Paukenschlag: Bielefelder Ärzte besetzen seit 1. Januar den “Christoph Europa 2“ in Rheine
04.01.2026
Rheine/Bielefeld (NRW) :: “Mathias-Spital steigt aus Luftrettung aus“ titelte Mitte Dezember das reichweitenstarke Nachrichtenportal MV|EV der Münsterländischen Volkszeitung aus Rheine (siehe Weblink im Kontextbereich dieser News).
Diese Nachricht ließ aufhorchen, hatten die den Rheiner Rettungshubschrauber seit 1998 betreibende gemeinnützige ADAC Luftrettung und das die fliegenden Notärzte stellende Mathias-Spital doch erst vor rund zweieinhalb Jahren in gelebter Eintracht das 25-jährige Jubiläum des “Christoph Europa 2“ mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Was ist da los, fragten sich nicht wenige. Leider steckte der Artikel hinter einer Paywall, aber wo ein Wille, da ein Weg...
Vor zweieinhalb Jahren war die Luftretter-Welt in Rheine noch in Ordnung: Gruppenfoto anlässlich des Jubiläums “25 Jahre ‘Christoph Europa 2‘“ am 3. Juni 2023 an der ADAC-Luftrettungsstation
Foto: Jörn Fries
- Anzeige -
Erste Recherchen ergaben, dass es sich um einen zwar ungewöhnlichen, aber durchaus normalen Vorgang handele. In der Vergangenheit war es immer wieder mal vorgekommen, dass die Gestellung des ärztlichen bzw. des nichtärztlichen medizinischen Personals wechselte. Erinnert sei beispielsweise an “Christoph 8“ in Lünen oder an “Christoph 31“ in Berlin (rth.info berichtete). Dass aber anstelle der Ärzte aus dem nur rund 200 Meter entfernten Mathias-Spital nun welche aus dem rund 100 Kilometer entfernten Bielefeld auf dem Heli zum Einsatz kommen sollte, das war schon außergewöhnlich. An der zum 1. Januar 2026 erhöhten Pendlerpauschale auch für die ersten Kilometer konnte es wohl auch nicht liegen ...
Als die in Bielefeld ansässige Neue Westfälische Zeitung an Heiligabend über die anstehende Veränderung berichtete (siehe im Kontextbereich den ebenfalls verlinkten und sogar kostenfrei zu lesenden Beitrag), las sich das Ganze irgendwie auch noch “normal“: „Im Spätsommer 2025 informierte das Mathias-Spital den ADAC über das Ende der Gestellung ihrer Notärzte“, berichtet [ADAC-Pressesprecher] Oesterle. „Wir bedauern diese Entscheidung und bedanken und für die lange und professionelle Zusammenarbeit. Ende dieses Jahres endet damit die Kooperation.“ heißt es darin. Hatte das Mathias-Spital etwa nicht mehr ausreichend fachlich qualifizierte Ärzte? Oder gab es andere Gründe? Fragen über Fragen ...
Aufklärung brachte dann allerdings der von der ortsansässigen Konkurrenz, dem Westfalen-Blatt, bereits am Freitag, dem 2. Januar 2026, online und dann am gestrigen Samstag (03.01.2026) in der Printausgabe erschienene Artikel “Klinikum Bethel springt ein – Bielefelder Ärzte fahren nach Rheine, damit Hubschrauber fliegen kann“. Der Grund für die Beendigung der Kooperation ist folgender: Das Mathias-Spital konnte sich mit der ADAC Luftrettung nicht über die Kompensation der zuletzt gestiegenen Personalkosten für die Gestellung seiner Ärzte einigen – und zog schließlich die Notbremse.
Ist die Kooperation mit Bethel nun für alle Beteiligten günstiger, etwa weil das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) als neu eingerichtetes Universitätsklinikum OWL mit der Gestellung der Hubschraubernotärzte bessere Chancen zur Mitarbeitergewinnung sieht oder zu einem noch besseren Image des Konzerns beitragen möchte, wer weiß das schon so genau? Die Bethel-Pressestelle hat bis dato noch nichts verlautbaren lassen. EvKB-Geschäftsführer Thorsten Kaatze betonte allerdings im Gespräch mit der Neuen Westfälischen, dass wissenschaftliche Gründe ausschlaggebend gewesen seien ...
Wie auch immer, eine jahrzehntelange Tradition endete in Rheine nun Knall auf Fall.
Wo ADAC draufsteht, ist auch ADAC drin
Foto: Jörn Fries
