Ein Rettungshubschrauber mit deutscher Geschichte
28.11.2025
Berlin (BLN) :: Er hat deutsch-deutsche Geschichte geschrieben und gilt nach fast 40 Jahren am Himmel über der Hauptstadt und fast 90.000 Einsätzen in und um Berlin als Weltrekord-Hubschrauber: „Christoph 31“, der am Charité Campus Benjamin Franklin stationierte ADAC Rettungshubschrauber. Zum 31. Dezember 2025 endet nun die Konzession der fliegenden Gelben Engel zum Betrieb der Luftrettungsstation in Steglitz. Aus diesem Grund fand heute im Hangar von „Christoph 31“ eine offizielle Verabschiedungsfeier statt. Mit dabei waren zahlreiche Vertretende des Kooperationspartners Charité, von Behörden, Politik und Rettungsdienstorganisationen. Sie alle sagten vor allem eines: „Danke“!
„Christoph 31“ vor dem Brandenburger Tor
Foto: ADAC Presse
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Die diensthabende Crew von “Christoph 31“. Zum 31. Dezember 2025 endet nun die Konzession der fliegenden Gelben Engel zum Betrieb der Luftrettungsstation in Steglitz. Zu sehen sind v.l.n.r. Stationsleiter Nico Hellmann, Notfallsanitäter Piere
Foto: ADAC Presse
Der Start des Rettungshubschraubers in Zeiten des Kalten Krieges war alles andere als einfach und gelang erst nach zähen Verhandlungen mit den Alliierten. „Dass dieser Start damals möglich wurde, verdanken wir einem außergewöhnlichen Zusammenschluss – dem Berliner Senat, der Charité, der US-amerikanischen Stadtkommandantur und nicht zuletzt der ADAC Luftrettung,“ erinnert Karsten Schulze, Vorsitzender des ADAC Stiftungsrats, an einen politischen Kraftakt, der den Grundstein für eine deutsch-deutsche Erfolgsstory legte – und „Christoph 31“ selbst zu einem Teil der Wendegeschichte machte.
Die BO105 während des Starts nach einem Einsatz in den Berliner Straßen
Foto: ADAC Presse
ADAC Luftrettung mit Pioniergeist
Mit der Indienststellung des ersten zivilen Rettungshubschraubers für Berlin hat die ADAC Luftrettung 1987 Pioniergeist bewiesen
erklärte Geschäftsführer Frédéric Bruder bei der Verabschiedungsfeier. Denn als die Crew des ADAC Rettungshubschraubers am 13. Oktober 1987 ihren Dienst antrat, stand noch die Mauer, war Berlin noch politisch geteilt und der Helikopter am Flughafen Tempelhof stationiert. Der Weg dorthin gestaltete sich für „Christoph 31“ abenteuerlich. Der Hubschrauber wurde damals mit einem Tieflader nach West-Berlin transportiert, weil der Luftraum der DDR nicht überflogen werden durfte. Zudem stand die Maschine bis zur Wende auch unter US-Flagge und durfte nur von Amerikanern geflogen werden.
„Christoph 31“ bei Dunkelheit vor dem Berliner Dom
Foto: ADAC Presse
Erstmals geöffnet wurde der Ost-Berliner und der Luftraum der DDR für „Christoph 31“ am 1. April 1990. Im September 1992 erhielt er dann eine deutsche Kennung: D-HEIM. Ab diesem Zeitpunkt prangten die vier schwarzen Buchstaben des ADAC auf der Maschine. Erst im Jahr 2002 fand der Helikopter schließlich seine neue Heimat am heutigen Charité Campus Benjamin Franklin, da dieser den damaligen luftverkehrstechnischen Regelungen entsprach. Damit entfielen nach 15 Jahren die Überführungs- und Betankungsflüge nach Tempelhof, weil auch eine neue Tankstelle am Landeplatz errichtet wurde. Wenige Monate zuvor hatte bereits eine neue, moderne und vor allem wesentlich leisere Maschine vom Typ Eurocopter EC 135 die alte BO105 abgelöst.
