Direkt zum Inhalt...

rth.info

Faszination Luftrettung

rth.info - Faszination Luftrettungzur Startseite

Englisch RSS Feeds

Sie sind hier:


Liste mit Tags und Begriffen überspringen

Tags:

Rettungshubschrauber

Luftrettung

ADAC Luftrettung

DRF Luftrettung

Rettungsdienst

Notfallmedizin

Einsatzarten

HEMS

Pilot

Eurocopter

Bell Helicopters

Alle Fachbegriffe...

 

30. Juni: BO 105-Vater Bölkow wäre 100 geworden

01.07.2012

Stuttgart (BWÜ) ::  Vor 100 Jahren, am 30. Juni 1912, erblickte in Schwerin Ludwig Bölkow das Licht der Welt. Der Erfinder-Unternehmer gilt als der Vater der Bo 105, ohne die die Luftrettung (in Deutschland und in der Welt) nicht die wäre, die sie heute ist. Nach einem Ingenieursstudium an der Technischen Hochschule in Berlin erforschte er ab 1938 in Augsburg als Mitarbeiter des Flugzeugbauers Willy Messerschmitt, dem späteren NS-Wehrwirtschaftsführer, aerodynamische Probleme von Luftfahrzeugen.

Mit Kriegsbeginn 1939 begann dann Bölkows lange Karriere auch in der Kriegstechnik. Nachdem er sich 1945 den Amerikanern gestellt hatte, beschäftigte er sich, inzwischen nach Stuttgart umgezogen, mit Wissen der US-amerikanischen Besatzungskräfte und nach 1949 des ersten Bundeskanzlers trotz Luftfahrt- und Wehrtechnikverbots weiter mit beiden Geschäftsfeldern. Erst 1955 wurden diese Arbeiten legalisiert. Mit finanzieller Unterstützung eines Industriellen konnte er noch im selben Jahr die Bölkow Entwicklungen KG gründen. Ende 1958 zog das junge Unternehmen nach Ottobrunn bei München auf das Gelände einer ehemaligen Luftfahrtforschungsstelle um. 1959 übernahm Bölkow die Waggon- und Maschinenbau-GmbH Donauwörth (WMD), heute Sitz von Eurocopter (Deutschland).

Bölkows Unternehmung, die sich ganz der Wehr- und Flugzeugtechnik verschrieben hatte, fusionierte 1968 auf erheblichem politischen Druck mit der seines ehemaligen Arbeitgebers Messerschmitt und wenig später mit der Luftfahrtabteilung des Hamburger Konzerns Blohm zur Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Gruppe, kurz MBB. Bölkow blieb bis 1977 Vorsitzender der Geschäftführung. An den Arbeiten des Bo 105-Nachfolgers, Bo 108 genannt, war er noch aktiv beteiligt. Im Juli 2003 starb Bölkow im Alter von 91 Jahren in Grünwald bei München. Weite Teile seines Vermögens gingen in die bereits zu Lebzeiten (1983) gegründete Ludwig-Bölkow-Stiftung ein, die seine Arbeit bis heute fortsetzt. „Seine“ MBB ging Anfang der 1990er Jahre in der Daimler Aerospace AG (DASA) auf, die wenig später als Eurocopter (Deutschland) Teil des europäischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wurde.

Das bekannteste Produkt von MBB war zweifelsohne die BO 105, die in den 1960er Jahren ihren Jungfernflug hatte. Aufmerksam geworden auf diesen wendigen Heli, setzte ihn der ADAC im November 1970 an seinem Stammsitz in München als ersten Rettungshubschrauber „Christoph 1“ ein, nachdem er zuvor noch ausführliche Tests mit gecharterten Jet Ranger US-amerikanischer Provenienz gemacht hatte. Mit diesem medial aufmerksam begleiteten humanitären Einsatz als „gelber Engel“ schaffte die BO 105 den Durchbruch gleich in zweifacher Hinsicht: zum einen als der Rettungshubschrauber schlechthin (bis zum Jahr 2001 wurden über 1.400 Serienmodelle gebaut), der in aller Welt eingesetzt wurde und ohne den die Luftrettung heute nicht den Stellenwert hätte, der ihr gebührt, zum anderen auch als Einsatzhubschrauber für Armeen und Polizeien in aller Herren Länder.

In der Bundesrepublik waren die Länderpolizeien und der damalige Bundesgrenzschutz (die heutige Bundespolizei) Kunden von MBB, aber auch die Bundeswehr, die ihn als Verbindungshubschrauber und vor allem als Panzerabwehrhubschrauber (PAH) einsetzte. In der bundesdeutschen Luftrettung kam für die BO 105, zuletzt in der Version CBS-5 („Super 5“) eingesetzt, das Aus Ende 2009 mit In-Kraft-Treten der neuen JAR-OPS-Regularien. Bereits zuvor hatten Bundespolizei, ADAC-Luftrettung und zuletzt DRF Luftrettung ihre Flotten weitestgehend auf den Nachfolgetyp EC 135 von Eurocopter umgestellt, von dem inzwischen auch schon über 1.000 Serienmodelle an Kunden in aller Welt ausgeliefert wurden.

 
Autor(en)
Jörn Fries