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Jahresbilanz 2020 der DRF-Gruppe: Herausforderungen und Erfolge in der Corona-Pandemie

13.01.2021

Filderstadt (BWÜ) ::  Hohe Einsatzzahlen auch in der Corona-Pandemie – das ist das Fazit, das die DRF-Gruppe anlässlich der Veröffentlichung ihrer Einsatzzahlen für 2020 zieht. Trotz erheblicher Herausforderungen durch das Virus konnten die Luftretter*innen durch schnell umgesetzte Maßnahmen an den Stationen, in der Werft, im Einsatzbetrieb und in der Verwaltung ihre Einsatzbereitschaft vollständig aufrecht erhalten. Die Hubschrauber und Flugzeuge der DRF-Gruppe wurden 2020 insgesamt 39.971-mal alarmiert.

Gesamtübersicht der Standorte für das vergangene Jahr 2020

Gesamtübersicht der Standorte für das vergangene Jahr 2020

Foto: DRF Luftrettung

Die Einsatzzahlen zeigen, dass die schnelle Hilfe aus der Luft auch während der Pandemie uneingeschränkt geleistet werden konnte

Die Einsatzzahlen zeigen, dass die schnelle Hilfe aus der Luft auch während der Pandemie uneingeschränkt geleistet werden konnte

Foto: DRF Luftrettung

Die 35 Stationen der DRF-Gruppe in Deutschland, Österreich und Liechtenstein sowie der Ambulanzflugbetrieb liegen mit ihren insgesamt 39.971 Einsätzen bei 98 Prozent des Vorjahresniveaus.

„Wir sind stolz darauf, dass wir auch unter diesen sehr schwierigen Bedingungen umfassend für die Menschen da sein konnten“
macht Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung, deutlich.
„Anpassungen der Dienstpläne an den Stationen und in der Werft, Homeoffice in der Verwaltung und eine teilweise Umstellung der Lieferketten halfen uns dabei, uns Anfang des Jahres sehr schnell auf die neuen Bedingungen einzustellen.

Isoliertragen und zwei zusätzliche Hubschrauber

In einem nächsten Schritt wurden Überlegungen angestellt, wie die DRF Luftrettung über die Aufrechterhaltung des Einsatzbetriebs hinaus zur bestmöglichen Bewältigung der Corona-Krise und zur Stabilisierung des Gesundheitssystems beitragen könnte. Ein Ergebnis war die schnelle Beschaffung von elf Isoliertragen, sogenannten „EpiShuttles”, und ihr umgehender Einsatz an den Stationen. Mit ihr können Patient*innen mit hochinfektiösen Krankheiten wie in einer Isolierstation transportiert werden. Dies schützt Crew und Patient*innen gleichermaßen. Zudem sparen die Luftretter*innen wertvolle Zeit und können den Hubschrauber sehr rasch wieder für Einsätze zur Verfügung stellen, da die besonders aufwändige Desinfektion des Hubschraubers nach Einsätzen mit infektiösen Patienten, zu denen auch Corona-Infizierte gehören, nicht notwendig ist. Ebenso konnte die gemeinnützige Organisation innerhalb kürzester Zeit „Christoph 111” als zusätzlichen Hubschrauber in Dienst stellen. Er steht am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden schwerpunktmäßig für Intensivtransporte bereit und entlastet das öffentlich-rechtliche Versorgungssystem. „Christoph 111” wurde im letzten Jahr insgesamt 463-mal alarmiert. Kurz vor Weihnachten nahm zusätzlich noch ein weiterer Rettungshubschrauber an der Station Bautzen seinen Dienst auf. „Christoph 114“wird zur Entlastung bei Notfalleinsätzen beitragen, um bei „Christoph 62“ freie Kapazitäten für Verlegungen von Covid-19-Patient*innen zu schaffen.

Insgesamt wurden elf EpiShuttle im vergangenen Jahr angeschafft

Insgesamt wurden elf EpiShuttle im vergangenen Jahr angeschafft

Foto: DRF Luftrettung

Preiswürdige Nachbarschaftshilfe

Als das französische Gesundheitssystem im Frühjahr an seine Grenzen geriet, übernahmen die rot-weißen Luftretter*innen den Transport französischer Patient*innen nach Deutschland und zurück.

Die DRF Luftrettung ist eine der ältesten und erfahrensten Luftrettungsorganisationen Europas
stellt Dr. Pracz fest.
Als solche sehe ich uns ganz klar in der Pflicht, gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und zu helfen, wo dies nötig ist. Dass dieses Engagement nun mit der Verleihung des Adenauer-De Gaulle-Preises gewürdigt wird, freut uns natürlich sehr, denn es bestätigt uns in unserer Haltung, dass sich Freundschaft grundsätzlich und besonders in schweren Zeiten bewährt und wir uns in der Corona-Pandemie auch über Grenzen hinweg die Hand reichen müssen.

Mehr Windeneinsätze, weniger Autounfälle

Wie in den vergangenen Jahren gehörten auch 2020 Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie Unfälle zu den häufigsten Alarmierungsgründen der Luftretter*innen. Doch auch Abweichungen gab es, unter Umständen aufgrund von Corona: Im April 2020, während des ersten Lockdowns, wurden die Luftretter*innen nur etwa halb so oft zu Autounfällen gerufen wie im Durchschnitt im April 2018 und 2019, dafür allerdings häufiger zu Radunfällen: Hier gab es ein Plus von 75 Prozent. Deutlich häufiger kamen auch die Rettungswinden zum Einsatz: Insgesamt 457-mal führten die Crews der acht Stationen, die über eine Winde verfügen, die anspruchsvollen Einsätze durch (2019: 404 Einsätze).

Im April 2020, während des ersten Lockdowns, wurden die Luftretter*innen nur etwa halb so oft zu Autounfällen gerufen wie im Durchschnitt im April 2018 und 2019

Im April 2020, während des ersten Lockdowns, wurden die Luftretter*innen nur etwa halb so oft zu Autounfällen gerufen wie im Durchschnitt im April 2018 und 2019

Foto: DRF Luftrettung

Bei den Verdachtsdiagnosen der Einsätze der DRF Luftrettung machten internistische Notfälle wieder den Hauptanteil aus

Bei den Verdachtsdiagnosen der Einsätze der DRF Luftrettung machten internistische Notfälle wieder den Hauptanteil aus

Foto: DRF Luftrettung

Ausblick auf 2021

Auch 2021 wird das Corona-Virus ein wichtiges Thema bleiben. Dr. Pracz blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft: „Wir haben die Herausforderungen des letzten Jahres gut gemeistert und bewiesen, dass wir als Organisation gut aufgestellt und auch unter schwierigsten Bedingungen handlungsfähig sind. Zudem sind nun Impfungen verfügbar, die die Lage hoffentlich entspannen werden, sofern wir weiterhin alle mit der nötigen Disziplin und Rücksicht an diese Herausforderung herangehen. Fest steht, dass wir uns auch zukünftig weiterentwickeln und den Fortschritt in der Luftrettung vorantreiben werden, auch in herausfordernden Zeiten.” Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Einführung der H145 mit Fünfblattrotor, für die Ende 2020 mit der ersten Auslieferung der Startschuss fiel. Die DRF Luftrettung investiert in neueste Technik zum Wohle ihrer Patient*innen und setzt als erste Luftrettungsorganisation in Deutschland den Fünfblattrotor ein. Zu den Vorteilen der neuen Technologie gehören unter anderem eine höhere Nutzlast im Einsatz und ein gelenkloser Rotorkopf, der mehr Flugkomfort und einen geringeren Wartungsaufwand mit sich bringt.

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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