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40 Jahre Luftrettung an der niedersächsischen Küste (Teil 2)

30.11.2019

In dieser Reportagenserie sind erschienen:

In diesen Tagen besteht die Luftrettungsstation Sanderbusch im gleichnamigen Stadtteil der Gemeinde Sande (Kreis Friesland) bei Wilhelmshaven 40 Jahre, in denen zuerst „Christopher Friesland“ und ab Anfang 1983 „Christoph 26“ schnelle Hilfe aus der Luft brachten. Im Teil 1 unserer zweiteiligen Reportage haben wir ausführlich über die Entstehung der Luftrettung mit „Christopher Friesland“ berichtet. Im zweiten und letzten Teil wollen wir den Fokus auf den Gelben Engel und „Island Hopper“ „Christoph 26“ richten.

Heute ist am Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch eine hochmoderne H145 mit Rettungswinde stationiert

Heute ist am Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch eine hochmoderne H145 mit Rettungswinde stationiert

Foto: Jörn Fries

ADAC stellt kurzfristig die Luftrettung sicher: Start frei für „Christoph 26“

Parallel zur äußerst kurzfristigen Ankündigung der S.O.S.-Flugrettung e.V., den Rettungshubschrauber (RTH) „Christopher Friesland“ in Sanderbusch zum Jahresende 1982 abziehen zu wollen, wurde vom für den Rettungsdienst zuständigen Kreis Friesland dringend ein Nachfolger gesucht, der dann schnell im ADAC gefunden wurde. Um etwas Zeit zu gewinnen und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, konnte sich die S.O.S.-Flugrettung e.V. dazu durchringen, den Flug- und Einsatzbetrieb einen Monat, also bis zum 31. Januar 1983, zu verlängern. So wurde einen Tag später, am 1. Februar 1983, „Christoph 26“, eine BO 105 CBS-4 (D-HDPS; SN 570), am Nordwest-Krankenhaus (NWK) Sanderbusch stationiert und ging sofort in den Einsatz. Dies war nur möglich, weil der ADAC kurzfristig eine Einsatzmaschine und Piloten bereitstellte, um eine lückenlose Sicherstellung der Luftrettung in Friesland sicherzustellen. Dazu bedurfte es erheblichen Anstrengungen der damals noch jungen ADAC-Luftrettung GmbH und vieler ihrer Mitarbeiter. Die medizinische Crew blieb die gleiche, wie auch die Anbindung des neuen, nun gelben Helikopters an die Leitstelle Jever (seit 1. Juli 2009 Gemeinsame Leitstelle Friesland/Wilhelmshaven), während die Piloten von der ADAC Luftrettung und die Techniker von der Wartungsfirma ALT gestellt wurden.

Die ADAC-Luftrettung GmbH nahm am 1. Februar 1983 ihren Betrieb am NWK mit einer BO 105 CBS-4 auf

Die ADAC-Luftrettung GmbH nahm am 1. Februar 1983 ihren Betrieb am NWK mit einer BO 105 CBS-4 auf

Foto: Archiv LRZ 26

Die ADAC Luftrettung setzte auch in Sanderbusch konsequent von Anfang an auf Qualität und eingespielte Standards, so dass an der bis dahin eher improvisierten Luftrettungsstation im Januar 1985 die dringend notwendigen Standortanlagen mit Hangar, Betankungsanlage, Außenlandeplatz mit Befeuerung, Bereitschafts-, Ruhe- und Lagerräume etc. in Betrieb genommen werden konnten, was die Luftrettung in Sanderbusch deutlich optimierte.

Aus dem ehemals improvisierten Stützpunkt am NWK in Sanderbusch ist längst eine moderne Luftrettungsstation geworden, ...

Aus dem ehemals improvisierten Stützpunkt am NWK in Sanderbusch ist längst eine moderne Luftrettungsstation geworden, ...

