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50 Jahre zivile Luftrettung in Deutschland (Teil 1) – Baden-Württemberg

29.06.2020

Mit der Indienststellung des ersten zivilen und ständig mit einem Notarzt besetzten Rettungshubschraubers (RTH) „Christoph 1“ in München schlug am 1. November 1970 die Geburtsstunde der öffentlich-rechtlichen Luftrettung in der Bundesrepublik Deutschland. rth.info nimmt den 50. Geburtstag der Luftrettung in Deutschland zum Anlass, die immensen Leistungen und auch die mit dem stetigen Wandel verbundenen großen Herausforderungen sowie die Bedeutung der Luftrettung in einem europäischen und globalen System der schnellen Hilfe aus der Luftrettung näher zu beleuchten.

Dies wird mit einer Darstellung der Luftrettung in den 16 Bundesländern in alphabetischer Reihenfolge geschehen. Der Fokus liegt dabei auf der historischen Entwicklung, den gesetzlichen Grundlagen der “Hubschrauberrettung“ und dem gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern. Den Anfang macht Baden-Württemberg.

Historische Entwicklung

Die Luftrettung in Baden-Württemberg – der SAR-Dienst wird hier ausgeklammert – startete mit der Indienststellung des sogenannten Testrettungszentrums am Bundeswehrkrankenhaus (BwK) Ulm am 2. November 1971. Unter Leitung von Oberstarzt Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Ahnefeld, dem Leiter der Anästhesiologie am BwK Ulm, wurden ein RTH und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) in Dienst gestellt. Der erste RTH im Südwesten mit dem militärischen Rufnamen „SAR Ulm 75“ vom Muster Bell UH-1D des SAR-Dienstes der Bundeswehr (Bundesministerium der Verteidigung – BMVg) war der zweite RTH in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt. Zwar war die olivgrüne „Huey“, wie die Bell UH-1D liebevoll genannt wird, mit der orangen Tür und den großen blauen Buchstaben „SAR“ ein Hubschrauber der Streitkräfte, der jedoch vom ersten Tag an voll in die zivile Luftrettung eingebunden wurde. Hier zeichnete sich bereits das ab, was man später “zivil-militärische Zusammenarbeit“ nennen sollte.

Mit der “Huey“ fing im Ländle alles an: die inzwischen über 50 Jahre alte Bell UH-1D in SAR-Konfiguration (hier der notarztbesetzte “SAR Ulm 75“) wird ab Juli 2020 sukzessive durch die H145 LUH SAR ersetzt

Mit der “Huey“ fing im Ländle alles an: die inzwischen über 50 Jahre alte Bell UH-1D in SAR-Konfiguration (hier der notarztbesetzte “SAR Ulm 75“) wird ab Juli 2020 sukzessive durch die H145 LUH SAR ersetzt

Foto: Kai Münzenmayer (Archivfoto)

Während die Luftwaffe die Einsatzmaschine und das fliegende Personal, also Pilot und Bordmechaniker stellte, wurden die Sanitätsoffiziere (Notärzte) und die Sanitätsfeldwebel (Einsatzsanitäter/Luftrettungsmeister) vom BwK Ulm gestellt. Im Zuge des kompletten Rückzuges der Bundeswehr als Betreiber von Einsatzmaschinen aus der Luftrettung wurde die Luftrettungsstation Ulm am 1. April 2003 im Rahmen eines zivil-militärischen Betreiberkonzeptes an die ADAC Luftrettung abgegeben, wodurch aus der olivgrünen Bell UH-1D mit dem militärischen Rufnamen „SAR Ulm 75“ eine gelbe BK 117 B-2 mit dem zivilen Rufnamen „Christoph 22“ wurde. Allerdings blieb die Bundeswehr durch die Stationierung am BwK Ulm sowie die Stellung der Notärzte und Notfallsanitäter (Luftrettungsmeister bzw. TC HEMS) über den Sanitätsdienst weiterhin an der Luftrettung in Baden-Württemberg beteiligt, wie dies auch am BwZK Koblenz (Rheinland-Pfalz) und BwK Hamburg (Freie und Hansestadt Hamburg) der Fall ist.

