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rth.info – Faszination Luftrettung

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Faszination Luftrettung


Kein Bedarf für Nachtflüge im Saarland?

16.01.2026

Saarbrücken (SAA) ::  Das für die Bedarfsplanung rettungsdienstlicher Leistungen im kleinsten Flächenbundesland zuständige Ministerium für Inneres, Bauen und Sport hält eine Ausweitung der Luftrettung in die Nacht (Randzeitenausweitung) bzw. einen 24/7-Betrieb im Saarland für nicht nötig. Es gebe, wie Dominik Lorenz, Referatsleiter für Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im saarländischen Inneministerium vor zwei Tagen gegenüber dem Saarländischen Rundfunk (SR) sagte (siehe ersten externen Weblink im Kontextbereich dieser News), “für Einsätze bei Nacht im Saarland schlicht und einfach keinen Bedarf“.

Im  Juli 2010 steht “Christoph 16“ mit sich drehenden Rotorblättern an seiner Homebase am Saarbrücker Winterberg – Einsatzmaschine ist die D-HLFR, eine EC 135 P2 von EuroCopter (c/n 0447)

Im Juli 2010 steht “Christoph 16“ mit sich drehenden Rotorblättern an seiner Homebase am Saarbrücker Winterberg – Einsatzmaschine ist die D-HLFR, eine EC 135 P2 von EuroCopter (c/n 0447)

Foto: Holger Scholl/Archiv Jörn Fries

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“2024 und 2025 gerade einmal drei Nachtflug-Einsätze“

“Wir haben in den Jahren 2024 und 2025 gerade einmal drei Nachtflug-Einsätze gehabt, wo wir auf überregional entsprechende Hubschrauber zugreifen mussten, und hier reden wir sogar noch über Intensivtransport“, sagte Dominik Lorenz im SR-Interview. Er lobte allerdings die rheinland-pfälzische Initiative zur Ausweitung des Nachtflugbetriebes des Mainzer Dual-Use-Intensivtransporthubschraubers “Christoph 77“ seit 1. Januar 2026 auf 24/7, wie es bereits von 1997 bis 2007 schon einmal der Fall war.

Bewährte Kooperation zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland

Dank einer seit Jahren bewährten Kooperation zwischen den beiden Bundesländern bediene man sich im Saarland gelegentlich der überörtlich einsetzbaren Luftrettungsmittel aus dem Nachbarland. Und das sei auch gut so! Denn die Ausweitung der Flugbetriebszeiten in die fliegerische Nacht sei teuer, man denke nur an die Anschaffung von Nachtsichtgeräten, den zweiten Piloten für Flüge in der Dunkelheit sowie ein einzuführendes Zwei-Schicht-System für die medizinische Crew, bestehend aus Notarzt und Notfallsanitäter. Am eingesetzten Hubschraubertyp, seit 1999 fliegt vom Winterberg aus eine EC 135, liege es jedenfalls nicht, so Referatsleiter Lorenz weiter. Rein technisch könnte “Christoph 16“ sofort für den Nachtbetrieb eingesetzt werden. Aber wie bereits gesagt, es fehle der Bedarf.

So verwundert es auch kaum, dass die vor der Coronapandemie-Zeit von Johanniter Luftrettung und DRF Luftrettung unternommenen Versuche, am Universitätsklinikum Homburg, im Umfeld des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern bzw. im pfälzischen Zweibrücken (TRIWO-Flughafen bzw. TRIWO-Gewerbepark) dauerhaft einen Intensivtransporthubschrauber zu stationieren, letzen Endes kläglich scheiterten (rth.info berichtete mehrfach).

