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Deutschlands Windenhubschrauber Nummer Eins

24.06.2024

Murnau (BAY) ::  Die Luftrettungsstation an der BG Unfallklinik in Murnau feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. Am 20. Oktober 1994 wurde der Intensivtransporthubschrauber vom Typ Bell 222 UT in Dienst gestellt. Seit 25 Jahren, seit 1. Juli 1999, fliegt „Christoph Murnau“ als ADAC Rettungshubschrauber in gelb und wird von der gemeinnützigen ADAC Luftrettung betrieben - und sorgt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang für schnelle Hilfe aus der Luft.

Blick zurück in die Geschichte: „Christoph Murnau“ im Jahr 1998 – damals noch an seinem alten Landeplatz

Blick zurück in die Geschichte: „Christoph Murnau“ im Jahr 1998 – damals noch an seinem alten Landeplatz

Foto: ADAC Luftrettung

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„Christoph Murnau“ war zum Beispiel auch zusammen mit zwei Sonderhubschraubern der ADAC Luftrettung während der Hochwasserkatastrophe in Bayern im Einsatz - und stellte für diese zusätzliches Personal bereit. Das Einsatzspektrum ging hier weit über den klassischen Rettungsdienst hinaus. Welch große Bedeutung „Christoph Murnau“ für die Region hat, lassen allein die Einsatzzahlen erahnen. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden rund 30.000 Einsätze geflogen, davon unter anderem rund 7500 Intensivtransporte. Eine besondere Stellung innerhalb der Flotte der ADAC Luftrettung hat „Christoph Murnau“ vor allem aufgrund seiner zahlreichen Windeneinsätze. Mit der Umstellung im Jahr 1999 wurde auch das Hubschraubermuster auf eine BK117 modernisiert, die ab August 1999 zusätzlich mit einer Rettungswinde ausgestattet wurde. Seit 2015 kommt eine hochmoderne H145 von Airbus Helicopters in Windenkonfiguration zum Einsatz. Bis heute flog der ADAC Rettungshubschrauber rund 3500 Windeneinsätze. Allein im Jahr 2023 waren es 182.

Nur von geübten Crews zu leisten: Windeneinsätze in den Bergen. Bis heute ist „Christoph Murnau“ mehr als 30.000 Mal alarmiert worden, darunter waren rund 3500 Windeneinsätze

Nur von geübten Crews zu leisten: Windeneinsätze in den Bergen. Bis heute ist „Christoph Murnau“ mehr als 30.000 Mal alarmiert worden, darunter waren rund 3500 Windeneinsätze

Foto: ADAC Luftrettung, Philip Bockshammer

Die beeindruckende Einsatzbilanz zeigt: Christoph Murnau ist Deutschlands Windenhubschrauber Nummer Eins, erklärte Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, zum Jubiläum. Bruder lobte die hochprofessionelle Arbeit und hohe Einsatzbereitschaft der Murnauer Crew sowie vor allem das hohe intensivmedizinische Niveau der BG Unfallklinik als eines der größten überregionalen Traumazentren der Maximalversorgung:

Gemeinsam setzen wir uns auch in Zukunft dafür ein, Menschen in Not die bestmögliche Hilfe zu bieten.

Von links: Peter Schellig, Stationsleiter, Markus Schepp, Geschäftsführer BGU Murnau, Dr. Konrad Schober, Regierungspräsident, Jens Schwietring, Leitung Medizin ADAC Luftrettung, Steven Nowotny, Leitung Flugbetrieb ADAC Luftrettung, Andrea Jochner-Weiß, L

Von links: Peter Schellig, Stationsleiter, Markus Schepp, Geschäftsführer BGU Murnau, Dr. Konrad Schober, Regierungspräsident, Jens Schwietring, Leitung Medizin ADAC Luftrettung, Steven Nowotny, Leitung Flugbetrieb ADAC Luftrettung, Andrea Jochner-Weiß, L