Foto: Jörn Fries

..., wie diese beiden Aufnahmen aus dem September 2012 zeigen

..., wie diese beiden Aufnahmen aus dem September 2012 zeigen

Foto: Jörn Fries

„Christoph 26“ – der multitaskingfähige RTH

Der Philosophie der Luftrettungsorganisation entsprechend nahm die ADAC Luftrettung auch rasch und kontinuierlich weitere Optimierungen an der RTH-Station „Christoph 26“ vor. So stationierte sie am 3. Mai 1985 die damals neue, hochmoderne und wesentlich größere BK 117 A-1 (D-HMUZ; SN 7016) in Sanderbusch stationiert, die die bis dahin eingesetzte BO 105 CBS-4 ablöste. Damit konnte auch die Crew um einen Bordwart (heute als Bordtechniker bezeichnet) erweitert werden. Am gleichen Tag wurde – bundesweit einzigartig – der Einsatzradius für Primäreinsätze von 50 auf 70 Kilometer ebenso erweitert, wie die Einsatzbereitschaft vom Tagesbetrieb in den 24-Stunden-Betrieb ausdehnt wurde. Nur etwas mehr als drei Monate später, am 23. August 1985, geriet die D-HMUZ auf Grund eines technischen Defektes unmittelbar nach der Landung an der RTH-Station in Brand und wurde völlig zerstört. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt. Allerdings mussten zur Sicherheit angrenzende Gebäudeteile des NWK kurzzeitig evakuiert werden. Die ADAC-Luftrettung reagierte sofort und stationierte vorübergehend als Einsatzreserve wieder eine BO 105 CBS-4 in Sanderbusch, um eine lückenlose Fortsetzung des Luftrettungsdienstes zu gewährleisten. Schon am 7. Oktober 1985 konnte sie den Einsatzflugbetrieb in Sanderbusch mit einer neuen BK 117 A-1 (D-HBKK; SN 7009) fortsetzen.

Bereits im Mai 1985 wurde die damals brandneue und hochmoderne BK 117 mit der Kennung D-HMUZ (SN 7016) in Sanderbusch eingesetzt (hier die SN 7100 als D-HMUZ in Zweitbesetzung)

Bereits im Mai 1985 wurde die damals brandneue und hochmoderne BK 117 mit der Kennung D-HMUZ (SN 7016) in Sanderbusch eingesetzt (hier die SN 7100 als D-HMUZ in Zweitbesetzung)

Foto: Harald Rieger

Im Januar 1987 erweiterte die ADAC Luftrettung die bereits vorhandene Zusatzausstattung, u. a. eine spezielle Seenotrettungsausrüstung, durch einen Inkubator zum Transport von Säuglingen und Kleinkindern, womit die adäquate Verlegung der kleinen Patienten in Spezialkliniken ermöglicht wurde. Darüber hinaus bot das zusätzliche Platzangebot in der BK 117 die Möglichkeit, eine Begleitperson (Kinderarzt, Elternteil) mitzunehmen.

Um auch Rettungseinsätze aus besonderen Einsatzlagen an der Küste sowie von Booten und Schiffen zu ermöglichen, wozu auch eine enge Kooperation mit der für die Seenotrettung zuständigen Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gehört, führt “Christoph 26“ seit Anfang 2004 zusätzlich eine Rettungswinde mit. Des Weiteren wurde die Ausrüstung der örtlichen Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG), zur Erweiterung des Rettungsdienstes, luftverlastbar gemacht, um bei einer Großschadenslage oder Katastrophe mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) eine schnelle Verlegung auf dem Luftweg mit „Christoph 26“ zu ermöglichen.

Mit der Rettungswinde wurden die Einsatzoptionen für „Christoph 26“ ab Anfang 2004 deutlich erweitert

Mit der Rettungswinde wurden die Einsatzoptionen für „Christoph 26“ ab Anfang 2004 deutlich erweitert

Foto: Patrick Permien

„Christoph 26“ mit vielen Innovationen und neuester Technik

Als weitere Meilensteine der Luftrettung in Sanderbusch sind die Indienststellung des neuesten Hubschraubermodells in der Luftrettung vom Typ H145 (D-HYAG, SN 20054), welches von der ADAC Luftrettung selbst als „Kraftpaket“ bezeichnet wird, mit Rettungswinde am 16. Dezember 2016 und der bevorstehende Neubau als Ersatz des zu klein gewordenen Hangars, der gegenwärtig durch einen Zelthangar überbrückt wird, zu nennen. Und gerade erst wurde die Luftrettungsstation Sanderbusch mit dem RTH „Christoph 26“ zum bundesweit zweiten Stützpunkt der ADAC Luftrettung für die primäre Nachtluftrettung mit Night Vision Goggles (NVG), welches Teil des hochmodernen Night-Vision-Imaging-System (NVIS) ist. Dabei ermöglichen die an den Helmen der Piloten angebrachten Bildverstärkerbrillen (BIV) im Wert von 11.000 Euro gemeinsam mit einem am RTH angebrachten leistungsstarken Scheinwerfer Landungen bei schlechten Sichtverhältnissen auf unbeleuchteten und unbekannten Landestellen an Einsatzorten. Mit dem Einbezug sämtlich derzeit verfügbarer Innovationen und Techniken wurde die Luftrettung in Sanderbusch nicht nur weiter optimiert, sondern befindet sich auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik sowie Ausstattung und Ausbildung.

