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25 Jahre „Christoph Regensburg“ – ein ganz besonderer Festakt

20.10.2019

Ein Vierteljahrhundert Luftrettung in Regensburg gab Ende September Anlass für eine Feierzeremonie. Im Rahmen der interdisziplinären Notfall-Fortbildung „RESCU“ am Universitätsklinikum stand der erste der beiden Veranstaltungstage ganz im Zeichen des „Hubschraubers der Uniklinik“ und gab einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der heutigen, 24-Stunden einsatzbereiten Dual-Use-Station der DRF Luftrettung. Zum Festakt fanden sich Gäste aus der örtlichen Politik, der in Verbindung stehenden Hilfsorganisationen, die Besatzungsmitglieder sowie die Vorsitzenden der DRF Luftrettung am Hangar ein. Nach einem Sektempfang und diversen Fotos vor der zur Besichtigung eingeflogenen H145 „D-HDSU“ folgten die Ansprachen, die vor allem die Bedeutung von „Christoph Regensburg“ für die Region deutlich machten.

Gäste aus den unterschiedlichsten Bereichen fanden sich für einen Sektempfang am Hangar ein, im Hintergrund die Einsatzmaschine „D-HDSF“ auf dem oberen Helipad.

Gäste aus den unterschiedlichsten Bereichen fanden sich für einen Sektempfang am Hangar ein, im Hintergrund die Einsatzmaschine „D-HDSF“ auf dem oberen Helipad.

Foto: Mario Stelzer

Für die Jubiläumsfeier wurde der Hangar festlich geschmückt und bestuhlt, um allen Gästen ein gemütliches Ambiente zu bieten.

Für die Jubiläumsfeier wurde der Hangar festlich geschmückt und bestuhlt, um allen Gästen ein gemütliches Ambiente zu bieten.

Foto: Mario Stelzer

Auch die Kollegen des Straubinger Rettungshubschraubers „Christoph 15“ gratulierten zum Geburtstag.

Auch die Kollegen des Straubinger Rettungshubschraubers „Christoph 15“ gratulierten zum Geburtstag.

Foto: Mario Stelzer

Beachtliche Entwicklung der Luftrettungsstation

Dr. Krystian Pracz, Vorsitzender der DRF Luftrettung, bedankte sich für die 25 Jahre, die man nicht mit Fakten beschreiben könne, sondern vielmehr fühlen müsse. Er unterstrich die große Erfahrung der Besatzung von „Christoph Regensburg“ und das vielfältige Aufgabengebiet wie die Transporte mit mobilen Herz-Lungen-Maschinen (ECMO), die 24-stündige Einsatzbereitschaft oder das „NOKI“-Projekt (Notarzt Kinder). Des Weiteren führte Pracz die Meilensteine der Station seit der „Erstlandung“ am 4. September 1994 vor Augen, wie die ständige Modernisierung des Hubschraubertyps, angefangen von der Bell 412 über die BK 117 und EC 145 bis hin zur aktuell eingesetzten H145. Nicht zu vergessen sei außerdem der Umzug von den behelfsmäßigen Wohncontainern und einem ungeschützten Abstellplatz für die Einsatzmaschine ins modernen Luftrettungszentrum mit Betankungsanlage, Hangar und Arbeits- und Bereitschaftsräumen im Jahr 2008.

Dr. Krystian Pracz, Vorsitzender der DRF Luftrettung, bedankte sich für 25 Jahre Luftrettung Regensburg und hob die besonderen Aufgabengebiete und die Meilensteine des Ostbayerischen ITH hervor.

Dr. Krystian Pracz, Vorsitzender der DRF Luftrettung, bedankte sich für 25 Jahre Luftrettung Regensburg und hob die besonderen Aufgabengebiete und die Meilensteine des Ostbayerischen ITH hervor.

Foto: Mario Stelzer

Die Klinik für Anästhesiologie des UKR stellt alle Ärzte des „Christoph Regensburg“ – Klinikleiter Prof. Dr. Graf freute sich über die langjährige Zusammenarbeit zwischen Klinik und Hubschrauber.

Die Klinik für Anästhesiologie des UKR stellt alle Ärzte des „Christoph Regensburg“ – Klinikleiter Prof. Dr. Graf freute sich über die langjährige Zusammenarbeit zwischen Klinik und Hubschrauber.

Foto: Mario Stelzer

Prof. Dr. Bernhard M. Graf, Leiter der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Regensburg (UKR), betonte, es sei keine Selbstverständlichkeit, dass der Intensivtransporthubschrauber (ITH) zu dem geworden ist, was er heute sei. So nannte Graf die anfänglichen Probleme durch Lärmbeschwerden mit Anwohnern, was sogar zu einem Flugverbot geführt hatte. Heute fliege der rot-weiße Hubschrauber gar rund ein Fünftel seiner Einsätze nachts. Da das ärztliche Personal durch Ärzte der Anästhesie gestellt werde, feierten somit seine Klinik und der Hubschrauber „silberne Hochzeit“. In seinem Rückblick auf 25 Jahre Luftrettungszentrum Regensburg hob der Klinikleiter besonders die eingangs erwähnten „Zusatzaufgaben“ des Hubschraubers hervor, nämlich die ECMO-Transporte und die Einführung des NOKI-Projekts.

