr auf den Digitalen Behördenfunk (Dig BOS) umgerüstet. Last but not least ist zu erwähnen, dass das Presse- und Informationszentrum des Heeres (PIZ) im zurückliegenden Jahr ein Video für den SAR-Bereich Land erstellt hat, welches auf der Internetseite des Deutschen Heeres zur Verfügung steht. Das Team von rth.info wünscht den Einsatzbesatzungen, ohne deren großes persönliches Engagement der SAR-Dienst undenkbar wäre, allzeit many happy landings.

Autor(en)
Holger Scholl

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