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Kein RTH-Probebetrieb im Kreis Waldshut: Innenministerium lehnt Angebot der Björn Steiger Stiftung ab

21.02.2019

Rickenbach (BWÜ) ::  Die seit Herbst 2018 unter dem geänderten Namen “Björn Steiger Stiftung Rettungsdienst gGmbH“ tätige baden-württembergische Tochtergesellschaft der in Winnenden (Rems-Murr-Kreis/BWÜ) ansässigen Björn Steiger Stiftung, eine Stiftung bürgerlichen Rechts, möchte im 50sten Jahr ihres Bestehens den Rettungsdienst bundesweit aufmischen. Allerdings gelingt es ihr in ihrem eigenen Bundesland Baden-Württemberg nicht, ihren seit März 2016 immer wieder angekündigten eigenen Intensivtransporthubschrauber im Dual-Use-Betrieb mit Rettungswinde im Landkreis Waldshut zu stationieren.

Vor zehn Jahren, im April 2009, sah man am alten Standort des “Christoph 11“ in Villingen-Schwenningen gleich zwei Helikopter mit dem Steiger-Stern (links die BO 105 CBS-5 als RTH “Christoph 11“, rechts die BK 117 als ITH “Ch

Vor zehn Jahren, im April 2009, sah man am alten Standort des “Christoph 11“ in Villingen-Schwenningen gleich zwei Helikopter mit dem Steiger-Stern (links die BO 105 CBS-5 als RTH “Christoph 11“, rechts die BK 117 als ITH “Ch

Foto: Jörn Fries

Der ITH “Christoph 54“ gehörte schon damals zum “Team DRF“, einem Zusammenschluss der Deutschen Rettungsflugwacht mit anderen Partnern

Der ITH “Christoph 54“ gehörte schon damals zum “Team DRF“, einem Zusammenschluss der Deutschen Rettungsflugwacht mit anderen Partnern

Foto: Jörn Fries

Wie die “Badische Zeitung“ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, hat ihr Geschäftsführer Ulrich Schreiner dem Innenministerium mündlich einen sechsmonatigen Probebetrieb eines Rettungshubschraubers (RTH) im Tagbetrieb vom Segelflugplatz Hütten/Hotzenwald angeboten. Mit dem RTH solle der Beweis erbracht werden, dass in der Region Südschwarzwald eine Verbesserung der rettungsdienstlichen und insbesondere der notärztlichen Versorgung durch einen im Rettungsdienstbereich Waldshut stationierten Helikopter möglich sei. Seine Einsätze sollten in eine datenbasierte Strukturuntersuchung der Luftrettung in Baden-Württemberg einfließen, deren Veröffentlichung der neue Innenstaatssekretär Wilfried Klenk, ehemals Rettungsdienstleiter des DRK in Stuttgart, für Ende 2019 angekündigt hatte. Allerdings wird es nicht zu der von der Björn Steiger Stiftung und lokalen Politikern, wie beispielsweise dem Waldshuter FDP-Kreisrat Klaus Denzinger, gewünschten Testphase in den Monaten April bis Oktober 2019 kommen: Unter Hinweis auf europarechtliche Vorgaben müsste auch dieser EU-weit ausgeschrieben werden (im benachbarten Rheinland-Pfalz findet momentan für den offiziellen Probebetrieb eines Dual-Use-ITH ein Ausschreibungsverfahren statt, siehe hierzu gesonderte rth.info-News). Dies lehnt das Ministerium in Stuttgart unter Führung von Thomas Strobl (CDU) rigoros ab. Die ganze Geschichte kann man in der “Badischen Zeitung“ vom heutigen Donnerstag nachlesen, siehe Weblink im Kontextbereich dieser News.

2008 war der Steiger-Stern auch noch in Ochsenfurt zu sehen; allerdings ging die spätere DRF-Station am 01.01.2011 an die ADAC Luftrettung über

2008 war der Steiger-Stern auch noch in Ochsenfurt zu sehen; allerdings ging die spätere DRF-Station am 01.01.2011 an die ADAC Luftrettung über

Foto: Jörn Fries

Den Steiger-Stern auf der Heckflosse einer EC 135 (hier im April 2008 als “Christoph 18“ in Ochsenfurt zu sehen) bekommt man auch in absehbarer Zeit in Deutschland nicht zu sehen

Den Steiger-Stern auf der Heckflosse einer EC 135 (hier im April 2008 als “Christoph 18“ in Ochsenfurt zu sehen) bekommt man auch in absehbarer Zeit in Deutschland nicht zu sehen

Foto: Jörn Fries

Die Björn Steiger Stiftung hat zu Jahresbeginn 2019 angekündigt, sich nun selbst aktiv in den Rettungsdienst einzumischen. Ein für Juni geplanter Kongress werde der Öffentlichkeit die Strategie der Winnender Stiftung näherbringen. Deren Erfolge liegen jedoch allesamt schon einige Jahre zurück. In den letzten zehn Jahren hörte und las man immer wieder von Aufsehen erregenden geplanten Aktionen (rth.info berichtete), denen allerdings nur selten konkrete Taten folgten. Zuletzt floppte das FELIX-Modell, mit dem ein besonders schonender Transport von Neu- und Frühgeborenen bundesweit angeboten werden sollte: Von einstmals 120 angekündigten Sonderfahrzeugen gingen nur wenige Einzelexemplare in den Dienst. Fahrzeuge in Datteln, Vechta und Bayreuth wurden bereits nach kürzester Zeit wieder abgezogen und stehen heute an anderen Orten. Von den Leuchtturm-Projekten der Stiftung in der Volksrepublik China und im Inselstaat Sri Lanka hört man gar nichts mehr.

Aktuell überraschte die Björn Steiger Stiftung die Retterszene, als sie ausgerechnet am “Europäischen Tag des Notrufs“, am 11. Februar 2019, den Zusammenschluss mit den “Mobilen Rettern“ aus Gütersloh (NRW) verkündete – und zugleich Kölns Ex-Oberbürgermeister Jürgen Rother als Schirmherrn der neuen Initiative präsentierte. Ziel von “Mobile Retter“ ist, mit Hilfe einer Notfall-App und besonders qualifizierten und hoch motivierten Ersthelfern das therapiefreie Intervall bei lebensbedrohlichen Notfällen drastisch zu verkürzen. Erste Erfolge in verschiedenen Stadt- und Landkreisen scheinen dem Modell, das eine sinnvolle Alternative zum Auf- und Ausbau weiterer First-Responder- bzw. Helfer-vor-Ort-Gruppen ist, Recht zu geben. Man darf gespannt sein, welche weiteren Projekte die Björn Steiger Stiftung in ihrem Jubiläumsjahr noch ankündigen wird – und welche davon dann auch erfolgreich umgesetzt werden.

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Autor(en)
Jörn Fries

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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