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50 Jahre zivile Luftrettung in Deutschland (Teil 2b) – Gegenwart und Zukunft in Bayern

29.07.2020

Mit der Indienststellung des ersten zivilen und ständig mit einem Notarzt besetzten Rettungshubschraubers (RTH) „Christoph 1“ in München schlug am 1. November 1970 die Geburtsstunde der öffentlich-rechtlichen Luftrettung in der Bundesrepublik Deutschland. rth.info nimmt den 50. Geburtstag der Luftrettung in Deutschland zum Anlass, die „Hubschrauberrettung“ in den Bundesrepublik auf die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern zu fokussieren. Damit sollen auch die immensen Leistungen und auch die mit einem stetigen Wandel verbundenen großen Herausforderungen sowie die Bedeutung der Luftrettung in einem europäischen und globalen System der schnellen Hilfe aus der Luftrettung näher beleuchtet werden.

Dies wird mit einer Darstellung der Luftrettung in den 16 Bundesländern Deutschlands in alphabetischer Reihenfolge geschehen. Der Fokus liegt dabei auf der historischen Entwicklung, den gesetzlichen Grundlagen der “Hubschrauberrettung“ und dem gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern. Den Anfang machte am 29. Juni Baden-Württemberg. Aufgrund des dichten Netzes an Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern im Südosten und aufgrund der abwechslungsreichen Historie im Freistaat haben wir von rth.info die “Hubschrauberrettung“ mit zwei Reportagen gewürdigt. Teil 2a ging am 12. Juli online, Teil 2b folgt heute.

Nach dem Aufbau Ost nun ein neuer RTH in Bayern: „Christoph 32“ kommt nach Ingolstadt

Als achter und vorläufig letzter bayerischer Luftrettungsstützpunkt wurde „Christoph 32“ von der ADAC Luftrettung in Ingolstadt am dortigen Klinikum stationiert. Die gelbe BK 117 B-2 startete am 10. Juli 1991, dem Tag der Indienststellung, zu ihrem ersten Einsatz. Im Jahr 1995 wurde der Hangar in Ingolstadt fertigstellt und in Betrieb genommen.

Der Ingolstädter RTH “Christoph 32“ flog im April 2012 einen Patienten nach Regensburg in das dortige Universitätsklinikum

Der Ingolstädter RTH “Christoph 32“ flog im April 2012 einen Patienten nach Regensburg in das dortige Universitätsklinikum

Foto: Jörn Fries

Die gegenüber der BO 105 CBS-4 größere BK 117 erlaubte auch eine sog. Vier-Mann-Besetzung, so dass in Ingolstadt 1998 ein Schulungszentrum für Co-Piloten eingerichtet wurde. Mit der Stationierung einer EC 135 P2 ging in Ingolstadt Ende 2014 die Ära der BK 117 zu Ende. Mit der Übergabe der ersten H135 (EC 135 P3) an die ADAC Luftrettung am 27. März 2015 kam der modernste Hubschrauber seiner Gewichtsklasse in Ingolstadt zum Einsatz, bis dieser nach Straubing umgesetzt wurde und wieder eine EC 135 P2 zum Einsatz kommt.

„Christoph München“

Nachdem „Christoph 1“ mit über 2.081 Einsätzen im Jahr 1989 nicht nur der meistbeschäftigste RTH in Deutschland war, sondern auch an seine Kapazitätsgrenzen kam, entschlossen sich der Rettungszweckverband München als Träger der Luftrettung in der bayerischen Landeshauptstadt und die ADAC Luftrettung als Betreiber an der Luftrettungsstation in München-Harlaching einen zweiten Hubschrauber zu stationieren. Der zweite Hubschrauber des Typs BO 105 CBS mit dem BOS-Rufnamen „Christoph München“ wurde im Rahmen einer einzigartigen Kooperation von der DRF gestellt und trug zusätzlich große ADAC-Ebleme. Zur Entlastung des RTH „Christoph 1“ sollte „Christoph München“ vornehmlich Sekundärtransporte fliegen, aber auch in der Primärluftrettung eingesetzt werden, wenn „Christoph 1“ bereits in einem Einsatz gebunden war.