Am 1. April 2003 übernahm die damalige ADAC-Luftrettung GmbH den Flugbetrieb in Ulm mit einer BK 117 (hier eine Aufnahme vom Truppenappell)

Am 1. April 2003 übernahm die damalige ADAC-Luftrettung GmbH den Flugbetrieb in Ulm mit einer BK 117 (hier eine Aufnahme vom Truppenappell)

Foto: Holger Scholl

Heute fliegt in und um Ulm herum eine hochmoderne H145 von Airbus Helicopters (der "Ulmer Spatz" trägt eine einzigartige Beschriiftung)

Heute fliegt in und um Ulm herum eine hochmoderne H145 von Airbus Helicopters (der "Ulmer Spatz" trägt eine einzigartige Beschriiftung)

Foto: Tobias Klein

Die Odyssee – zu den Anfängen des ersten zivilen Rettungshubschraubers im Südwesten

Am 19. März 1973 stellte die am 6. September 1972 in Filderstadt gegründete Deutsche Rettungsflugwacht e.V. (DRF), die heutige DRF Luftrettung, am Verkehrsflughafen der baden-württembergischen Landeshauptstadt ihren ersten RTH für den Großraum Stuttgart in Dienst. Eine gecharterte SA 319 B „Alouette III“ mit dem BOS-Rufnamen „Rotkreuz Baden-Württemberg 7“, die nach zwei Jahren durch eine BO 105 C, dann durch eine Bell 206 L Long Ranger und später durch eine BO 105 CBS ersetzt wurde, war der zweite RTH im Südwesten.

Mit einer gecharterten Alouette III startete die heutige DRF Luftrettung im März 1973 ihren Flugbetrieb: hier der “Rettungshubschrauber für den Großraum Stuttgart“ in Böblingen

Mit einer gecharterten Alouette III startete die heutige DRF Luftrettung im März 1973 ihren Flugbetrieb: hier der “Rettungshubschrauber für den Großraum Stuttgart“ in Böblingen

Foto: Helmut Brukner

Im Rahmen einer bundeseinheitlichen Regelung des Bundesministers des Innern (BMI) für Rufnamen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) erhielten auch die DRF-RTH Mitte der 1980er Jahre „Christoph“-Rufnamen. So wurde aus dem „RK BW 7“ der heutige „Christoph 41“. Bis dieser am 1. Juni 1986 an seinem noch heutigen Standort der Luftrettungsstation in Leonberg fest stationiert werden konnte, wurden auf Grund von Anwohnerprotesten vielfache Standortwechsel innerhalb des Einsatzgebietes notwendig, was sich wahrlich zu einer Odyssee entwickelte. So war die weiß-rote Einsatzmaschine in den ersten dreizehn Jahren u.a. am Stuttgarter Landesflughafen, am Flugplatz in Pattonville sowie in Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Marbach und Ruit stationiert, wo auch die Notärzte von den dortigen Krankenhäusern gestellt wurden. Im September 1996 wurde in Leonberg die weltweit erste EC 135 in HEMS-Konfiguration stationiert.

Im September 1996 stationierte die damalige Deutsche Rettungsflugwacht e. V. mit der D-HYYY die weltweit erste EC 135 in HEMS-Konfiguration als RTH "Christoph 41"

Im September 1996 stationierte die damalige Deutsche Rettungsflugwacht e. V. mit der D-HYYY die weltweit erste EC 135 in HEMS-Konfiguration als RTH "Christoph 41"

Foto: Olaf Tampier

Man mag es heute kaum mehr glauben, aber das Drama um die Standortfrage spitzte sich derart zu, dass wöchentliche Standortwechsel schon zur Routine der Einsatzbesatzungen gehörten. Dieser traurige Rekord ist in der bundesdeutschen Luftrettung bis heute einsame Spitze.

Der dritte RTH im „Ländle“ startete am 17. September 1975 mit dem Rufnamen „Rotkreuz Baden-Württemberg 6“ (kurz: RK BW 6) in Karlsruhe am dortigen St. Vincentius-Krankenhaus. Erstmals in der deutschen Luftrettung stationierte die DRF dort eine Einsatzmaschine des Typs Bell 206 J Jet Ranger, die einige Jahre später von einer BO 105 CBS abgelöst wurde.

