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Luftrettungspionier Hans-Werner Feder wird besondere Ehre zuteil

09.06.2018

Dem 1934 in Halle (Saale) geborenen und heute in Kassel lebenden Arzt und Luftrettungspionier Hans-Werner Feder ist eine ganz besondere Ehre zuteil geworden. Mitte Mai wurde am Tower des Flugplatzes Anspach/Taunus (Hochtaunuskreis) eine Ehrenplakette enthüllt (rth.info berichtete). Diese erinnert an seinen dreiwöchigen Not-Arzt-Hubschrauber (NAH)-Feldversuch von 1967, den er gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Pilot Franz Hartmannsberger durchgeführt hatte. Beide hatten vom 11. August bis 1. September 1967 von Anspach aus 52 oftmals lebensrettende Einsätze mit ihrem zweisitzigen Hubschrauber vom Typ Brantly geflogen und dabei wichtige Erkenntnisse für den Aufbau des bundesweiten Luftrettungssystems ab November 1970 gewonnen.

Finanziell, materiell und auch ideell unterstützt wurden sie damals vom ADAC-Gau Hessen – besonders vom seinerzeitigen Pressesprecher des in Wiesbaden ansässigen Verbandes, Herrn Hienerwadl – und dem DRK-Landesverband Hessen sowie vom Verband der Lebensversicherungs-Unternehmen e. V. und der Deutschen Krankenversicherungs AG. Besondere Unterstützung gewährte seinerzeit zusätzlich die Hessische Landespolizei. Viele Dokumente zu diesem frühen Versuch findet der geneigte Leser auf der lesenswerten Website www.wolfsfellner.de. Der in München ansässige Werner Wolfsfellner MedizinVerlag ist im Besitz der gesamten NAH-Unterlagen Feders, zu denen auch eine umfangreiche Bildsammlung gehört (siehe auch Weblinks im Kontextbereich dieser Reportage).

Hans-Werner Feder 2018 (hier im Cockpit des ITH “Akkon 89-2“ der Johanniter Luftrettung, einer AS 365 N3 “Dauphin“)

Hans-Werner Feder 2018 (hier im Cockpit des ITH “Akkon 89-2“ der Johanniter Luftrettung, einer AS 365 N3 “Dauphin“)

Foto: Jörn Fries

Hans-Werner Feder 1967 (hier mit seinem Piloten Franz Hartmannsberger im Cockpit des NAH “Rotkreuz Friedberg 50“, einer Brantly B2B)

Hans-Werner Feder 1967 (hier mit seinem Piloten Franz Hartmannsberger im Cockpit des NAH “Rotkreuz Friedberg 50“, einer Brantly B2B)

Foto: Sammlung Hans-Werner Feder (Archiv Werner Wolfsfellner MedizinVerlag München)

Rund ein halbes Jahrhundert nach seiner bahnbrechenden Pioniertat von 1967 ist Feder am 12. Mai 2018 an seine frühe Wirkungsstätte zurückgekehrt und enthüllte zusammen mit Neu-Anspachs Bürgermeister Thomas Pauli am Samstagnachmittag eine Ehrenplakette am Tower. Pauli hatte im September 2017 von der Leistung des damals in Ober-Mörlen (damals im Kreis Friedberg gelegen, heute Wetteraukreis) als niedergelassener Arzt tätigen Luftrettungspioniers und der Bedeutung des Flugplatzes Anspach/Taunus für den Aufbau der bundesweiten Luftrettung erfahren und dem Luftsportclub (LSC) Bad Homburg eine besondere Ehrung Feders vorgeschlagen. Der LSC-Vorstand unter seinem Vorsitzenden Dr. Gerhard Reuter folgte dem, beschloss im November 2017 die besondere Ehrung und lud für den 12. Mai 2018 zu einer kleinen Feier an dem an der Gemarkungsgrenze der heutigen Stadt Neu-Anspach und der Gemeinde Wehrheim liegenden Flugplatzes Anspach/Taunus (EDFA) ein.