Das Pilotprojekt „Christoph München“ war auf die Sommermonate zwischen dem 20. Juli und dem 30. September 1990 beschränkt und wurde auch nicht mehr fortgesetzt, da die kurzzeitige Kooperation zwischen den beiden Luftrettungsbetreibern im Herbst 1990 endete und auch Helikopterunternehmen luftgebundene Verlegungstransporte mit sog. Ambulanzhubschraubern (AHS), u.a. in Bayern, anboten.

Neues Trio in den 2010er Jahren: „Christoph 40“, „Christoph 65“ und „Christoph 80“

Eigentlich war mit der Stationierung von „Christoph 32“ in Ingolstadt im Jahr 1991 der Ausbau der Luftrettung in Bayern abgeschlossen. Allerdings machte ein Paradigmenwechsel in Notfallmedizin und Luftrettung eine Neubewertung der schnellen Hilfe aus der Luft erforderlich. Dies machte den Neubau von gleich drei Luftrettungsstationen erforderlich (in Augsburg, Dinkelsbühl-Sinbronn und Weiden/OPf.).

Fast zehn Jahre nach dem eigentlichen Abschluss des Ausbaus der Luftrettung in Bayern wurde die bedarfsgerechte Erweiterung am 1. April 2011 mit „Christoph 80“ auf dem Flugplatz Latsch bei Weiden in der Oberpfalz gestartet. Der nun neunte bayerische RTH vom Typ EC 135 wird mit Piloten von der DRF Luftrettung gestellt. Diesem folgte der zehnte RTH in Bayern am 28. Januar 2014 mit „Christoph 40“, einer EC 135 der ADAC Luftrettung, auf dem Dach des Klinikums Augsburg. Die vorerst letzte bayerische Luftrettungsstation folgte am 5. September 2015 mit einer weiteren EC 135 der ADAC Luftrettung und dem Rufnamen „Christoph 65“ auf dem Flugplatz Dinkelsbühl- Sinbronn, womit der elfte RTH in Bayern an den Start ging.

Ambulanz- und Intensivtransporthubschrauber

Wie bereits kurz erwähnt, wurden neben den RTH in Bayern ab Mitte der 1980er Jahre an einigen Standorten zusätzlich Ambulanzhubschrauber (AHS) verschiedener Typen von unterschiedlichen Betreibern (z.B. ADAC Luftrettung, Ambulanzflugdienst Bayern/BRK, HDM, Heli-Service Mitte, Münchner Helicopter Service etc.) eingesetzt. Dazu gab es in den Anfangsjahren keine Bedarfsplanungen, was dazu führte, dass es bundesweit und damit auch in Bayern zu einem geradezu explodierenden und auch unübersichtlichen Leistungsangebot für luftgebundene Verlegungstransporte (Ambulanzflüge/Sekundärluftrettung) kam, was zu erheblichen Diskrepanzen führte. Es war sogar von einem „Wildwuchs“ in der Luftrettung die Rede, welcher als eine Gefahr für das im Ausbau befindliche öffentlich-rechtliche Luftrettungsnetz gesehen wurde.

Nach der dringend notwendigen Strukturierung der Sekundärluftrettung im Freistaat Bayern Ende der 1990er Jahre blieben letztlich vier Einsatzmaschinen mit der dann korrekten Bezeichnung Intensivtransporthubschrauber (ITH) übrig, die seit dieser Zeit im Doppelnutzen als sog. Dual-Use-Hubschrauber sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärluftrettung eingesetzt werden und somit die weiteren vier Stationen im öffentlich-rechtlichen Luftrettungsdienst in Bayern bilden.