Die H145 ist der derzeit modernste RTH/ITH Deutschlands und optimal für die Luftrettung an der Küste geeignet

Die H145 ist der derzeit modernste RTH/ITH Deutschlands und optimal für die Luftrettung an der Küste geeignet

Foto: Jörn Fries

Aufgrund ihrer Größe braucht die H145 allerdings einen größeren Hangar (Archivaufnahme aus dem August 2016)

Aufgrund ihrer Größe braucht die H145 allerdings einen größeren Hangar (Archivaufnahme aus dem August 2016)

Foto: Jörn Fries

Mit der Einführung des NVIS wurde die Nachtluftrettung in Sanderbusch deutlich optimiert und erweitert

Mit der Einführung des NVIS wurde die Nachtluftrettung in Sanderbusch deutlich optimiert und erweitert

Foto: Jörn Fries

Bis 1992: „SAR Jever 27“ unterstützt zivile Luftrettung

Untrennbar mit der Geschichte der Luftrettung in Sanderbusch ist die Bundeswehr, insbesondere mit dem ehemaligen „SAR Jever 27“, verbunden. Seit der Indienststellung des Bundeswehr-Hubschraubers „SAR Jever 27“ in Upjever Anfang 1964 erfolgte zuerst mit der Bristol Sycamore B-171 und ab 1979 mit der Bell UH-1D eine kontinuierliche Unterstützung des zivilen Rettungsdienstes durch die Bundeswehr, welcher über die SAR-Leitstelle der Luftwaffe (zuletzt RCC Goch) angefordert werden konnte. Anfangs bestand die Besatzung des SAR-Hubschraubers vom Muster B-171 lediglich aus einem Piloten und einem Bordwart, was sich mit der Bell UH-1D änderte, wo ein als Einsatz- bzw. Rettungssanitäter ausgebildeter Sanitätssoldat mit der Weiterbildung zum Luftrettungsmeister zur festen Besatzung gehörte. Damit war auch die notfallmedizinische Komponente abgedeckt, wenn auch kein Notarzt zur Regelbesatzung gehörte.

Mit dem SAR-Hubschrauber des Musters Bristol Sycamore B-171 begann die Luftrettung in Friesland (hier eine Aufnahme aus dem Hubschraubermuseum in Bückeburg)

Mit dem SAR-Hubschrauber des Musters Bristol Sycamore B-171 begann die Luftrettung in Friesland (hier eine Aufnahme aus dem Hubschraubermuseum in Bückeburg)

Foto: Jörn Fries

Bis zur Indienststellung von „Christopher Friesland“ am 15. November 1979 hatte die Bundeswehr mit ihren SAR-Hubschraubern eine Schlüsselrolle in der Region Nordwestniedersachsen inne, insbesondere mit dem „SAR Jever 27“, dessen Crew oftmals schnelle und lebensrettende Hilfe aus der Luft brachte. Das einzige SAR-Kommando der Luftwaffe mit Seeflugberechtigung war eine Außenstelle des Hubschraubertransportgeschwaders 64 (HTG 64) in Ahlhorn nahe Oldenburg und hatte zwei Aufgaben in der Unterstützung des zivilen Rettungsdienstes. Einerseits konnte „SAR Jever 27“ als Backup für den RTH „Christoph 26“ eingesetzt werden, andererseits wurde die olivgrüne Bell UH-1D der Luftwaffe als Einsatzreserve für den gelben ADAC-Hubschrauber vorgehalten. Mit der orangefarbenen Tür und den in Blau gehaltenen Buchstaben „SAR“, so die internationale Abkürzung für Search and Rescue, also Suchen und Retten, war die Maschine leicht erkennbar.

Optimale Zusammenarbeit: „SAR Jever 27“ stand als Backup und Einsatzreserve sowie für Verlegungen und Windeneinsätze bis Mitte 1992 zur Verfügung (hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2003, aufgenommen in Ludwigshafen)

Optimale Zusammenarbeit: „SAR Jever 27“ stand als Backup und Einsatzreserve sowie für Verlegungen und Windeneinsätze bis Mitte 1992 zur Verfügung (hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2003, aufgenommen in Ludwigshafen)