Zusammen mit Neu-Anspachs Bürgermeister Thomas Pauli enthüllte Hans-Werner Feder die Ehrenplakette am Tower des Flugplatzes Anspach/Taunus (EDFA)

Zusammen mit Neu-Anspachs Bürgermeister Thomas Pauli enthüllte Hans-Werner Feder die Ehrenplakette am Tower des Flugplatzes Anspach/Taunus (EDFA)

Foto: Jörn Fries

Nach einem Rundgang über das weitläufige Gelände des LSC Bad Homburg, der die Entwicklungen des kleinen Segelflugplatzes in den letzten fünf Jahrzehnten deutlich machte, stärkte man sich bei einem gemeinsamen Grillbuffet vor dem Vereinsheim. In lockerer Atmosphäre kamen die Vereinsmitglieder und Gäste des LSC Bad Homburg ins Gespräch mit Hans-Werner Feder.

Hans-Werner Feder im Gespräch mit dem Vorsitzenden des LSC Bad Homburg, Dr. Gerhard Reuter

Hans-Werner Feder im Gespräch mit dem Vorsitzenden des LSC Bad Homburg, Dr. Gerhard Reuter

Foto: Jörn Fries

Ein erster Höhepunkt war die Landung des aufgrund des Umbaus der Luftrettungsstation an der BG Klinik Frankfurt am Main derzeit im benachbarten Friedrichsdorf bei der Firma Rotorflug stationierten Zivilschutz-Hubschraubers (ZSH) “Christoph 2“ auf dem Segelflugplatzgelände, dem kurze Zeit später der extra für die Veranstaltung eingesetzte Intensivtransporthubschrauber (ITH) “Akkon 89-2“ der Johanniter Luftrettung folgte. Die beiden Luftrettungsbetreiber Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und Johanniter Luftrettung sowie ihre Partner Bundespolizei (Pilot), Heli-Flight (Pilot), BG Klinik Frankfurt a. M. (Notarzt), Feuerwehr Frankfurt a. M. (HEMS TC) und Johanniter-Unfall-Hilfe (Notarzt und HEMS TC) brachten damit ihre Anerkennung für die Leistung von Feder und Hartmannsberger zum Ausdruck.

Als erstes der beiden Hubschrauber traf gegen 13:30 Uhr der ZSH “Christoph 2“ ein

Als erstes der beiden Hubschrauber traf gegen 13:30 Uhr der ZSH “Christoph 2“ ein