Häufiger Wechsel auch im Schwarzwald

Im Rahmen der Zivilschutzvorhaltung des Bundes wurde am 18. November 1975 der vierte RTH in Baden-Württemberg am damaligen Krankenhaus Villingen-Schwenningen (heute Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen) im Schwarzwald stationiert. Dabei handelte es sich um eine orange BO 105 CB des Katastrophenschutzes mit dem Rufnamen „Christoph 11“, der von Piloten des Bundesgrenzschutzes (BGS), der heutigen Bundespolizei (BPOL), geflogen und von dessen Bordwarten technisch betreut wurde.

Diese RTH-Station, wie die Luftrettungsstationen früher bezeichnet wurden, hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Infolge eines Pilotenmangels beim BGS flogen zwischen dem 8. September 1976 und dem 31. Dezember 1979 die Heeresflieger aus Roth mit einer Bell UH-1D in Villingen-Schwenningen in Amtshilfe für den BMI, dem die Hubschrauber des Katastrophenschutzes gehörten, die Rettungseinsätze. Im Anschluss betrieb die ADAC Sicherheitskreis GmbH die RTH-Station Villingen-Schwenningen zwischen dem 1. Januar 1980 und dem 26. Oktober 1981 in Aushilfe für den BMI. Ab dem 27. Oktober 1981 flog wieder der BGS mit einer orange BO 105 CB des Katastrophenschutzes im Schwarzwald.

Eine weitere Amtshilfe durch die Bundeswehr wurde zwischen dem 11. September 1991 und dem 27. November 1991 notwendig, die durch das Lufttransportgeschwader 61 (LTG 61) aus Landsberg mit einem SAR-Hubschrauber des Musters Bell UH-1D geleistet wurde. Dann flog wieder zwischen dem 28. November 1991 und dem 21. Dezember 1992 der BGS mit einem Hubschrauber des Katastrophenschutzes in Villingen-Schwenningen, bis wieder zwischen dem 22. Dezember 1992 und dem 30. November 1993 eine weitere Amtshilfe durch die Bundeswehr, diesmal durch eine Bell UH-1D des Heeresfliegerregimentes 20 (HFlgRgt 20) in Neuhausen ob Eck, nötig wurde. Ab dem 1. Dezember 1993 war dann wieder eine orange BO 105 CB mit BGS-Piloten über dem Himmel im Schwarzwald im Einsatz.

Im Zuge einer Reduzierung der Zivilschutz-Hubschrauber-Standorte des Bundes wurde die Luftrettungsstation Villingen-Schwenningen am 1. Mai 1996 von der DRF übernommen. Anfangs flog dort eine BO 105 CBS. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass die Luftrettungsstation „Christoph 11“ in Villingen-Schwenningen der Stützpunkt in Deutschland ist, welcher die meisten Amts- und Aushilfen und damit auch die häufigsten Betreiberwechsel zu verzeichnen hat.

In Villingen-Schwenningen kam auch eine orange BO 105 des Bundes zum Einsatz

In Villingen-Schwenningen kam auch eine orange BO 105 des Bundes zum Einsatz

Foto: Michael Mau

Von 1996 bis 2009 flog in Villingen-Schwenningen eine BO 105 CBS als "Christoph 11" (hier zu sehen an ihrer Station mit dem ITH "Christoph 54" aus Freiburg)

Von 1996 bis 2009 flog in Villingen-Schwenningen eine BO 105 CBS als "Christoph 11" (hier zu sehen an ihrer Station mit dem ITH "Christoph 54" aus Freiburg)

Foto: Jörn Fries

Der fünfte RTH im Südwesten der Bundesrepublik wurde am 20. Oktober 1980 in Friedrichshafen von der DRF stationiert. Die rot-weiße Einsatzmaschine vom Typ BO 105 CBS trug in den ersten Jahren noch einen Rufnamen des Roten Kreuzes Baden-Württemberg, bis er dann in den 1990er Jahren einen „Christoph“-Rufnamen bekam, weshalb er seit dieser Zeit „Christoph 45“ gerufen wird. Für die luftgebundene Wasserrettung am Bodensee verfügt der RTH über eine Rettungsinsel. Darüber hinaus kann er auch schnell Rettungsschwimmer über den Luftweg heranführen und über der Einsatzstelle absetzen.

