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Zwischen Hausarzt-Ersatz und Rettungswinde

20.07.2016

Wolfenbüttel (NDS) ::  Es klingt fast schon paradox. Vor einigen Monaten beantwortete der niedersächsische Landtag eine Anfrage der Abgeordneten Frank Oesterhelweg und Rudolf Götz (CDU) mit folgender Überschrift: “Wird die Luftrettung im Harzraum bald durch den Einsatz einer Winde am Rettungshubschrauber Christoph 30 verbessert?“
Auf der anderen Seite strahlte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am 15. Juli unter dem Titel “Helikopter statt Hausarzt“ eine ca. 30-minütige Reportage aus, die sich mit dem Einsatzalltag beim Rettungshubschrauber “Christoph 30“ befasst. Die NDR-Reporter greifen darin die Problematik zunehmender ärztlicher Unterversorgung im ländlichen Raum auf, die für steigende Einsatzzahlen beim Rettungsdienst und mithin auch bei der Luftrettung sorgt – aber eben auch für sehr hohe Quoten von Bagatelleinsätzen.

Mit der Rettungswinde zum Hausbesuch...

So könnte man die beiden Berichte also zuspitzen. Und schon befindet man sich, will man eine Aussage zur Sinnhaftigkeit einer Rettungswinde treffen, genau in diesem Spannungsfeld: Hochgerüstete, schulungs- und wartungsintensive Luftrettungsmitteln einerseits, mit denen möglichst jede denkbare Notlage abgearbeitet werden kann, und auf der anderen Seite ein Einsatzaufkommen, welches das Potenzial von Besatzung und Gerät nur in Ausnahmefällen wirklich abruft.

Die Anfrage der Abgeordneten lautete (Auszug):

“Begründet wurde diese Frage [nach der Winde, d. Red.] damit, dass Christoph 30 für große Teile des Harzes zuständig sei, wo außer durch die forstwirtschaftliche Nutzung auch durch die Veränderung des Freizeitverhaltens ein deutlich gestiegener Bedarf für Windeneinsätze bestehen könne. Angeführt wurden hier Unfälle mit Mountainbikern, Kletterern, Wanderern, Wintersportlern u. a., die sich vermehrt abseits nutzbarer Wege und für Hubschrauber geeigneter Landezonen bewegten.“

Die Antwort des niedersächsischen Landtages wurde gezeichnet von Innenminister Boris Pistorius (SPD). Man kann ihr, obwohl sie sich einer kurzen und klaren Antwort enthält, eine große Portion Skepsis entnehmen:

“Die Landesregierung steht im regelmäßigen und intensiven Kontakt mit den Trägern des bodengebundenen Rettungsdienstes, insbesondere mit den kommunalen Spitzenverbänden. Für die Bedarfsermittlung sind die Träger im eigenen Wirkungskreis zuständig. Über einen darüber hinausgehenden Bedarf einzelner Träger beispielsweise in Form einer Windenausstattung bei Christoph 30 liegen keine Erkenntnisse vor. (...) Eine schlüssige Bedarfsermittlung auf Basis aussagekräftiger Erhebungen wäre für die angesprochene zusätzliche Ausrüstung eine notwendige Gesprächsgrundlage.“

In der Sache sieht sich das Ministerium also als nicht dafür zuständig, den Bedarf zu ermitteln und anzumelden. Mithin ist eine Ausstattung des “Christoph 30“ mit einer Rettungswinde mangels der besagten Gesprächsgrundlage nicht als wahrscheinlich anzusehen. Zeitlich zusammentreffend mit dem Sommerloch 2016 gibt es nun Berichte der Regionalpresse darüber, wie die Abgeordneten ihre Idee weiter verfolgen möchten. Ob das zu einer Neubewertung durch die Träger führt, bzw. in deren nächste Bewertung mit einfließen wird, bleibt abzuwarten.

 
Autor(en)
PPR
Quelle(n):
Niedersächsischer Landtag: Drucksache 17/4466; NDR