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Freiburger Stadt-Luftrettung: Vorerkundete Landeplätze

20.12.2014

Freiburg / Breisgau (BWÜ) ::  Der “Südkurier“ berichtet, dass nach einer Erprobungsphase der Freiburger Rettungshubschrauber "Christoph 54" nun dauerhaft einen Ordner mit vorab erkundeten Landeflächen im Stadtgebiet Freiburg mitführt. Kommt es zu Alarmierungen, welche die Crew in das Freiburger Stadtgebiet führen, kann der Pilot einen dieser nahegelegenen Punkte ansteuern.

Der “Christoph 54“ startet vom Flugplatz der südbadischen Stadt zu seinen Einsätzen und trägt hauptsächlich zur notfallmedizinischen Versorgung in einem Radius von 50km um den Standort bei. Einsätze in der Stadt Freiburg sind vergleichsweise selten. Doch das soll sich auf die oben beschriebene Weise ändern.

Christoph 54 einsatzbereit am Flugplatz in Freiburg, hier ein Archivfoto

Christoph 54 einsatzbereit am Flugplatz in Freiburg, hier ein Archivfoto
Foto: Patrick Permien

"Hedras"

In anderen Städten, auch weitaus größeren Städten als Freiburg, ist die innerstädtische Luftrettung seit Jahrzehnten Normalität. Die Stadt Freiburg jedoch weist gerade in den inneren Bezirken eine hohe Bebauungsdichte auf und zudem stellen die Oberleitungen der Straßenbahnen Hindernisse für Landungen dar. Vierzig sogenannte “Helicopter Drop Areas“ wurden identifiziert, Kartenausschnitte angefertigt und katalogisiert. Sie werden kurz “hedras“ genannt.

Laut "Südkurier" weise die Leitstelle bei der Alarmierung bereits solche Punkte für den Helikopter an. Es darf aber angenommen werden, dass dies analog zum Vorgehen in anderen Städten nur als Empfehlung zu verstehen ist, da der Pilot allein in der Verantwortung steht, und die Hindernisfreiheit der Fläche von ihm erst vor Ort festgestellt werden muss. Analog zum Vorgehen in anderen Städten übernimmt die Polizei oder ein Rettungsdienstfahrzeug den Zubringerdienst für die Hubschraubercrew vom Landeplatz zum eigentlichen Notfallort.

Die "Badische Zeitung", welche ebenfalls in dieser Sache berichtet hat, zitiert zu dem Verfahren Thomas Merbreier, Disponent der Integrierten Leitstelle, der drastische Worte findet: "Damit [mit den "hedras", d. Red.] haben wir den Notstand des Notarztes behoben." Was im Umkehrschluss heißt, dass auch in Freiburg die Luftrettung in zunehmendem Maße ihre althergebrachte Ergänzungsfunktion verliert, weil sie partiell die Lücken in der bodengebundenen Versorgung schließen muss. Wie das bisher ablief, schildert die "BZ" auch: Ein Fahrzeug des Roten Kreuzes an der Dunantstraße 2 (Deutsches Rotes Kreuz Rettungsdienst Freiburg gGmbH) rückte aus. Der Standort ist nahe der Uniklinik. Der Notarzt des Hubschraubers wurde von diesem am Flugplatz abgeholt und zum Einsatzort gefahren.

Vorab erkundete Landeplätze gibt es in Deutschland bereits reichlich. Sie werden in der Nachtluftrettung besonders benötigt, wenn weitere Kriterien – wie die Möglichkeiten der Ausleuchtung – eine Rolle spielen. “Christoph 54“ fliegt jedoch nur bei Tageslicht.

Rettungsdienst-Hilfsfristen in Baden-Württemberg

Bemerkenswert ist, dass die Freiburger Vorgehensweise Initiative laut “Südkurier“ auf eine Idee der Crewmitglieder zurückzuführen sei.
In Baden-Württemberg gibt es aktuell eine Diskussion um die rettungsdienstlichen Hilfsfristen. Dass Rettungsmittel aufgrund langer Anfahrtswege zu spät vor Ort eintreffen, wurde als Problem erkannt. Hierüber besteht weitgehende Einigkeit. Wie genau die Hilfsfristen neu zu definieren sind, und welche neu zu definierende Eintreffzeit eine Verbesserung darstellen würde, ist aber noch strittig. Aktuell wird davon ausgegangen, dass die neue Regelung 12 Minuten für den Rettungswagen und 18 Minuten für den Notarzt vorsieht, was als zu lang kritisiert wurde (siehe Weblinks).

Notarzteinsätze im Freiburger Stadtgebiet, wie hier auf einem Archivfoto zu sehen, finden in aller Regel bodengebunden statt – aber eben nicht immer

Notarzteinsätze im Freiburger Stadtgebiet, wie hier auf einem Archivfoto zu sehen, finden in aller Regel bodengebunden statt – aber eben nicht immer
Foto: Patrick Permien

Inwiefern es auch Bemühungen gibt, die Zahl der Alarmierungen nach Frankreich zu erhöhen, fand keine Ewähnung. Kooperationen im Bereich der Luftrettung sind mit dem südwestlichen Nachbarland bislang stets im frühen Anfangsstadium geblieben.

Unklar ist auch, ob das Freiburger Modell Nachahmer bei anderen Stationen in der Region findet. So sind auch z. B. in Stuttgart die innerstädtischen Einsätze in der Landeshauptstadt eine Seltenheit im Vergleich zum gesamten Einsatzaufkommen der dortigen Luftretter.

 
Autor(en)
PPR
Quelle(n):
siehe Weblinks