Foto: Holger Scholl

Ab November 1986 bestand sogar ein Vertrag zwischen dem Landkreis Friesland und dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), in dem der Einsatz von „SAR Jever 27“ genau geregelt war. Dabei wurde sogar im NWK ein zweiter Notarzt vorgehalten, welcher von der Leitstelle Friesland alarmiert und von der „Huey“, wie die heute legendäre Bell UH-1D liebevoll bezeichnet wird, abgeholt werden konnte. Der „SAR Jever 27“ wurde bei Redundanzeinsätzen und größeren Einsätzen als zweites Luftrettungsmittel sowie als Windenhubschrauber mit erster Priorität und grundsätzlich für Sekundäreinsätze, d. h. Verlegungstransporte (heute Intensivverlegungen), mit einer Abwesenheitsdauer von über zwei Stunden eingesetzt. Damit bestand eine sehr enge Kooperation zwischen der Crew des zivilen ADAC-RTH „Christoph 26“ und dem militärischen „SAR Jever 27“, die modellhafter nicht mehr hätte sein können. So konnten sich die Rettungsflieger der Bundeswehr am Luftrettungszentrum während ihrer Aushilfen wie zu Hause fühlen, was sich beispielsweise darin ausdrückte, dass sie nicht nur alles in der Luftrettungsstation befindliche Material für dienstliche Zwecke nutzen durften, sondern beispielsweise auch den Holzkohlegrill für die notwendige Entspannung zwischen bzw. nach den Einsätzen. Im Rahmen dieser nach dem heutigen Verständnis zivil-militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) im besten Sinne stand Kameradschaft an erster Stelle, die zum großen Bedauern aller Beteiligten und auch der Bevölkerung in der Region durch die Schließung des SAR-Kommandos Jever am 30. Juni 1992 schmerzhaft beendet wurde. Eines ist aber geblieben, nämlich die Erinnerung an das weit über das vorgeschriebene Maß hinausgehende Engagement der Rettungsflieger der Luftwaffe in der zivilen Luftrettung und damit im Rahmen der Dringenden Nothilfe, wie es bei der Bundeswehr kurz und knapp bezeichnet wird.

Luftrettung im Nordwesten – eine einzigartige Erfolgsgeschichte

In den vergangenen vier Jahrzehnten wurde in Sanderbusch immer lösungs- und vor allem patientenorientiert geplant und gehandelt. Viele Herausforderungen und auch Probleme wurden bewältigt und das System der schnellen Hilfe aus der Luft kontinuierlich weiterentwickelt. Daraus ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte mit einer stolzen Bilanz entstanden. So wurden in den vergangenen 40 Jahren von „Christopher Friesland“ und „Christoph 26“ sowie dem bis Mitte 1992 als Einsatzreserve (Aushilfe) eingesetzten „SAR Jever 27“ rund 46.000 Rettungseinsätze geflogen. Die von der Bundeswehr im Rahmen der Dringenden Nothilfe bzw. Eilhilfe rund 5.000 geflogenen Rettungseinsätze zur Unterstützung des Rettungsdienstes, wenn ein ziviles Rettungsmittel nicht oder nicht zeitnah zur Verfügung gestanden hat, noch nicht mitgerechnet. Damit waren und sind die Rettungsflieger an der Küste im Nordwesten oft nicht nur die schnellsten, sondern auch oftmals die einzigen Retter, wenn es um Rettung aus höchster Gefahr in der Region geht. Besonders die Bewohner der im Wattenmeer vorgelagerten ostfriesischen Inseln sowie die alljährlich vielen Touristen in der Region profitieren bis heute und auch in Zukunft von dem Gelben Engel der ADAC Luftrettung, weshalb er auch liebevoll als „Island Hopper“, zu deutsch Inselhüpfer, bezeichnet wird. Die speziellen Anforderungen des RTH-Einsatzes mit vielen Besonderheiten und Herausforderungen an der Küste haben dieser Luftrettungsstation in jedweder Hinsicht einen herausragenden Status innerhalb des bundesdeutschen „Hubschrauber-Rettungsdienstes“ verliehen. Bei der Indienststellung von „Christopher Friesland“ vor 40 Jahren hätte wohl niemand damit gerechnet, welch positive und rasante Entwicklung die seit Anfang 1983 von der ADAC Luftrettung an der niedersächsischen Nordseeküste betriebene Luftrettungsstation nehmen würde.

“Christoph 26” in Sanderbusch ist der multitaskingfähige RTH im Nordwesten der Republik mit vielfältigen Einsatzoptionen (hier eine Archivaufnahme von Langeoog aus dem Januar 2014)

“Christoph 26” in Sanderbusch ist der multitaskingfähige RTH im Nordwesten der Republik mit vielfältigen Einsatzoptionen (hier eine Archivaufnahme von Langeoog aus dem Januar 2014)

Foto: Jörn Fries

Autor(en)
Holger Scholl

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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