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EXKLUSIV: Johanniter Luftrettung flog im Jahr 2018 über 3.200 Einsätze

27.01.2019

Gießen (HES) ::  Die Johanniter Luftrettung (JLR) flog im vergangenen Jahr mit ihren sechs Intensivtransporthubschraubern (ITH) insgesamt 3.263 Einsätze. Dies teilte Günther Lohre, CEO der im mittelhessischen Gießen ansässigen Johanniter Luftrettung auf Anfrage von rth.info am 24. Januar 2019 mit. Gegenüber dem Jahr 2017 sind das 887 Einsätze mehr. Damals flogen die fünf in Adenau (“Air Rescue Nürburgring“), Gießen (“Christoph Gießen“), Marl (“Akkon Bochum 89-1“), Reichelsheim (“Christoph Mittelhessen“) und Rostock (“Christoph Rostock“) stationierten ITH 2.376 Einsätze. Prozentual beträgt der Zuwachs 37,3 Prozent! Die einzelnen Zahlen findet man – wie immer – in unserer Einsatzzahlen-Statistik.

Die ITH der Johanniter Luftrettung kommen bundesweit zum Einsatz, so dass hier auf eine detaillierte Auflistung nach den einzelnen Bundesländern aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet wird. Die für Intensivtransporthubschrauber eigentlich recht hohe Zahl von insgesamt 132 Fehleinsätzen aller sechs Helikopter resultiert vor allem aus dem Umstand, dass die ITH über die regionalen Leitstellen, aber auch direkt über die in Mainz ansässige Johanniter-Alarmzentrale für Sekundär- und Intensivtransporte (JASI) angefordert werden können, auch zu Primäreinsätzen.

Einsatzstichwort “Laufende Reanimation“: der Dual-Use-ITH “Christoph Gießen“ im Anflug auf einen Notfallort im Hessischen (Rettungswagen bereits vor Ort)

Einsatzstichwort “Laufende Reanimation“: der Dual-Use-ITH “Christoph Gießen“ im Anflug auf einen Notfallort im Hessischen (Rettungswagen bereits vor Ort)

Foto: Jörn Fries

Spitzenreiter unter den JLR-Luftrettern war – wie schon seit 2015 – “Christoph Gießen“. Der Gießener 24-Stunden-Dual-Use-ITH flog 2018 erstmals über 1.000 Einsätze. Von den 1.090 Einsätzen (ein Plus von 103 gegenüber 2017) waren 515 Primär-, 545 Sekundär- und 30 Fehleinsätze. Im vergangenen Jahr fanden am im Juli 2014 eröffneten Johanniter-Luftrettungszentrum an der Lahnstraße im Juni ein viel besuchter “Tag der offenen Tür“ und im September Workshops des 3. Gießener Luftrettungssymposiums statt. Aber auch das leidige Thema “Feinstaubproblematik“ kam wieder auf den Tisch, befindet sich doch in unmittelbarer Nachbarschaft des Luftrettungszentrums ein Altmetall verwertender Betrieb. Hier dürfte erst eine gerichtliche Entscheidung das letzte Wort bringen.

Gleich drei ITH der Johanniter Luftrettung auf einen Schlag: Der Tag der offenen Tür am JLR-Luftrettungszentrum “Christoph Gießen“ Anfang Juni 2018 machte es möglich.

Gleich drei ITH der Johanniter Luftrettung auf einen Schlag: Der Tag der offenen Tür am JLR-Luftrettungszentrum “Christoph Gießen“ Anfang Juni 2018 machte es möglich.

Foto: Jörn Fries

Während die Einsatzzahlen der drei ITH “Akkon Bochum 89-1“ (271), “Christoph Rostock“ (383) und “Christoph Mittelhessen“ (720) sich auf dem Vorjahresniveau bewegen, hat der erst am 22. Oktober 2018 in Sembach stationierte, nun sechste ITH der Johanniter Luftrettung, “Air Rescue Pfalz“ genannt, mit 166 Einsätzen zu dem starken Anwachsen der Einsatzzahlen in 2018 beigetragen. Das Geschriebene gilt auch für den “Air Rescue Nürburgring“, der im letzten Jahr eine neue Unterkunft erhielt und zu einem gern genutzten fliegenden Notarzt-Zubringer in der ländlich geprägten Region Eifel-Mosel mutiert.

