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Christoph 52, Hartenholm

14.09.2002

Die Deutsche Rettungsflugwacht e.V., abgekürzt DRF, betreibt seit 1985 am Flugplatz Hartenholm einen Intensiv-Transporthubschrauber (ITH). Der Hubschrauber hat den Funkrufnamen "Christoph 52". Die Station des ITH wird "LRZ" genannt (für "Luftrettungszentrum").
Die DRF setzt bei diesem Hubschrauber auf eine Maschine vom Typ BK 117 in der Variante B2 - wie inzwischen üblich im neuen Hubschrauber-Design der DRF. Anfang 2003 wechselte der ITH erstmal seinen Standort. "Christoph 52" steht seither in der Nähe der Stadt Itzehoe. Mehr dazu...

Christoph 52 nach einer Intensivverlegung in Hamburg

Christoph 52 nach einer Intensivverlegung in Hamburg
Foto: Patrick Permien

Für primäre Rettungsflüge hat der Christoph 52 einen ganz normalen RTH - Einsatzradius von 50km im Normalfall und 80 km, wenn es nicht anders geht, weil z.B. das Gebiet rund um die Einsatzstelle sehr ländlich strukturiert ist und der bodengebundene Rettungsdienst auch bei dieser langen Anflugzeit noch im zeitlichen Nachteil gegenüber dem RTH wäre. Normalerweise rechnet man bei der DRF von einem Primäreinsatzgebiet von der Elbe bei Hamburg im Süden bis zur Kieler Bucht im Norden sowie der Elbmündung bei Cuxhaven im Westen und der Lübecker Buch im Osten. Sofern andere RTH wie die Sikorsky Sea King MK 41 der Marineflieger und ein weiterer, dichter stationierter ADAC- RTH nicht verfügbar sind, fliegt Christoph 52 aber auch auf die nordfriesischen Inseln und Halligen.

Primäreinsatz von Christoph 52

Primäreinsatz von Christoph 52
Foto: Harald Rieger

Für interklinische Intensivtransporte von schwer traumatisierten oder schwer kranken Patienten ist das Einsatzgebiet des ITH erheblich größer, da hier der Einsatz eher planbar ist und medizinisches Personal ja bereits vor Ort ist. Deswegen reicht hier der Einsatzradius für den Hubschrauber von der holländischen Grenze bei Aachen bis nach Berlin und von der dänischen Grenze bis nach Frankfurt am Main.* Wenn es erforderlich ist, fliegt "Christoph 52" aber auch Intensivtransporte ins und aus dem angrenzende(n) Ausland (z.B. Dänemark, Niederlande).

Crew des ITH nach einem Verlegungsflug

Crew des ITH nach einem Verlegungsflug
Foto: Patrick Permien

Die zum Einsatz kommende BK 117 bietet Platz für einen liegenden Patienten und Sitze für vier Besatzungsmitglieder. Der Patient ist recht gut zugänglich (vgl. z.B. die beengten Platzverhältnisse in einer BO 105). Alle notwendigen, zum Teil komplexen Therapien und Behandlungen sowie Intensivüberwachung ("Monitoring") eines Patienten sind gut möglich (intubierte/ beatmete Patienten, EKG- Überwachung, Applikation - also Verabreichung - von Medikamenten etc.). Auch sperrige Apparaturen aus dem Krankenhaus können meist ohne größere Schwierigkeiten mitgenommen werden, und so wird eine lückenlose Intensivbetreuung garantiert. Es gibt kein therapiefreies Intervall bei der Übergabe des Patienten.
Auch Inkubatorflüge sowie Organtransporte und die Überbringung von Medikamente und Blutspenden sind, sofern dringend erforderlich, möglich und gehören zum Aufgabenfeld von "Christoph 52".
Hinzu kommen außerdem Aufträge wie z.B. der Transport von Einsatztauchern der Feuerwehr oder der Polizei, die zum Stichwort "Person im Wasser!" an einer abgelegenen Einsatzstelle alarmiert wurden. Besonders bei einem solchen Alarmierungsstichwort werden auch Suchflüge nach Personen, Fahrzeugen usw. durchgeführt.

