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Eine Exkursion in die Luftrettung der USA (Teil 1)

02.12.2018

In den USA ist eine schier unendliche Zahl an Unternehmen, Behörden oder sonstigen Organisationen in der Luftrettung aktiv. Ebenso vielfältig sind die dabei eingesetzten Hubschraubertypen und deren Ausstattung:

  • Diese reichen von spartanisch ausgestatteten Maschinen, welche – zumeist mit Rettungswinde ausgestattet – vorrangig zur Rettung von Personen aus unzugänglichem Gelände dienen, aber keinen oder nur eingeschränkt qualifizierten medizinischen Transport gewährleisten können (BLS – Basic Life Support),
  • über vergleichbar deutschen Rettungshubschraubern ausgestattete Air Ambulances (ASL – Advanced Life Support)
  • bis hin zu größeren Maschinen, welche in Doppelfunktion nicht nur für Rettungs- sondern auch für Löscheinsätze vorgehalten werden. Deren Wichtigkeit wird gerade im Moment, wo kürzlich große Teile Kaliforniens in Flammen standen, mehr als deutlich.

Diese mehrteilige Fotoreportage soll einen – bei weitem nicht abschließenden – Eindruck dieser Vielfalt im Südwesten der USA, in den Bundesstaaten Kalifornien und Nevada vermitteln. Gerade in den Gebieten abseits der Metropolen spielt die Luftrettung dort eine zentrale Rolle in der Rettung und Versorgung Vermisster bzw. Verletzter. Nicht nur, dass diese Landstriche zumeist dünn besiedelt sind und die Dichte an bodengebundenen Rettungsmitteln sowie Krankenhäusern entsprechend dünn ist. Die klischeehaften meilenweit durchs Niemandsland verlaufenden Highways, oder abseits davon nicht selten einfache Schotterpisten, können das Erreichen des Patienten sowie dessen anschließenden Transport ins nächste geeignete Krankenhaus zu einer halben Weltreise werden lassen.

Auch das Gelände selbst lässt der schnellen Hilfe aus der Luft vielerorts eine herausragende Bedeutung zukommen. Bei Einsätzen in den weitläufigen, oft schwer zugänglichen Bergen und National Forests rund um das Los Angeles Basin oder nördlich davon, oder in den scheinbar nicht enden wollenden Wüsten- oder zumindest wüstenähnlichen Gebiete im Landesinneren bleibt der Einsatz des Hubschraubers zumeist alternativlos, ebenso bei Notfällen oder Verlegungen von den vorgelagerten Inseln zu Kliniken auf das Festland.
Auch wenn sich viele Kalifornier nichts sehnlicher wünschen als mehr Regen, so ist es in diesem Zusammenhang doch ein glücklicher Umstand, dass die wetterbedingten Ausfallzeiten im „Golden State“ gegen Null gehen.

EC 145 von Metro Life Flight

EC 145 von Metro Life Flight

Foto: Johannes Herrmann

Bell 407 von Air Methods

Bell 407 von Air Methods

Foto: Johannes Herrmann

Der Sektor der Helicopter Emergency Medical Services (HEMS) wird in den Vereinigten Staaten von wenigen großen kommerziellen Firmen beherrscht, welche ihre Hubschraubern oder Ambulanzflugzeuge entweder auf eigene Rechnung, über Tochterfirmen oder über lokale Organisationen betreiben. Letztere können

  • entweder Krankenhäuser selbst (Hospital-Based Service),
  • örtliche Ambulanzbetreiber
  • oder Initiativen auf privater oder lokalpolitischer Basis (Community-Based Service) zur Verbesserung der medizinischen Versorgung sein.

Um den organisatorischen und auch finanziellen Aufwand zum Aufbau eines eigenen Flugbetriebs zu vermeiden, greifen diese lokalen Organisationen oft auf besagte Unternehmen zurück, welche dann die Gestellung der Hubschrauber und Piloten sowie die technische Betreuung übernehmen, während die medizinische Besatzung vom örtlichen Partner kommt. Besonders große Namen in diesem Bereich sind Air Methods, Air Evac Lifeteam, Phi Air Medical, Metro Aviation und Reach Air Medical.

„Mercy Air 3“, eine Agusta A109E, stationiert am Flugplatz Hemet-Ryan

„Mercy Air 3“, eine Agusta A109E, stationiert am Flugplatz Hemet-Ryan

Foto: Johannes Herrmann

Sie hat ihre Heimat direkt neben der dortigen Cal Fire Air Attack Base

Sie hat ihre Heimat direkt neben der dortigen Cal Fire Air Attack Base

Foto: Johannes Herrmann

Vom Flugplatz Fullerton aus fliegt eine EC145 als „Mercy Air 4“

Vom Flugplatz Fullerton aus fliegt eine EC145 als „Mercy Air 4“

Foto: Johannes Herrmann

In Pahrump, westlich von Las Vegas, sind eine Bell 407 als „Mercy Air 24“…

In Pahrump, westlich von Las Vegas, sind eine Bell 407 als „Mercy Air 24“…

Foto: Johannes Herrmann

Es gibt aber auch Programme welche den Flugbetrieb in eigener Regie übernehmen – oder die Fliegenden Einheiten von Polizei oder Feuerwehr sind in den regulären Rettungsdienst eingebunden. Vereinzelt gibt es auch kleinere Hubschrauberunternehmen, die in ihrem Einzugsbereich einen Luftrettungsdienst anbieten.

Nachfolgend seien eine Reihe von Betreibern mit ihren jeweiligen Besonderheiten kurz vorgestellt:

Mercy Air

Größter HEMS-Betreiber in Kalifornien und Nevada ist Mercy Air, ein Tochterunternehmen von Air Methods, welche große Teile beider Staaten versorgt. Dabei kommen Hubschrauber unterschiedlicher Typen zum Einsatz, zumeist Bell 407, EC 135, EC 145 oder A 109. Da es in den USA keine Einschränkungen bezüglich der Flugleistungsklasse beim Betrieb im Luftrettungsdienst gibt, nutzen viele Betreiber auch einmotorige Muster wie die Bell 407 oder AS 350.

…sowie eine A109 als „Mercy Air 21“ stationiert

…sowie eine A109 als „Mercy Air 21“ stationiert

Foto: Johannes Herrmann

Eine EC 135 von Mercy Air

Eine EC 135 von Mercy Air

Foto: Johannes Herrmann

„Mercy Air 22“, eine Bell 407

„Mercy Air 22“, eine Bell 407

Foto: Johannes Herrmann

Der Standort von „Mercy Air 22“ am Flugplatz Hesperia

Der Standort von „Mercy Air 22“ am Flugplatz Hesperia

Foto: Johannes Herrmann

„Mercy Air 14“ am Mojave Air and Space Port

„Mercy Air 14“ am Mojave Air and Space Port

Foto: Johannes Herrmann

EC 135 am Flugplatz Oceanside

EC 135 am Flugplatz Oceanside

Foto: Johannes Herrmann

Eine A109 ist als „Mercy Air 2“ am Southern California Logistics Airport in Victorville stationiert

Eine A109 ist als „Mercy Air 2“ am Southern California Logistics Airport in Victorville stationiert

Foto: Johannes Herrmann

Lesen Sie im nächsten Teil (der demnächst folgt):

Unser Autor stellt reich bebildert weitere amerikanische Luftrettungsbetreiber aus Kalifornien und Nevada vor.

Autor(en)
Johannes Herrmann

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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