„Christoph 31“ auf den Straßen Berlins. Im Hintergrund die Gedächtniskirche
Foto: ADAC Presse
In Spitzenzeiten flog „Christoph 31“ mehr als 3.800 Einsätze jährlich. Damit gilt er als Rettungshubschrauber mit den weltweit meisten Einsätzen. Die Anforderungen an die Berliner Luftretter sind auch bei weniger Alarmierungen bis heute außergewöhnlich – oft mit Landungen inmitten der engen Straßenschluchten, auf belebten Plätzen, zwischen Hochhäusern, auf dem Ku’damm, Alexanderplatz oder direkt vor dem Brandenburger Tor. Einsätze, die allerhöchste Präzision erfordern.
Die BO105 an der deutsch-deutschen Grenze
Foto: ADAC Presse
Zu ihren Einsätzen in Berlin (rund 90 Prozent) und Brandenburg (rund zehn Prozent) starten die Crews täglich zwischen Sonnenaufgang (frühestens 7.00h) und Sonnenuntergang. Geflogen wird mit einem hochmodernen Hubschrauber vom Typ EC135/H135. Dabei legt der Helikopter rund vier Kilometer pro Minute zurück. Ob für schwere internistische Notfälle, neurologische Erkrankungen, Unfälle, Kindernotfälle oder Wasserrettungen. Die Crew besteht bei den Einsätzen aus Piloten und Notfallsanitätern (TC HEMS) der ADAC Luftrettung sowie Notärzten der Charité.
Über die Jahrzehnte hinweg hat sich „Christoph 31“ zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Berliner und Brandenburger Notfallrettung entwickelt. Auch deshalb erhielt die Station 2020 als erste ADAC Luftrettungsstation den zu dieser Zeit modernsten Rettungshubschrauber der Welt vom Typ H135. Dieser ersetzte die bis dahin geflogene EC 135. Nach teils rückläufigen Einsatzzahlen ist der ADAC Rettungshubschrauber mit mehr als 2250 Alarmierungen im laufenden Jahr wieder das, was er die meiste Zeit seit seiner Inbetriebnahme war: Der Rettungshubschrauber mit den meisten Einsätzen in Deutschland.
„Christoph 31“ fliegt auf dem Weg zum nächsten Einsatz am Berliner Fernsehturm vorbei
Foto: ADAC Presse
Die alte BO105, die nur unter US-Flagge und von Amerikanern geflogen werden durfte. Im Hintergrund der Berliner Funkturm
Foto: ADAC Presse
Am 31. Dezember 2025 startet „Christoph 31“ zu seinem vorerst letzten Einsatz als fliegender Gelber Engel. An diesem Tag endet die Konzession der gemeinnützigen ADAC Luftrettung – und es wechselt der Betreiber. Zum 1. Januar 2030 kann der Betrieb der Luftrettungsstation erneut vergeben werden. Die ADAC Luftrettung wird sich an der Ausschreibung – so viel steht heute schon fest – auf jeden Fall wieder beteiligen.
„Christoph 31“ unterwegs über den Dächern Berlins. Nicht weit davon entfernt das Olympiastadion
Foto: ADAC Presse
Die ADAC Luftrettung mit „Christoph 31“ bei einer gemeinsamen Übung mit der Wasserwacht und der DLRG
Foto: ADAC Presse / (C) Sven Arnold
Stimmen zum Abschied:
Prof. Martin E. Kreis, Vorstand Krankenversorgung der Charité – Universitätsmedizin Berlin:
Als ‚Christoph 31‘ 1987 in einem geteilten Berlin seine Arbeit aufnahm, war dies ein Ausdruck medizinischer Kooperation und Innovationskraft. Über Jahrzehnte war der Rettungshubschrauber ein verlässlicher Bestandteil der regionalen Notfallversorgung der Charité und hat maßgeblich zur Patientensicherheit beigetragen. Wir danken der ADAC Luftrettung und den vielen Mitarbeitenden, die im Laufe der Jahrzehnte zur Crew gehörten, für die hervorragende Zusammenarbeit und verabschieden uns von einem wichtigen Kapitel der Berliner Luftrettungsgeschichte.
Prof. Dr. Karsten Homrighausen, Landesbranddirektor, Berliner Feuerwehr:
Mit der Außerdienststellung von ‚Christoph 31‘ endet ein Stück Berliner Geschichte. Über nahezu vier Jahrzehnte stand er für hohe Einsatzbereitschaft, fachliche Exzellenz und eine zuverlässige Kooperation zwischen ADAC Luftrettung und Berliner Feuerwehr.
Historie der Station Christoph 31 in Berlin
Foto: ADAC Presse
Daten & Fakten zur Station Christoph 31 in Berlin
Foto: ADAC Presse
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