Panel der BK 117

Panel der BK 117 "D-HQQQ" (in Pinneberg / SH)
Foto: Patrick Permien

Der Christoph 52 ist der einzige Hubschrauber der DRF, der 24 Stunden am Tag einsatzbereit ist. Markanter Unterschied zwischen dem Betrieb bei Tag und dem bei Nacht: Tagsüber fliegt ein Pilot, nachts kommt wegen des höheren Schwierigkeitsgrades der Flüge ein zweiter Pilot hinzu. Die Ausrück-Zeit liegt in der Nacht um einige Minuten höher als die, die tagsüber garantiert wird, da vorher eine kurze Flugvorbereitungsphase nötig ist (Recherche von besonderen Hindernissen unter besonderer Berücksichtigung der Wetterverhältnisse).

Die inoffizielle Homepage des "Christoph 52" informiert sehr ausführlich über die Nachtflugthematik, weswegen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen wollen.

HCM während des Startvorgangs

HCM während des Startvorgangs
Foto: Patrick Permien

Wie oben erwähnt besteht die Crew des ITH tagsüber aus drei Personen, nachts hingegen aus vier Besatzungsmitgliedern. Neben den gerade genannten Piloten kommen in jedem Fall noch ein Notarzt (die Notärzte vom "Christoph 52" kommen aus ganz Schleswig- Holstein) und ein Rettungsassistent hinzu. Alle Rettungsassistenten haben vielfältige und lange Rettungsdienst- Erfahrung; auch in der Luftrettung.*

Der "Christoph 52" wird durchschnittlich ein bis zwei mal in 24 Stunden alarmiert. So summiert sich seine jährliche Gesamteinsatzzahl meist auf gut 800.
Nachteinsätze sind vor allem dringende Intensivtransporte. Transporte von weniger akut bedürftigen Patienten werden hingegen in den allermeisten Fällen tagsüber abgearbeitet - oder von bodengebundenen Rettungsfahrzeugen. Bei Nachteinsätzen ist natürlich trotz aller Vorsicht und dem hohen technischen Standard der eingesetzten Hubschrauber besondere Aufmerksamkeit und viel Können von den Piloten gefordert. Wie hoch das Risiko bei nächtlichen Rettungsflügen selbst bei der Landung auf bekannten Landeflächen sein kann, hat erst kürzlich der Absturz des ITH Berlin im November 2002 ja wieder einmal allzu eindringlich gezeigt.

Christoph 52 kurz vor einem Langstrecken- Intensivflug ins Ruhrgebiet

Christoph 52 kurz vor einem Langstrecken- Intensivflug ins Ruhrgebiet
Foto: Harald Rieger

Wie an der heftigen Debatte um die Zukunft der Rettungshubschrauber im nördlichsten Bundesland Deutschlands deutlich wird, sind sich Krankenkassen und Betreiber durchaus nicht einig, ob die Zahl der dort vorgehaltenen Hubschrauber mit drei Stück wirklich richtig gewählt ist. Die dadurch hervorgerufenen Unsicherheiten, welche die Zukunft des Christoph 52 betreffen, haben nun zu der provisorischen Standortverlegung zum Militärflugplatz "Hungriger Wolf" in Hohenlockstedt bei Itzehoe geführt. Dort ist die DRF als Hubschrauberbetreiber nun Mieter. Wie es letztlich weitergehen soll mit der Luftrettung in Schleswig-Holstein, bleibt für den Bürger und die im Rettungsdienst tätigen Personen abzuwarten. Sicher ist so viel: Das Land Schleswig-Holstein wird auch in Zukunft auf einen Hubschrauber, der für ITH-Einsätze ausgerüstet ist und dauerhaft zur Verfügung steht, kaum verzichten können.
(Anmerkung: Die Debatte um die Zahl der Luftrettungsstandorte in Schleswig-Holstein können Sie in unserem Nachrichtenarchiv verfolgen.)

"Christoph 52" und "Christoph Hansa"
Foto: Patrick Permien

 
Autor(en)
PPR