Sekundärtransport: Es fing mit Ambulanzhubschraubern an

Im Zuge des parallelen Aufbaues eines luftgebundenen Sekundärtransportsystems mit damals so genannten Ambulanzhubschraubern (AHS), den heutigen Intensivtransporthubschraubern (ITH), wurde am 1. Juni 1986 ein einmotoriger Hubschrauber des Typs AS 350 B „Ecureuil“ der Firma MERAVO in Kooperation mit der DRF am Flughafen Mannheim-Neuostheim in Betrieb genommen. Der AHS war der erste, der in Baden-Württemberg für Sekundärtransporte, d.h. Verlegungstransporte zwischen Krankenhäusern, vorgehalten und eingesetzt wurde. Einige Jahre später wurde die AS 350 B durch eine BK 117 ersetzt.

Diesem AHS folgte am 9. Juni 1989 ein weiterer DRF-Hubschrauber des Typs Bell 206 L Long Ranger für Sekundärtransporte, der auf dem Flughafen Stuttgart stationiert wurde. Auch diese Einsatzmaschine wurde einige Jahre später durch eine damals hochmoderne BK 117 ausgetauscht und am 1. Oktober 2009 auf das ehemalige US-Airfield, dem heutigen Flugplatz Pattonville bei Stuttgart, verlegt. Der dritte AHS im Südwesten vom Typ BK 117 B-2 wurde am 1. März 1993 auf dem Flugplatz Freiburg stationiert. Alle drei AHS wurden zu ITH und erhielten in den 1990er Jahren „Christoph“-Rufnamen. So wurde aus dem AHS „Flugwacht Stuttgart 71“ der heutige „Christoph 51“, der „Flugwacht Mannheim 71“ zum „Christoph 53“ und der „Flugwacht Freiburg 71“ zum „Christoph 54“.

Die Deutsche Rettungsflugwacht e. V. setzte die Bell 206 L Long Ranger in ihrem neuen Segment "Ambulanzhubschrauberdienst" ein

Die Deutsche Rettungsflugwacht e. V. setzte die Bell 206 L Long Ranger in ihrem neuen Segment "Ambulanzhubschrauberdienst" ein

Foto: DRF Archivfoto

Rechtsgrundlagen der Luftrettung

Im Gesetz über den Rettungsdienst des Landes Baden-Württemberg (Rettungsdienstgesetz – RDG) in der derzeit gültigen Fassung vom 8. Februar 2010 wird die DRF Luftrettung im § 2 Abs. 1 neben dem Deutschen Roten Kreuz und weiteren Hilfsorganisationen ausdrücklich als Leistungsträger erwähnt. Damit kommt ihr eine Vorrangstellung gegenüber ihren Mitbewerbern, wie beispielsweise der ADAC Luftrettung gGmbH, zu, da im Südwesten Leistungsträger nicht nur – wie im übrigen Bundesgebiet – Leistungserbringer sind, sondern weitreichende Mitspracherechte als Träger des (Luft-)Rettungsdienstes haben. Dies erklärt auch die zahlreichen Probleme im Rettungswesen Baden-Württembergs, beispielsweise bei der Neuorganisation von kreisübergreifenden Rettungsdienstbereichen und biem Bau von neuen Integrierten (Regional-)Leitstellen, der Einhaltung von Hilfsfristen (rth.info berichtete mehrfach).

Im sechsten Abschnitt des § 29 sind die Notfallrettung und der Krankentransport mit Luftfahrzeugen sowie in § 30 die besonderen Bestimmungen über die Finanzierung des Berg-, Luft- und Wasserrettungsdienstes geregelt. So sind im § 29 Abs. 1 die Vorschriften und der Betrieb zur Notfallrettung und den Krankentransport festgelegt. Die Ausstattung, Ausrüstung und Wartung regelt Abs. 2, während in Abs. 3 vorgeschrieben ist, dass das Innenministerium für die Genehmigung zuständig ist. Der Abs. 4 enthält Regelungen zur Einsatzlenkung, die der Integrierten Leitstelle (ILS) obliegt. Der Bedarf und weitere Vorgaben sind im Rettungsdienstplan des Landes enthalten. Entsprechend der landesrechtlichen Bestimmung werden im Land Baden-Württemberg alle Luftrettungsmittel als Dual-Use-Hubschrauber bezeichnet, weshalb alle RTH/ITH den Rufnamen „Christoph“ mit einer Nummer tragen.