Am 1. April 1991 startete der damalige „Sama München 78/1“ der später den BOS-Rufnamen „Christoph München“ erhielt am Klinikum München-Großhadern. Diesem folgte am 1. Januar 1993 „Christoph Nürnberg“ am Flughafen Nürnberg, der heute gemeinsam mit „Christoph 27“ einen Doppelstandort bildet. Dieser bekommt demnächst eine neue Station und der Betrieb des ITH wird neu ausgeschrieben.

Der dritte ITH nahm als „Christoph Regensburg“ am 1. September 1994 seinen Dienst am Universitätsklinikum Regensburg auf und war Anfang der Nullerjahre an der Nachtflugstudie LUNA beteiligt. Die damals dunkelgrauen Einsatzmaschinen des Typs Bell 412 HP wurden von der HDM Flugservice GmbH bzw. der HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH gestellt, die auch Mitglied im Team DRF war. Nach und nach wurden die Einsatzmaschinen erst durch die modernere EC 145 und dann durch die heutige H145 ersetzt. Mit der vollständigen Eingliederung der HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH mit Wirkung vom 1. Januar 2016 in die DRF Luftrettung gehören diese Luftrettungsstationen zu der vorgenannten Luftrettungsorganisation. Alle drei ITH bzw. Dual-Use-Hubschrauber befinden sich in 24-Stunden-Bereitschaft und sind für den Nachteinsatz, u.a. mit Night Vision Goggles (NVG), d.h. Bildverstärkerbrillen (BIV), ausgerüstet.

Mit dem „Rettung Murnau 89/1“, dem späteren „ITH Murnau“ und seit 2002 gerufenen „Christoph Murnau“, ging am 20. Oktober 1994, der vierte bayerische ITH bzw. Dual-Use-Hubschrauber, am Klinikum Murnau in den Einsatz. Erst mit einer Bell 222 B, die von der Helicopter Service Mitte (HSM) GmbH mit Sitz im hessischen Egelsbach gestellt wurde, und ab 1999 mit einer BK 117 der ADAC Luftrettung. Gegenüber den drei von der damaligen HDM Luftrettung gestellten ITH war die gelbe BK 117 B-2 des ADAC, die im März 2015 durch die erste H145 der ADAC Luftrettung ersetzt wurde, nach der Strukturierung des Intensivtransportes in Bayern im Jahr 1999 nicht mehr rund die Uhr verfügbar, sondern ist wie die RTH von frühestens 7.00 Uhr bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Dafür verfügt dieser Dual-Use-Hubschrauber auf Grund seines nahen Standortes zum Gebirge über eine Rettungswinde für die Bergrettung.

Für Notfalleinsätze, d.h. Primäreinsätze, werden die Dual-Use-Hubschrauber über die regional zuständigen Rettungsleitstellen (RLS) bzw. Integrierten Leitstellen (ILS) alarmiert, während Verlegungstransporte, d.h. Sekundäreinsätze, über die landesweite Koordinationsstelle für ITH (KITH) bei der Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt München geführt werden.

Rechtslage

Im Bayerischen Rettungsdienstgesetz (BayRDG) vom 22. Juli 2008, welches zuletzt durch § 1 Abs. 167 der Verordnung vom 26. März 2019 geändert wurde, werden im Ersten Teil die Grundlagen der Notfallrettung, d.h. Art. 1 Gegenstand und Zielsetzung, Art. 2 Begriffsbestimmungen, Art. 3 Geltungsbereich, einschließlich der Luftrettung, beschrieben sowie im Zweiten Teil „Organisation des öffentlichen Rettungsdienstes“, Abschnitt 4, Art. 16 die Luftrettung und im Dritten Teil „Genehmigung“, Abschnitt 1, Art. 30 die Sonderbestimmungen für die Luftrettung und im Fünften Teil „Allgemeine Regelungen für die Erbringung rettungsdienstlicher Leistungen“ Art. 41 die Anforderungen an Einsatzfahrzeuge, also auch Luftfahrzeuge, sowie in Art. 43 Besetzung und Qualifikation und in Art. 44 die Fortbildung geregelt.