Das „Notarzt-Kinder-Projekt“ (NOKI) wurde durch die Luftrettungsstation Regensburg, der Uniklinik Regensburg sowie dem Förderverein „Sternschnuppe e.V.“ mit dem Ziel ins Leben gerufen, die notfallmedizinische Versorgung von Kindern im ländlichen Ostbayerischen Raum zu verbessern. So wird Christoph Regensburg oftmals bei schweren Kindernotfall-Meldebildern zusätzlich zum bodengebundenen Notarzt alarmiert und kann den kleinen Patienten gegebenenfalls in weiter entferntes Kinderkrankenhaus transportieren. Aus diesem Grund müssen alle Hubschrauber-Notärzte an speziellen Trainings für Kindernotfälle teilnehmen.

In Sachen luftgebundene Herz-Lungen-Maschinen-Transporte („ECMO“) sei die Station Regensburg ein „Pionier“, wie Graf weiter schilderte. Seien anfänglich jene Geräte so groß wie ein „Kleiderschrank“ gewesen, so könnte heute auf hochmoderne Maschinen in Tragetaschengröße zurückgegriffen werden. Mitarbeiter der Uniklinik Regensburg spielten dabei eine wesentliche Rolle in der Entwicklung bei den für den Transport optimierten Geräten und machten den Maximalversorger in Ostbayern zu einem überregionalen ECMO-Zentrum. So zählen mittlerweile derartige Transporte zum Tagesgeschäft des Hubschraubers, weswegen hier ein hohes Maß an Erfahrung an den Tag gelegt werden könne.

Vor dem Hangar stand die eigens dafür eingeflogene H145 „D-HDSU“ zur Besichtigung parat.

Vor dem Hangar stand die eigens dafür eingeflogene H145 „D-HDSU“ zur Besichtigung parat.

Foto: Mario Stelzer

Nach Abschluss des Festaktes wurde die Maschine in die Nähe des Hörsaales umgesetzt, musste aber dann als Ersatzmaschine für den Münchner ITH dienen und abgezogen werden.

Nach Abschluss des Festaktes wurde die Maschine in die Nähe des Hörsaales umgesetzt, musste aber dann als Ersatzmaschine für den Münchner ITH dienen und abgezogen werden.

Foto: Mario Stelzer

v.l.n.r.: Cornelia Fuchs, Ltd. HEMS-TC, Krystian Pracz, Vorsitzender DRF Stiftung Luftrettung gAG, Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik f. Anästhesiologie,  Dr. med. Katrin Judemann, Ltd. Hubschrauberärztin und Christian Hackl, Stationsleiter

v.l.n.r.: Cornelia Fuchs, Ltd. HEMS-TC, Krystian Pracz, Vorsitzender DRF Stiftung Luftrettung gAG, Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik f. Anästhesiologie, Dr. med. Katrin Judemann, Ltd. Hubschrauberärztin und Christian Hackl, Stationsleiter

Foto: Mario Stelzer

Vertreter der regionalen und örtlichen Politik stellten in den abschließenden Reden klar, dass es beruhigend sei, zu wissen, dass in Regensburg ein vielseitig ausgerüsteter Rettungshubschrauber mit einer kompetenten Besatzung stationiert sei, der im Notfall zur Hilfe kommt. Mit einem Mittagessen in ungezwungener Atmosphäre war der Festakt beendet. Anschließend folgte im Rahmen der „RESCU“-Ausbildung in einem Hörsaal des UKR diverse Vorträge, die die Entstehungsgeschichte und das vielfältige Aufgabenspektrum des Hubschraubers den Gästen aus den verschiedenen Hilfsorganisationen und Kliniken beleuchteten.

Aller Anfang ist schwer...

In einer Präsentation von Dr. Peter Eberl, ein Arzt der „ersten Stunde“ des Regensburger ITH, wurde eindrucksvoll dargestellt, wie steinig der Weg zur Stationierung des Hubschraubers doch war. Durch den steigenden Bedarf an schnellen und schonenden Verlegungen zwischen Kliniken (Interhospitaltransporte) begannen Anfang der 1990er Jahre die Bemühungen, in Regensburg einen Hubschrauber für diesen Einsatzweck zu betreiben. Vorbild war dabei der ITH der Universität München in Kooperation mit dem HDM Flugservice und des ASB München, der 1991 in Betrieb genommen worden war. Bisher führten derartige Verlegungen mit viel Platzbedarf – die intensivmedizinische Ausrüstung war um ein Vielfaches größer als heute - in der Regel die Hubschrauber der Bundeswehr (SAR). Auch die die in der Region seit Jahren aktiven Rettungshubschrauber-Standorte, wie der nur knapp 40 Kilometer von Regensburg entfernte Christoph 15, kamen für Verlegungsflüge zum Einsatz, waren aufgrund der eingesetzten Maschinenmuster (BO 105) im Platzangebot jedoch sehr eingeschränkt.