Gegenwärtiger Stand

Seit dem 29. September 2017 wird „Christoph 11“ in Villingen-Schwenningen als erster und derzeit einziger RTH/Dual-Use-Hubschrauber Baden-Württembergs im 24-Stunden-Betrieb auch in der Nachtluftrettung eingesetzt. Im Zuge umfangreicher Baumaßnahmen am ViDia-Klinikum Karlsruhe ist der RTH „Christoph 43“ seit dem 25. Januar 2016 Interimsweise auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden am Operation-Center der DRF Luftrettung stationiert, bis die Luftrettungsstation auf dem Dach des Klinikneubaus fertigstellt ist. Die Rückkehr des RTH nach Karlsruhe ist für Ende 2020 terminiert.

"Christoph 43" kehrt zwar noch im Laufe des Jahres 2020 nach Karlsruhe zurück, aber dann an seine neue Station auf dem Dach des Neubaus des ViDia-Klinikums

"Christoph 43" kehrt zwar noch im Laufe des Jahres 2020 nach Karlsruhe zurück, aber dann an seine neue Station auf dem Dach des Neubaus des ViDia-Klinikums

Foto: Jörn Fries

Am 1. Dezember 2019 wurde „Christoph 54“ in Freiburg mit einer brandneuen Einsatzmaschine des Typs H145 und zusätzlich mit einer Rettungswinde (90 Meter Seillänge) ausgestattet. Im Zuge der besonderen Bedrohungs- und Gefahrenlage und damit verbunden des zusätzlichen Bedarfs an speziellen Intensivtransportkapazitäten durch die Corona-Krise wurde am 28. März 2020 am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden in Rheinmünster temporär ein zusätzlicher ITH mit dem Rufnamen „Christoph 111“ und spezieller Isoliertrage für den bundesweiten Transport von COVID-19-Patienten stationiert. Er kann bundesweit und sogar ländergrenzenüberschreitend eingesetzt werden.

Ohne vom Land dazu beauftragt worden zu sein, stattete die DRF Luftrettung ihre neue H145 an ihrer Station Freiburg mit einer Rettungswinde aus

Ohne vom Land dazu beauftragt worden zu sein, stattete die DRF Luftrettung ihre neue H145 an ihrer Station Freiburg mit einer Rettungswinde aus

Foto: Tobias Klein

Des Weiteren ist die Alarmzentrale der DRF Luftrettung im Operation-Center am Airpark Karlsruhe/Baden-Baden (EDSB) auch als Zentrale Koordinationsstelle für Sekundärtransporte (ZKS) für alle boden- und luftgebundenen Intensivverlegungstransporte in Baden-Württemberg zuständig. Damit unterstehen dieser neben den Hubschraubern auch die im südwestlichen Bundesland stationierten Spezialfahrzeuge, d.h. die Intensivtransportwagen (ITW).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass derzeit im südwestlichen Bundesland Baden-Württemberg acht Dual-Use-Hubschrauber (RTH/ITH) stationiert sind. Drei der Hubschrauber („Christoph 41“, „Christoph 43“ und „Christoph 53“) sind vom Typ EC 135 und einer vom Typ H135 („Christoph 45“), während der in der Nachtluftrettung eingesetzte Dual-Use-Hubschrauber („Christoph 11“) ebenso vom Typ H145 ist, wie die Hubschrauber in Ulm („Christoph 22“) und Freiburg („Christoph 54“) sowie der temporäre Sonderhubschrauber in Karlsruhe/Baden-Baden („Christoph 111“). Der Dual-Use-Hubschrauber in Pattonville („Christoph 51“) ist vom Muster EC 145.