Schauen wir uns die Statistik näher an, dann fällt Folgendes auf: Während “Christoph Rostock“ (308 von insgesamt 383) und “Akkon Bochum 89-1“ (180 von insgesamt 271) überwiegend Sekundärtransporte durchführen, fliegt der in Reichelsheim/Wetterau stationierte “Christoph Mittelhessen“ rund ein Drittel Primäreinsätze (472 Sekundär- und 220 Primäreinsätze). Besonders auffällig ist – wie bereits oben erwähnt – die Verteilung der Einsatzarten beim im Mai 2016 in Adenau stationierten “Air Rescue Nürburgring“ (den 42 Sekundäreinsätzen stehen 544 Primäreinsätze und 47 Fehleinsätze entgegen) sowie bei dem gegen den erklärten Willen von Landesregierung Rheinland-Pfalz und Krankenkassen, aber mit Unterstützung von vier westpfälzischen Stadt- und Landkreisen in einer Ad-hoc-Aktion im Gewerbegebiet von Sembach stationierten “Air Rescue Pfalz“: 20 Sekundäreinsätzen stehen 135 Primäreinsätze und 11 Fehleinsätze gegenüber. Und dies in einem Zeitraum von nur zehn Wochen!

Bei Wind und Wetter im Dauereinsatz: der seit 22. Oktober 2018 interimsweise in Sembach stationierte ITH “Air Rescue Pfalz“ (hier eine Aufnahme aus dem Dezember 2018)

Bei Wind und Wetter im Dauereinsatz: der seit 22. Oktober 2018 interimsweise in Sembach stationierte ITH “Air Rescue Pfalz“ (hier eine Aufnahme aus dem Dezember 2018)

Foto: Jörn Fries

Diese viele überraschenden Zahlen haben die Landesregierung von Rheinland-Pfalz bereits zum Einlenken in Sachen “Neuer Rettungshubschrauber für die Westpfalz?“ gebracht. Fachleute aus dem Mainzer und auch dem Saarbrücker Innenministerium werden in den nächsten Wochen ein Gutachten erstellen, um den tatsächlichen Bedarf für einen fünften rheinland-pfälzischen Rettungshubschrauber zu eruieren. Die JLR hat noch eine bis Ende Februar 2019 geltende Vereinbarung mit dem Westpfalz-Klinikum; bis dahin gibt es auch eine Verständigung mit den Krankenkassen als zuständigen Kostenträgern über die Finanzierung der Primäreinsätze des “Air Rescue Pfalz“. Diese war zunächst pauschal von den Kassen verweigert worden, nun liegen die vereinbarten Flugminutenpreise von rund 50 Euro nach Angaben von Lohre deutlich unter dem für alle anderen in Rheinland-Pfalz eingesetzten Luftrettungsmitteln gültigen Regelsatz von 66 Euro. Die Zeit drängt also, sollte dort keine Lücke in der notfallmedizinischen Versorgung der Patienten aus der Luft entstehen. Denn der CEO der Johanniter Luftrettung hat den Rückzug seines ITH aus Sembach für den Fall angekündigt, dass beim für den 27. Februar vorgesehenen Gespräch mit Innenstaatsekretär Randolf Stich (SPD) kein zufrieden stellendes Ergebnis erzielt werde. Die DRF Luftrettung könnte in die entstehende Bresche spingen, hat sie doch beiden Ländern bereits für den 1. April die Stationerung eines ITH am Flughafen Zweibrücken angeboten. Auch die Björn Steiger Stiftung hat sich – wie aus Fachkreisen zu hören ist – mit einem in Pirmasens zu stationierenden Helikopter ins Gespräch gebracht. Hier darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

Lohre gab gegenüber rth.info auch einen Ausblick auf das neue Jahr. So wird im Frühjahr eine EC 155B aus dem Hause Airbus Helicopters die Flotte der “Dauphins“ ergänzen. Die N2 sollen weiteren N3 weichen und die “White Lady“ D-HFVP dem Corporate Design der JLR angepasst werden. Der Frage, ob denn ein weiterer Standort geplant oder sogar in Betrieb gehen werde, wich der CEO der Johanniter Luftrettung aus. Er wolle erst einmal die Entwicklung in der Westpfalz, aber auch in Nordrhein-Westfalen abwarten. In NRW werde der “Akkon 89-1“ von den regionalen Leitstellen nur äußerst selten primär wie sekundär angefordert, obwohl dieser neben dem in Greven am Flughafen Münster Osnabrück (FMO) stationierten ITH “Christoph Westfalen“ und dem SAR-Hubschrauber “Rescue 41“ aus Nörvenich der einzige 24-Stunden-Luftretter und zudem zentral im Ruhrgebiet verortet sei.

Steht mehr am Boden, denn dass er fliegt: der in Marl-Loemühle am dortigen Verkehrslandeplatz stationierte 24-Stunden-ITH “Akkon Bochum 89-1“

Steht mehr am Boden, denn dass er fliegt: der in Marl-Loemühle am dortigen Verkehrslandeplatz stationierte 24-Stunden-ITH “Akkon Bochum 89-1“

Foto: Jörn Fries

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Jörn Fries

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Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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