Demnach legt entsprechend Art. 16 BayRDG Absatz 1 die oberste Rettungsdienstbehörde nach Anhörung der Kostenträger die luftrettungsdienstliche Versorgungsstruktur fest und überprüft diese unter Berücksichtigung der Grundsätze von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit kontinuierlich. Durch Absatz 2 ist festgelegt, dass der zuständige Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) einen Betreiber und die Ärzte zur Durchführung beauftragt. Dabei vertritt der zuständige ZRF auch die anderen im Einsatzgebiet liegenden ZRF. Die Beauftragung zur Vorhaltung von RTH beinhaltet auch die Vorhaltung von ITH und deren Einsatz nach Weisung der zuständigen Integrierten Leitstelle (ILS). Der Einsatz der Luftrettungsmittel erfolgt über die Standortleitstelle, wenn nichts anderes bestimmt ist.

Im Art. 30 Abs. 1 ist festgelegt, das die Genehmigung nicht für ein bestimmtes Luftfahrzeug, sondern für die Durchführung der Luftrettung erfolgt. Die Anforderungen an die Einsatzmaschine sind demnach in der Genehmigung allgemein festzuhalten. Der Absatz 2 bezieht auf den Sanitätsdienst mit Hubschraubern bei Veranstaltungen mit einem hohen Gefahrenpotential, wo im Bedarfsfall mit einem Patiententransport auf dem Luftweg gerechnet werden muss. Dazu darf nur ein Betreiber eingesetzt werden, der bereits über eine Genehmigung zur Durchführung der Luftrettung in Bayern verfügt. Die Leistung muss der üblichen Qualität in der Luftrettung entsprechen. Zu diesem Zweck kann ein zeitlich befristeter Einsatz eines zweiten Hubschraubers von der nächstgelegenen Luftrettungsstation erfolgen. Die durch den Einsatz des zusätzlichen Hubschraubers entstehenden Kosten sind zwischen dem Betreiber und dem Veranstalter unmittelbar zu vereinbaren und abzuwickeln.

Der Art. 41 regelt die Anforderungen an Einsatzfahrzeuge, somit auch an die eingesetzten Luftfahrzeuge. Im Absatz 4 ist festgehalten, dass geeignete Luftfahrzeuge eingesetzt werden müssen, die den allgemein anerkannten Regeln der Technik und der Medizin entsprechen. Des Weiteren ist im Art. 43 die Besetzung und Qualifikation für die Rettungsmittel regelt, für die im Absatz 5 das erforderliche Luftfahrtpersonal sowie für das Einsatzspektrum notwendige ärztliche und nichtärztliche Personal festgelegt ist. Im folgenden Art. 44 ist auch die Pflicht zur Fortbildung u.a. für das medizinische Personal in der Luftrettung festgeschrieben.

Gegenwärtiger Stand

In Bayern sind derzeit 15 Luftrettungsmittel stationiert, davon 11 RTH und vier ITH/Dual-Use-Hubschrauber, von denen sich drei ITH in 24-Bereitschaft für die Nachtluftrettung mit Night Vision Goggles (NVG) in München, Nürnberg und Regensburg befinden. Diese stehen auch für Primäreinsätze in der Nacht zur Verfügung. Darüber hinaus verfügen sechs Luftrettungsmittel in Kempten, München, Murnau, Nürnberg, Straubing und Traunstein über eine Rettungswinde zur Durchführung spezieller Einsatzverfahren insbesondere im Gebirge.