Der Mannheimer RTH "Christoph 53" fliegt immer mehr Primäreinsätze, darunter viele chirurgische Notfälle – seit Kurzem verfügt er über Blutplasma an Bord

Der Mannheimer RTH "Christoph 53" fliegt immer mehr Primäreinsätze, darunter viele chirurgische Notfälle – seit Kurzem verfügt er über Blutplasma an Bord

Foto: DRF Luftrettung

In Friedrichshafen hat die DRF Luftrettung eine ihrer modernsten RTH vom Typ H135 stationiert

In Friedrichshafen hat die DRF Luftrettung eine ihrer modernsten RTH vom Typ H135 stationiert

Foto: Tobias Klein

Die vor Längerem in Auftrag gegebene Strukturanalyse des Innenministeriums zur Evaluierung und künftigen Neuordnung der Luftrettung in Baden-Württemberg befindet sich derzeit in der Endredaktion und Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden. Darin wurde geprüft, ob ein weitergehender Bedarf von Luftrettungsmitteln, u.a. auch mit Rettungswinden und in der Nacht, besteht und wo ggf. Lücken in der luftgebundenen Versorgung zu schließen sind.

Ergänzung der öffentlich-rechtlichen Luftrettung

Ein Großraumrettungshubschrauber (GRH) vom Muster Sikorsky CH-53 G der Bundeswehr kann im Rahmen der Amts- und Katastrophenhilfe (u.a. Großveranstaltungen, Flutkatastrophen etc.) durch das Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) der Luftwaffe in Laupheim bei Ulm im zivilen Bereich bereitgestellt werden. Aufgrund der hohen Verfügbarkeit von zivilen Luftrettungsmitteln hat der Einsatz des GRH wohl an Bedeutung verloren und wird deshalb nicht mehr ausgerüstet und in Bereitschaft vorgehalten, sondern muss im Bedarfsfall erst eingerüstet werden, was eine längere Vorlaufzeit (mindestens 12 Stunden) erforderlich macht.

Nach einem Flottenwechsel von der MD 902 und der EC 155 B auf die H145 (sechs Einsatzmaschinen) im Jahr 2016 erhielt die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg am 14. Dezember 2018 für den Bevölkerungsschutz und damit zur Unterstützung der Bergwacht auf der Schwäbischen Alp und im Schwarzwald eine Rettungswinde mit einer 90 m-Seillänge, womit die Rettung von Personen aus unwegsamen Gelände deutlich optimiert wurde. Zu den originären Aufgaben der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg gehört u.a. auch die Suche nach vermissten, d.h. abgängigen Personen, wo insbesondere durch die Wärmebildkamera eine großflächige Suche und durch die schnelle Heranführung bodengebundener Einsatzkräfte eine schnelle Rettung durchgeführt werden kann.

Mit dem SAR-Kommando auf dem Heeresflugplatz Niederstetten, einem von drei Stützpunkten im SAR-Bereich Land des Heeres, beim Transporthubschrauberregiment 30 (TrspHubschrRgt 30) der Division Schnelle Kräfte (DSK) im Main-Tauber-Kreis sind in Baden-Württemberg zwei SAR-Hubschrauber „RESCUE 63“ und „RESCUE 64“ stationiert. Diese können auch im Rahmen der dringenden Eilhilfe zur Unterstützung des zivilen Rettungsdienstes eingesetzt werden, wenn ein ziviles Luftrettungsmittel nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Weiterhin können die SAR-Hubschrauber auch in der Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Die Anforderung erfolgt über die SAR-Leitstelle (Aeronautical Rescue Control Centre – ARCC) des Heeres in Münster. Derzeit werden im SAR-Bereich Land des Heeres noch Maschinen vom Muster Bell UH-1D eingesetzt, deren ersten beide Einsatzmaschinen in Niederstetten Anfang Juli 2020 von der hochmodernen H145 LUH SAR abgelöst werden. Darüber hinaus verfügt das TrspHubschrRgt 30 auch über Waffensysteme, wie die Einsatzmaschinen militärisch bezeichnet werden, des Musters NH90 TTH (NATO-Hubschrauber 90 Tactical Transport Helicopter). Diese können auch für militärische MedEvac-Einsätze und zur Katastrophenhilfe eingesetzt werden.

Autor

Wir danken:
allen Bildautoren, deren Aufnahmen die Reportage mit ihren historischen und aktuellen Aufnahmen aufgelockert haben

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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