Foto: Jörn Fries

Ihm folgt kurze Zeit später der ITH “Akkon 89-2“ aus Reichelsheim

Ihm folgt kurze Zeit später der ITH “Akkon 89-2“ aus Reichelsheim

Foto: Jörn Fries

LSC-Vorsitzender Dr. Gerhard Reuter eröffnete den Reigen der Festredner. Er freute sich sehr, dass sein Verein quasi Mit-Wegbereiter der modernen Luftrettung gewesen sei und dankte Herrn Feder für sein Kommen. Anschließend erzählte Hans-Werner Feder frei und seine Zuhörerschaft fesselnd über die Gründe, die ihn seinerzeit bewegten, den dreiwöchigen Not-Arzt-Hubschrauber-Versuch auf eigene Rechnung durchzuführen. Es fielen unter anderem die uns heute noch bekannten Worte: fehlende Rettungskette, therapiefreies Intervall, Hilfsfrist und geeignetes Krankenhaus. Feder wies zudem auf ein wegweisendes Gespräch mit Bundesverkehrsminister Georg Leber hin, dem er das Versprechen abrang, dass sich der Bund an den geplanten Modellversuchen finanziell beteiligen werde. Christian Müller, Leitender Hubschrauberarzt des ITH “Christoph Mittelhessen“ und zugleich Fliegerarzt, oblag es anschließend, den weiteren Weg von den Modellversuchen der späten 1960er- und frühen 1970erjahre zum jetzigen Stand des nahezu flächendeckenden Luftrettungssystems in der Bundesrepublik nachzuzeichnen. Unterbrochen wurde Müller kurz von einem besonderen “Sound of Rescue“: Der ITH “Christoph Mittelhessen“ passierte auf seinem Rückflug von einem Einsatz zu seiner Homebase am Flugpatz Reichelsheim/Wetterau (EDFB) die Veranstaltung mit einem so genannten Low pass, also einem Überflug in niedriger Höhe, und erwies Feder damit ebenfalls eine ganz besondere Ehre. Den Abschluss der Grußwort- und Festredner bildete Neu-Anspachs Bürgermeister Thomas Pauli, der auch für Wehrheims erster Beigeordneten Susanne Odenweller sprach. Dabei durfte natürlich nicht der Hinweis auf den am Tower angeschriebenen Namen des Flugplatzes (Wehrheim) und die Gemarkungsgrenze, die der geschotterte Weg vor dem Tower bildete, fehlen. Zitat Pauli: “Ja, der Flugplatz trägt den Namen ‘Wehrheim‘, weil der Tower auf dem Grundstück unserer lieben Nachbargemeinde liegt, aber was ist ein Flugplatz schon ohne Landebahn? Ja, genau nichts. Und die liegt größtenteils auf Neu-Anspacher Grund und Boden.“ So heißt der Flugplatz offiziell auch “Anspach/Taunus“ (EDFA).

Begeistert lauschte das Publikum den Ausführungen von Dr. Reuter, Feder, Müller und Pauli

Begeistert lauschte das Publikum den Ausführungen von Dr. Reuter, Feder, Müller und Pauli

Foto: Horst-Walter Schwager

Ehrengast Hans-Werner Feder brachte mit seinen Erinnerungen an den Feldversuch von 1967 und die seinerzeitigen dramatischen Umstände die versammelten Gäste in seinen Bann

Ehrengast Hans-Werner Feder brachte mit seinen Erinnerungen an den Feldversuch von 1967 und die seinerzeitigen dramatischen Umstände die versammelten Gäste in seinen Bann

Foto: Jörn Fries

Fliegerarzt Christian Müller referierte anschließend über den Auf- und Ausbau des hochprofessionellen Luftrettungssystems in der Bundesrepublik

Fliegerarzt Christian Müller referierte anschließend über den Auf- und Ausbau des hochprofessionellen Luftrettungssystems in der Bundesrepublik

Foto: Jörn Fries

“Sound of Rescue“: Der ITH “Christoph Mittelhessen“ überflog den Veranstaltungsort in niedriger Höhe und grüßte damit die Anwesenden

“Sound of Rescue“: Der ITH “Christoph Mittelhessen“ überflog den Veranstaltungsort in niedriger Höhe und grüßte damit die Anwesenden

Foto: Jörn Fries

Anschließend wurde die Plakette am Tower feierlich von Hans-Werner Feder und Thomas Pauli enthüllt. Der ZSH “Christoph 2“ und auch der ITH “Akkon 89-2“ verabschiedeten sich wenig später mit beeindruckenden Flügen von der verbliebenen Festgemeinde. Für alle Beteiligten, ob Organisatoren oder Gäste, war dieser Samstag sicherlich ein unvergessliches Ereignis. Und es war eine der wenigen Gelegenheiten, einen der Pioniere der Luftrettung hautnah und persönlich kennenzulernen. Und diese Momente werden von Jahr zu Jahr seltener.

Enthüllten feierlich die Ehrenplakette: Hans-Werner Feder (rechts) und Thomas Pauli (links)

Enthüllten feierlich die Ehrenplakette: Hans-Werner Feder (rechts) und Thomas Pauli (links)

Foto: Jörn Fries

Der Verfasser im Gespräch mit Hans-Werner Feder

Der Verfasser im Gespräch mit Hans-Werner Feder

Foto: Horst-Walter Schwager

Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken:
Dr. Horst-Walter Schwager vom LSC Bad Homburg für die Organisation des Tages und die Bereitstellung von Bildmaterial

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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