Weitere Luftrettungsstationen sind auf Grund der hohen Dichte und der Flächendeckung derzeit nicht mehr geplant. Ein weiterer Ausbau der Luftrettung bei Nacht oder eine Ausweitung der Einsatzzeiten auf die Tagesrandzeiten ist derzeit ebenfalls nicht geplant, könnte aber bei weiterem Bedarf mit den zur Verfügung stehenden und bestens geeigneten Hubschraubertypen H135 und H145 problemlos umgesetzt werden.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie besteht die Möglichkeit zum Transport hochinfektiöser und schwer erkrankter Patienten mit spezieller Schutzausrüstung durch die Luftrettung aller im luftgebundenen Intensivtransport in Bayern tätigen Betreiber, d.h. ADAC Luftrettung und DRF Luftrettung. Darüber hinaus kann auch im Bedarfsfall eine Unterstützung zum Lufttransport von COVID-19-Patienten aus dem benachbarten Bundesland Baden-Württemberg mit dem zusätzlichen Sonder-ITH „Christoph 111“ der DRF Luftrettung in Rheinmünster am Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden und den ebenfalls bundesweit verfügbaren Sonder-ITH „Christoph 112“ der ADAC Luftrettung im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen erfolgen.

Ergänzung der öffentlich-rechtlichen Luftrettung

Eine sinnvolle Ergänzung der öffentlich-rechtlichen Luftrettung und des Katastrophenschutzes erfolgt in Bayern durch die grenzüberschreitende Luftrettung und die im Freistaat tätige Landes- und Bundespolizei sowie die Bundeswehr und private Betreiber über das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk Deutschland e.V. (MHW).

Mit dem Notarzthubschrauber (NAH)/RTH „Christophorus Europa 3“ im österreichischen Suben ging am 23. Juli 2002 ein besonderes Projekt der grenzüberschreitenden Luftrettung für Österreich und Deutschland an den Start. Seit dieser Zeit wird die Einsatzmaschine, erst eine AS 350 B des ÖAMTC und eine BO 105 CBS-4 des ADAC, später eine EC 135 beider Betreiber, mit Piloten im Sommerhalbjahr (1. Mai bis 31. Oktober) von der ÖAMTC-Flugrettung und im Winterhalbjahr (1. November bis 30. April) von der ADAC Luftrettung gestellt, während die TC-HEMS / Notfallsanitäter wechselseitig vom Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) und den BRK-Kreisverbänden Passau und Rottal-Inn in Bayern sowie die Notärzte von österreichischen und deutschen Krankenhäusern aus der Region unter Federführung des in der Nähe von Suben gelegenen Krankenhauses Braunau am Inn gestellt werden.

Durch den grenzüberschreitenden NAH- bzw. RTH-Einsatz erfolgt eine Optimierung der notfallmedizinischen Versorgung im österreichischen Innviertel und im deutschen bzw. bayerischen Großraum Passau. Im vergangenen Jahr hat „Christophorus 3“ in beiden Ländern insgesamt 1.613 Notfalleinsätze unter Führung der österreichischen Rettungsleitstelle (RLS) Innviertel und der deutschen Integrierten Leitstelle (ILS) Passau geflogen. In der vorliegenden Ausgestaltung stellt das Projekt „Christophorus Europa 3“ ein Novum dar und ist als Modell für eine grenzenlose und flächendeckende Luftrettung in Europa zu sehen.

Ende 2016 wird SAR-Kommando von Landsberg nach Niederstetten verlegt

Nachdem Mitte Dezember 2016 das SAR-Kommando Landsberg mit „RESCUE 56“ und „RESCUE 58“ zum Transporthubschrauberregiment 30 (THRtg 30) Niederstetten im Main-Tauber-Kreis in das Nachbarbundesland Baden-Württemberg verlegt wurde, entstand dort das SAR-Kommando Niederstetten mit den beiden SAR-Hubschraubern „RESCUE 63“ und „RESCUE 64“. Mit Wirkung vom 30. Juni 2020 wurde dort die betagte und über 50 Jahre alte SAR-Maschine des Musters Bell UH-1D des Heeres durch die brandneue H145 LUH SAR u.a. mit modernem notfallmedizinischem Rüstsatz und Rettungswinde ersetzt.

Im Rahmen der sog. Dringenden Eilhilfe ist auch weiterhin eine Unterstützung des Rettungsdienstes, einschließlich der Berg- und Wasserwacht, durch die SAR-Mittel in Bayern möglich, wenn ein ziviles Rettungsmittel nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Gleiches gilt auch für die Katastrophenhilfe des Bundes durch die Bundeswehr.