Foto: ADAC Luftrettung

Der Rettungshubschrauber Christoph Murnau ist eine wichtige Säule der medizinischen Notfallversorgung in der Region
so Markus Schepp, Vorsitzender der Geschäftsführung der BG Unfallklinik Murnau
Vor allem bei Einsätzen in den Bergen ist der Rettungshubschrauber mit Windenausstattung oft das einzige Rettungsmittel, um verletzte oder erkrankte Menschen schnell und sicher zu uns in die Klinik zu transportieren. Viele Menschenleben konnten durch die hochprofessionelle Zusammenarbeit der Crewmitglieder bisher unfallfrei gerettet werden. Darauf sind wir besonders stolz. Wir sind sehr dankbar, mit der ADAC Luftrettung einen so starken Partner an unserer Seite zu haben.

Einsatz in den Bergen – damals noch mit einer BK 117 - dem Vorgängermodell der heutigen H145

Einsatz in den Bergen – damals noch mit einer BK 117 - dem Vorgängermodell der heutigen H145

Foto: ADAC Luftrettung

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betont:

Mit elf Rettungstransport-hubschraubern und vier Intensivtransporthubschraubern verfügt Bayern über so viele Luftrettungsstandorte wie kein anderes Bundesland. Die ADAC Luftrettung ist dabei seit Jahren ein starker Partner. Zum 30-jährigen Jubiläum des ‘Christoph Murnau‘ gratuliere ich herzlich und danke allen Beteiligten für ihr bisheriges und künftiges Engagement.

Über die Jahre hat sich das Einsatzspektrum von „Christoph Murnau“ gewandelt. Wurde er in den ersten Jahren im 24-Stunden-Betrieb als reiner Intensivtransporthubschrauber eingesetzt, damals noch aus einem Zelthangar am Südrand der Klinik betrieben. So fliegt er heute von seiner 2001 neu gebauten Luftrettungsstation rund 70 Prozent klassische Rettungseinsätze. 15 Prozent der Alarmierungen entfallen auf Intensivtransporte sowie Bergeinsätze. Letzteres ist vor allem dem Einsatzort im Voralpenland geschuldet. Dank einer eigens entwickelten, modularen medizinischen Ausstattung kann die Konfiguration des hochmodernen Hubschraubermusters H145 jederzeit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten angepasst werden.

Die BK117 war von 1995 bis 2015 als „Christoph Murnau“ im Einsatz

Die BK117 war von 1995 bis 2015 als „Christoph Murnau“ im Einsatz

Foto: ADAC Luftrettung

„Christoph Murnau“ bei einem Windentraining in den Bergen

„Christoph Murnau“ bei einem Windentraining in den Bergen

Foto: ADAC Luftrettung, Philip Bockshammer

Neben dem normalen Einsatzspektrum von „Christoph Murnau“ im Oberland kam es in der Vergangenheit vor allem im Rahmen von Intensivtransporten auch zu längeren Flügen bis in weit entfernte Regionen der Bundesrepublik. So flogen die Besatzungen des Murnauer ADAC Rettungshubschraubers unter anderem bis nach Berlin, Solingen und Gießen. Die Einsatzgeschwindigkeit von „Christoph Murnau“ liegt bei rund 230 km/h.

Die Crew des Rettungshubschraubers besteht beim täglichen Einsatz aus vier Personen. Neben dem Piloten der ADAC Luftrettung (speziell für Gebirgsflüge, Windeneinsätze und den Einsatz des Night-Vision-Imaging-Systems NVIS ausgebildet) gehört ein Windenoperator (TC HHO) der ADAC Luftrettung genauso zur Crew wie ein Notfallsanitäter (TC HEMS) der BGU Murnau sowie ein spezialisierter Notarzt des Klinikums. Insgesamt sind am Standort Murnau 34 Teammitglieder im wechselnden Einsatz – 16 Notärztinnen und Notärzte, acht TC HEMS, sechs Windenoperator und vier Piloten. Die Leitungs-Crew von „Christoph Murnau“ besteht aus Peter Schellig (Stationsleiter und Windenoperator) Raphael Bender (Leitender Notarzt) und Daniel Richter (Leitender Notfallsanitäter). Im vergangenen Jahr wurde die Crew mehr als 1200-mal alarmiert.

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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