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Die letzten Mohikanerinnen SA 365 C3, AS 365 N2 und BK 117 stehen vor dem Fly-Out

25.09.2019

Filderstadt (BWÜ) ::  In den kommenden Monaten wird sich das Bild in der bundesdeutschen Luftrettung weiter vereinheitlichen: Die bewährten Einsatzmaschinen vom Typ SA 365 C3, AS 365 N2 und BK 117 werden durch weitere neu anzuliefernde H135 und H145, durch frei werdende EC 135 und EC 145 bzw. neu anzuschaffende EC 155 B1/H155 ersetzt.

Als erste Maschine trifft es wohl noch in diesem Jahr die einzig verbliebene SA 365 C3 im bundesdeutschen Luftrettungsdienst. Am NHC-Standort Emden wird zurzeit die Ur-“Dauphin“ mt dem Kenner D-HNHC (Baujahr 1978) als Ambulanzhubschrauber (AHS) “Rettung Wittmund 79/99-1“ eingesetzt. Bereits jetzt wird der Einzelgänger bei anstehenden Wartungsarbeiten bzw. Reparaturen durch BK 117 aus der Reserve der DRF Luftrettung vertreten; in den Sightings von rth.info ist das recht gut nachzulesen. Die Pressestelle der DRF Luftrettung teilte auf Anfrage von rth.info hierzu Folgendes mit: “Es handelt sich hierbei um eine Option, das gegenwärtig für den Ambulanzflugdienst eingesetzte Muster zu ersetzen. Diese Option wird zurzeit aus kaufmännischer sowie technisch-flugbetrieblicher Sicht in beiden Unternehmen bewertet. Eine endgültige Entscheidung ist hierzu noch nicht getroffen.“

Im Juni 2019 stand die SA 365 N3 “D-HNHC“ von NHC als AHS “Rettung 79/99-1“ am Heliport in Emden und wartete auf ihren nächsten Einsatz

Im Juni 2019 stand die SA 365 N3 “D-HNHC“ von NHC als AHS “Rettung 79/99-1“ am Heliport in Emden und wartete auf ihren nächsten Einsatz

Foto: Tobias Klein

Dieser führte sie nach Aurich an die dortige Ubbo-Emmius-Klinik

Dieser führte sie nach Aurich an die dortige Ubbo-Emmius-Klinik

Foto: Tobias Klein

Am Nachmittag des 16. August 2019 setzte die SA 365 C3 “D-HNHC“ am Flugplatz Reichelsheim/Wetterau (EDFB) zur Landung an ...

Am Nachmittag des 16. August 2019 setzte die SA 365 C3 “D-HNHC“ am Flugplatz Reichelsheim/Wetterau (EDFB) zur Landung an ...

Foto: Jörn Fries

... und nahm am Tower ihre Waiting Position ein

... und nahm am Tower ihre Waiting Position ein

Foto: Jörn Fries

Kurze Zeit später setzte sie noch einmal um

Kurze Zeit später setzte sie noch einmal um

Foto: Jörn Fries

Der Pool an frei verfügbaren BK 117 wird sich voraussichtlich bereits im Dezember dieses Jahres erhöhen. Dann wird am DRF-Standort Freiburg die langjährige Einsatzmaschine vom Typ BK 117 durch eine hochmoderne H145 ersetzt. Diese erhält sogar eine Rettungswinde, womit eine über 25 Jahre alte Forderung der Bergwacht Schwarzwald erfüllt wird (rth.info berichtete mehrfach, siehe hierzu aktuell auch separate rth.info-NEWS).

Im Dezember 2011 startete die BK 117 “D-HIMB“ als Dual-Use-ITH “Christoph 54“ an der Helios Kinik in Titisee-Neustadt mit Ziel Uniklinik Freiburg

Im Dezember 2011 startete die BK 117 “D-HIMB“ als Dual-Use-ITH “Christoph 54“ an der Helios Kinik in Titisee-Neustadt mit Ziel Uniklinik Freiburg

Foto: Jörn Fries

Mit der für spätestens 2020 anstehenden Verlegung des 24-Stunden-Rettungshubschraubers “Christoph 42“ von der Imland-Klinik in Rendsburgs Stadtmitte an den Segelflugplatz Schachtholm am Nord-Ostsee-Kanal (der endgültige Umzugstermin steht laut DRF Luftrettung noch nicht fest) und dem Wechsel auf das neuere Muster H145 wird dort eine EC 145 frei, die anschließend vermutlich in Niebüll zum Einsatz kommen und dort die langjährige BK 117 als “Christoph Europa 5“ ersetzen wird. Weitere BK 117 werden von der DRF Luftrettung zurzeit in Bremen (“Christoph Weser“), Dortmund (“Christoph Dortmund“) und Karlsruhe/Baden-Airpark (“Christoph 43“, dort im permanenten Wechsel mit EC 135) eingesetzt.

