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Neuer SAR-Hubschrauber für das Heer übergeben

10.12.2019

Donauwörth (BAY) ::  Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Bestellung des neuen SAR-Hubschraubers für das Heer vom Muster H145 LUH SAR (Light Utility Helicopter Search and Rescue; dt. Leichter Unterstützungshubschrauber Suchen und Retten) am 13. Dezember 2018 durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) (rth.info berichtete) wurde am heutigen Dienstag, dem 10. Dezember 2019, die erste von insgesamt sieben Einsatzmaschinen von Airbus Helicopters in Donauwörth an die Bundeswehr übergeben.

Heute wurde die erste H145 LUH SAR übergeben (v.l.n.r.: Ralph Herzog, Erster Direktor BAAINBw, Wolfgang Schoder, CEO Airbus Helicopters Deutschland und Oberst Peter Göhringer, Kommandeur Transporthubschrauberregiment 30)

Heute wurde die erste H145 LUH SAR übergeben (v.l.n.r.: Ralph Herzog, Erster Direktor BAAINBw, Wolfgang Schoder, CEO Airbus Helicopters Deutschland und Oberst Peter Göhringer, Kommandeur Transporthubschrauberregiment 30)

Foto: Patrick Heinz/Airbus Helicopters

Die neuen SAR-Hubschrauber werden beim Heer ab dem Jahr 2020 die betagte und zugleich legendäre Bell UH-1D aus den späten 1960er Jahren ersetzen. Für die Beschaffung des neuen Hightech-Hubschraubers im SAR-Bereich Land wurden vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Anfang Dezember 2018 156 Millionen Euro bewilligt. Auf die Beschaffung der Fluggeräte und deren Ausrüstung entfallen 90 Millionen Euro sowie weitere 66 Millionen Euro für Instandsetzung, Logistik und Wartung, die im zivilen Sektor durch den Hersteller Airbus Helicopters erfolgen werden. Durch die Beschaffung der neuen SAR-Hubschrauber wurde auch eine Flottenharmonisierung beim Heer herbeigefügt. 15 Mehrzweckhubschrauber des Musters H145M LUH SOF (Light Utility Helicopter Special Operation Forces) werden beim Kommando Spezialkräfte (KSK) und beim Kommando Spezialkräfte Marine (KSM) seit 2015 von Laupheim aus eingesetzt. Zukünftig werden die neuen Waffensysteme an den drei SAR-Kommandos des Heeres in Nörvenich (“RESCUE 41-45“), in Holzdorf (“RESCUE 87-88“) und in Niederstetten (“RESCUE 63-64“) eingesetzt. Im baden-württembergischen Niederstetten ist auch der truppenstellende Verband, das Transporthubschrauberregiment 30 (TrspHubschrRegt 30) der Heeresflieger, beheimatet.

Technischer Quantensprung im Such- und Rettungsdienst

Mit der Einführung des neuen SAR-Hubschraubers vom Muster H145 LUH SAR wird auch ein technischer Quantensprung im Such- und Rettungsdienst (engl. Search and Rescue – kurz SAR) der Bundeswehr vollzogen, da das neue Modell über eine Vielzahl technischer Neuerungen verfügt. So verfügt dieser neben zwei Safran Arriel 2E-Triebwerken, welche FADEC-gesteuert (Full Authority Digital Engine Control) und mit einer digitalen Avionik-Suite Helionix ausgestattet sind, sowie einem Fenestron als Heckrotor und einem Lasthaken über eine missionsspezifische Zusatzausstattung für den Such- und Rettungsdienst. So gehören u.a. zur umfangreichen SAR-Ausrüstung eine Rettungswinde, ein leistungsstarker Scheinwerfer für Suche und Landung bei schlechten Wetterverhältnissen und in der Nacht, ein Ortungssystem für Notsender (Emergency Locator Transmitter – ELT) und ein notfallmedizinischer Rüstsatz, der der notfallmedizinischen Ausstattung ziviler Rettungshubschrauber entspricht.

Neben dem originären SAR-Auftrag im Rahmen der International Civil Aviation Organization (ICAO), der internationalen zivilen Luftfahrtorganisation, werden die neuen Hubschrauber auch im militärischen SAR-Dienst sowie zur Unterstützung der eigenen und verbündeten Streitkräfte im militärischen Bereich eingesetzt. Darüber hinaus können die hochmodernen SAR-Hubschrauber im Rahmen der Dringende Eilhilfe, wenn ein ziviles Luftrettungsmittel nicht oder nicht zeitnah zur Verfügung steht, und in der Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Die Anforderung der in 24-Stunden-Bereitschaft (24/7/365) stehenden SAR-Hubschrauber erfolgt über das Aeronautical Rescue Coordination Center (ARCC) in Münster, welches für den SAR-Bereich Land zuständig ist.

Während der Erprobung bei Airbus Helicopters trug die H145 LUH SAR noch das zivile Kennzeichen D-HADL

Während der Erprobung bei Airbus Helicopters trug die H145 LUH SAR noch das zivile Kennzeichen D-HADL

Foto: Patrick Heinz/Airbus Helicopters

Zur Crew eines SAR-Hubschraubers zählt neben zwei Luftfahrzeugführern (Pilot und Co-Pilot) ein Luftrettungsmeister (Sanitätsfeldwebel), der als Rettungsassistent bzw. Notfallsanitäter über eine Zusatzausbildung im fliegerischen Bereich (zivil: TC HEMS) und zur Bedienung der Rettungswinde (zivil: TC HHO) verfügt. Ein Notarzt gehört nicht zur festen Besatzung eines SAR-Hubschraubers, kann aber bei Bedarf für Notfalleinsätze in der Dringenden Eilhilfe aus dem zivilen Bereich zur Verfügung gestellt und aufgenommen werden.

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Autor(en)
Holger Scholl

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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