1994 erfolgte dann etwas überraschend für die Verantwortlichen die Genehmigung des Intensivtransporthubschrauber-Standortes Regensburg. Somit war der Startschuss für die Stationierung gefallen, allerdings war unklar, wo am Universitätsklinikum die Maschine abgestellt werden kann. Nach der Klärung dieser Frage – ein provisorischer Landeplatz im Bereich des heutigen LRZ wurde eingerichtet – wartete man vergeblich Monate auf die finale „Startgenehmigung“ für den Betrieb der Maschine. Dabei handelte es sich um eine Bell 412 des HDM-Flugservices Martinsried, damals noch mit österreichischer Kennung und Radfahrwerk. Die Bell 412 bot genügend Platz für die teils sperrigen Medizingeräte zur Überwachung und Versorgung des Patienten, auch die Energieversorgung war sichergestellt. Für die Platzierung und Sicherung der Ausrüstung war etwas Improvisationsgeschick gefragt, wie man den Bildern der Präsentation entnehmen konnte. Bei einem Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein am UKR – nicht der Luftrettung wegen – wurde dieser direkt mit der Problematik des einsatzbereiten, aber nicht abhebenden Intensivtransporthubschraubers konfrontiert und versicherte eine baldige Freigabe. So geschah es auch, und der 4. September 1994 wird Tag der Dienstaufnahme des ITH Regensburg.

In den ersten Wochen folgte dann nahezu ein Kampf um die Einsätze mit den Akteuren der bisher etablierten Infrastruktur des Land- und Luftrettungsdienstes. Oftmals wurden die bisherigen Rettungshubschrauber-Standorte dem ITH für Verlegungsflüge vorgezogen, auch wenn diese noch bei einem anderen Primäreinsatz gebunden waren und somit den Auftrag erst mit Zeitverzug durchführen konnten.

Trotzdem etablierte sich der ITH aus Regensburg nach und nach, und die Einsatzzahlen stiegen. Dies entlohnte die Bemühungen der Initiatoren des ITH-Standortes. Schon bald erfolgten auch nächtliche Anforderungen des 24 Stunden einsatzbereiten Luftrettungsmittels durch den bodengebundenen Rettungsdienst, um beispielsweise den Opfern der zahlreichen Verkehrsunfälle schnell eine bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten. Zur Jahrtausendwende flog der Regensburger ITH bereits rund 900 Aufträge pro Jahr, 2018 wurde fast die 1.500-Marke geknackt und hat sich somit zu einer wichtigen Einrichtung zur medizinischen Versorgung in der Ostbayerischen Region und darüber hinaus entwickelt.

Modernste Technik für mehr Flugsicherheit und höhere Verfügbarkeit

Auch die Entwicklung des Nachtfluges aus Pilotensicht in den letzten Jahren ein Thema, dem sich Pilot und „Flottenchef 24h Operation“ der DRF Luftrettung Franz Ahollinger widmete. So war Regensburg im Jahr 2011 nach „Christoph München“ die zweite Station, die auf Restlichtverstärkerbrillen (NVGs) zurückgreifen konnte. Dies habe einen erheblichen Sicherheitsgewinn mit sich gebracht, viele Piloten wären derartige Hilfsmittel aus ihrer Zeit bei der Bundeswehr ohnehin gewohnt gewesen, hätten sie jedoch vor der Einführung der NVGs in der zivilen Luftrettung nicht einsetzen dürfen. Trotz des Einsatzes dieser Zusatzausrüstung sei eine Ausleuchtung der Einsatzstelle weiterhin wichtig, auch wenn diese nicht mehr zwingend vorgeschrieben sei. Auch der komfortable Autopilot, das Wetterradar und die Besatzung mit zwei IFR-berechtigten Piloten seien nachts ein wesentlicher Sicherheitsaspekt. Längst keine weit entfernte Zukunftsmusik seien die Planungen für eine nahezu wetterunabhängige Luftrettung. Die DRF sei, so Ahollinger, wesentlich an den Bemühungen involviert, ein Instrumenten- Anflugverfahren für Krankenhäuser beziehungsweise ausgewiesenen Landeplätzen einzuführen. Herausforderung hierbei sei vor allem der Erhalt der dafür nötigen Genehmigungen.

Nach Abschluss der Vorträge hatten die Gäste die Gelegenheit, mittels VR-Brillen einen Rettungshubschrauber-Flug aus Pilotensicht mitzuerleben. Die zur Besichtigung eingeflogene Maschine „D-HDSU“ musste aufgrund eines Defekts der Münchner Einsatzmaschine noch am Nachmittag abgezogen werden, war aber pünktlich zum Tag der offenen Tür der Station Regensburg am 3. Oktober wieder zurück.

Vorbereitungen für einen Einsatz nach Sonnenuntergang. Rund ein Fünftel aller Einsätze fliegt "Christoph Regensburg" nachts.

Vorbereitungen für einen Einsatz nach Sonnenuntergang. Rund ein Fünftel aller Einsätze fliegt "Christoph Regensburg" nachts.

Foto: DRF Luftrettung

Autor(en)
MST

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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