Bodengebundener Rettungsdienst ist schneller

Das Saarland hat ein aus Sicht des Ministeriums “sehr gut funktionierendes Bodenrettungsdienstsystem“ – auch die arztbegleiteten Transporte seien “sehr wirksam“. Deshalb werde “Christoph 16“ derzeit vor allem dazu eingesetzt, den Notarzt schnell zum Einsatzort zu bringen. Nur in etwa einem Fünftel der Fälle werde die verunglückte Person im Hubschrauber transportiert, weil das Krankenhaus in rund 80 Prozent der Fälle mit dem Rettungswagen schneller erreicht werde. Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr (ZRF) Saar und die bewährten Hilfsorganisationen ASB, DRK, JUH und MHD sowie die Berufsfeuerwehr Saarbrücken zeichnen für den bodengebundenen Rettungsdienst zuständig.

Im Mai 2016 landet “Christoph 16“ (Kenner: D-HRAC) in Neunkirchen mitten auf einem Supermarkt-Parkplatz, um den Notarzt schnell und sicher zum Einsatzort zu bringen

Im Mai 2016 landet “Christoph 16“ (Kenner: D-HRAC) in Neunkirchen mitten auf einem Supermarkt-Parkplatz, um den Notarzt schnell und sicher zum Einsatzort zu bringen

Foto: Holger Scholl/Archiv Jörn Fries

Nun gehen auch im Saarland die Uhren nicht anders als im übrigen Land, und weil im Zuge der bundesweiten Krankenhausreform – politisch gewünscht – Schwerpunktkliniken entstehen sollen, werde man aber auch die Notfallrettung neu evaluieren (müssen). “Wir schauen uns natürlich sowohl im Qualitätsmanagement im Rettungsdienst als auch anhand der Bedarfszahlen schon immer an, was wird gebraucht“, sagte Lorenz abschließend. Seit der Übernahme der Luftrettungsstation auf dem Winterberg im Jahre 1996 durch die ADAC Luftrettung GmbH liegen die Einsatzzahlen des Gelben Engels im Jahresdurchschnitt bei rund 1.300 Einsätzen, 2024 waren es 1.170.

Die gelegntlich auch als “Christoph 16“ eingesetzte D-HGYN, eine Maschine vom Typ MBB BO 105 CBS-2 (s/n S-661) kam 1983 zur ADAC Lufrettung GmbH gemeinnützige Gesellschaft und war für Siegen vorgesehen

Die gelegntlich auch als “Christoph 16“ eingesetzte D-HGYN, eine Maschine vom Typ MBB BO 105 CBS-2 (s/n S-661) kam 1983 zur ADAC Lufrettung GmbH gemeinnützige Gesellschaft und war für Siegen vorgesehen

Foto: Holger Scholl / Archiv Jörn Fries

Am 7. November 1989, zwei Tage vor dem historischen Fall der Berliner Mauer, steht der orange Zivilschutz-Hubschrauber des Bundes “Christoph 16“ an seiner Homebase auf dem Saarbrücker Winterberg

Am 7. November 1989, zwei Tage vor dem historischen Fall der Berliner Mauer, steht der orange Zivilschutz-Hubschrauber des Bundes “Christoph 16“ an seiner Homebase auf dem Saarbrücker Winterberg

Foto: Holger Scholl / Archiv Jörn Fries

Faszination Luftrettung: In der Flugausstellung Junior im rheinland-pfälzischen Hermeskeil steht im Außengelände dieser ehemalige Zivilschutz-Hubschrauber und erinnert an die Anfänge der staatlich organisierten Luftrettung in der Bundesrepublik

Faszination Luftrettung: In der Flugausstellung Junior im rheinland-pfälzischen Hermeskeil steht im Außengelände dieser ehemalige Zivilschutz-Hubschrauber und erinnert an die Anfänge der staatlich organisierten Luftrettung in der Bundesrepublik

Foto: Jörn Fries

Autor

Quelle(n):
Onlineartikel “Darum fliegt der Rettungshubschrauber Christoph 16 nur tagsüber“ sowie Fernsehbeitrag “Darum fliegt der Rettungshubschrauber Christoph 16 nicht nachts“ des Saarländischen Rundfunks vom 14. Januar 2026

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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