Anfang August 2015 startete die BK 117 “D-HNNN“ als RTH “Christoph Europa 5“ an der Asklepios Nordseeklinik auf der Insel Sylt

Anfang August 2015 startete die BK 117 “D-HNNN“ als RTH “Christoph Europa 5“ an der Asklepios Nordseeklinik auf der Insel Sylt

Foto: Jörn Fries

Am Tag der Sicherheit 2018 landete die BK 117 “D-HAWK“ als ITH “Christoph Weser“ am Klinikum Links der Weser in Bremen

Am Tag der Sicherheit 2018 landete die BK 117 “D-HAWK“ als ITH “Christoph Weser“ am Klinikum Links der Weser in Bremen

Foto: Jörn Fries

Im Mai 2017 stand die BK 117 “D-HDRF“ als ITH “Christoph Dortmund“ einsatzbereit vor dem Hangar 4.2 am Flughafen Dortmund

Im Mai 2017 stand die BK 117 “D-HDRF“ als ITH “Christoph Dortmund“ einsatzbereit vor dem Hangar 4.2 am Flughafen Dortmund

Foto: Jörn Fries

Ende Juli 2012 flog die BK 117 “D-HNNN“ als RTH “Christoph 43“ in Karlsruhe

Ende Juli 2012 flog die BK 117 “D-HNNN“ als RTH “Christoph 43“ in Karlsruhe

Foto: Jörn Fries

Änderungen dürften auch an den NHC-Standorten St. Peter Ording (“Northern Rescue 01“) und Güttin (“Northern Rescue 02“) sowie an den JLR-Standorten, darunter die beiden derzeit mit Rotorflug als Operator betriebenen Standorte Marl-Loemühle (“Akkon Bochum 89-1“) und Rostock (“Christoph Rostock“), anstehen. Hier ist im Gespräch, die AS 365 “Dauphin“ im Rüststand N2 durch Maschinen vom Typ N3 bzw. durch weitere, sich teilweise bereits im Zulauf befindliche EC 155 B1/H155 zu ersetzen. Erst jüngst wurde bekannt (siehe externen Link), dass die Bundespolizei-Fliegergruppe offensichtlich plant, ihre gesamte EC 155 B1-Flotte durch hochmoderne Hubschrauber zu ersetzen. Denkbar wären H160 von Airbus Helicopters oder AW139 von Leonardo. Die frei werdenden Maschinen der Bundespolizei könnten anschließend eine zweite Karriere in der Luftrettung haben. Erste Sondierungsgespräche sollen bereits stattgefunden haben, heißt es in Branchenkreisen.

Anfang 2017 befand sich die AS 365 N2 “D-HNHA“ zu Wartungsarbeiten bei der Firma HeliFlight am Flugplatz Reichelsheim/Wetterau

Anfang 2017 befand sich die AS 365 N2 “D-HNHA“ zu Wartungsarbeiten bei der Firma HeliFlight am Flugplatz Reichelsheim/Wetterau

Foto: Jörn Fries

Für Helispotter dürfte somit die jetzt kommende dunkle Jahreszeit noch einmal und vielleicht zum letzten Male Gelegenheit bieten, die bewährten Einsatzmaschinen vom Typ AS 365 C3 und BK 117 im bundesdeutschen Luftrettungsdienst abzulichten.

Übrigens: Zwei weitere Exoten werden der Luftrettung in Deutschland bis auf Weiteres erhalten bleiben: Am Standort Kessin von Ambulanz Millich/Heli-Flight kommt seit Kurzem – im Auftrag des Landkreises Rostock – eine neuere Robinson R44 II Raven mit dem Kenner D-HRAN zum Einsatz, und am Segelfugpatz Schwerin-Pinnow fliegt auch weiterhin eine AS 355 F2 “Écureuil“. Pläne des neuen Eigentümers, Air Llloyd, die “Écureuil“ durch ihre eigene MD 900 Explorer “D-HMDX“ zu ersetzen, wurden bislang nicht umgesetzt.

Am Segelflugplatz Schwerin-Pinnow steht weiterhin eine AS 355 F2 als Ambulanzhubschrauber bereit (hier die rote und als “ITH-Schwerin“ beklebte  “D-HLEA“ von FJS)

Am Segelflugplatz Schwerin-Pinnow steht weiterhin eine AS 355 F2 als Ambulanzhubschrauber bereit (hier die rote und als “ITH-Schwerin“ beklebte “D-HLEA“ von FJS)

Foto: Tobias Klein

Autor(en)
Jörn Fries

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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