Von Anfang an in den Rettungsdienst eingebunden: die Helikopter der Polizeihubschrauberstaffel Bayern

Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern (PHuStBy) ist Teil der Bereitschaftspolizei des Freistaates und leistet seit ihrer Gründung 1971 eine wichtige Unterstützung des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes, wozu sie u.a. modellhaft in jeder ihrer Einsatzmaschinen des derzeitigen Typs H135 (EC 135 P3) über einen die vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich optimierten notfallmedizinischen Notfall-Rüstsatz (Aluminiumkiste mit Notfallrucksack und faltbare Krankentrage) verfügt, um unverzüglich Hilfe leisten zu können.

Darüber hinaus verfügen die bayerischen Polizeihubschrauber (PHS) über eine Seilwinde mit 90 m Länge und einen Doppellasthaken zum Transport von Löschwasseraußenlastbehältern (LAB) sowie Netzen zum Transport von Material und beispielsweise Sandsäcken bei Hochwasserkatastrophen.

Zur luftgestützten Wasserrettung verfügt die PHuStBy über den sog. „Rescue Seat“ mit dem Personen aus einem Gewässer gerettet werden können. Darüber hinaus können die modernen PHS mit ihren leistungsstarken Scheinwerfern u.a. auch Einsatzstellen ausleuchten, um so beispielsweise die Menschenrettung mit einem zweiten Hubschrauber oder das punktgenaue Abwerfen von Sandsäcken bei Nacht zu ermöglichen. Nicht zuletzt verfügen die PHS in Bayern auch über ein Lawinenverschütteten-Suchgerät zur effizienten Unterstützung der Bergrettung.

Vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt München ist die Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim beheimatet, die mit ihren Einsatzhubschraubern der Muster EC 135 T2, EC 155 B und AS 332 L1 „Super Puma“ über umfangreiche Fähigkeiten zur Dringenden Eilhilfe und der Katastrophenhilfe verfügt. So werden die Leichten Transporthubschrauber (LTH) des Musters EC 155 B und die Mittleren Transporthubschrauber (MTH) u.a. zu dringend notwendigen Personentransporten zur Rettung bzw. Evakuierung u.a. aus dem Gebirge zur Unterstützung der Bergrettung, zum Transport von Air Rescue Specialists (ARS), d.h. Wasserrettern, zum Transport von Sandsäcken bei Flutkatastrophen, und von LAB bei Waldbränden zur Unterstützung der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes eingesetzt.

Über die Zentrale bzw. Leitstelle des Medizinischen Katastrophen-Hilfswerks Deutschland e.V. (MHW) in München können in Kooperation mit privaten Luftfahrtunternehmen Hubschrauber verschiedener Typen in Abhängigkeit der notwendigen Fähigkeiten zur Bewältigung von Großschadenslagen und Katastrophen, z.B. Transport von LAB zur Waldbrandbekämpfung, angefordert und deren Einsatz koordiniert werden (24/7/365). Diese Kooperation mit zivilen bzw. kommerziellen Helikopterbetreibern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geht aus dem ehemaligen Projekt HELIALRT des Deutschen Hubschrauber-Verbandes (DHV) hervor.

Die Reportage wird laufend durch aktuelles Bildmaterial ergänzt.

Die neue H135 als RTH “Christoph 32“: Einer der markantesten Unterschiede zur EC 135 ist der Fenestron-Heckrotor, der ohne den voluminösen Bumper des Vorgängermodells auskommt

Die neue H135 als RTH “Christoph 32“: Einer der markantesten Unterschiede zur EC 135 ist der Fenestron-Heckrotor, der ohne den voluminösen Bumper des Vorgängermodells auskommt

Foto: Oliver Lochner

Autor

Wir danken:
allen Bildautoren, deren Aufnahmen die Reportage mit ihren historischen und aktuellen Aufnahmen aufgelockert haben

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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