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Christoph 4: Neue Technik ermöglicht Wiederbelebung in der Luft

19.10.2018

Hannover (NDS) ::  Ab November hebt der Rettungshubschrauber mit dem mechanischen Wiederbelebungsgerät „Corpuls CPR“ ab. Ob Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Ertrinkungsunfall: In vielen Notfällen erleiden Patienten einen Herzstillstand. Große Unterstützung am Patienten ermöglicht der neue „Corpuls CPR“. Das mechanische Wiederbelebungsgerät kommt ab November auf dem Rettungshubschrauber „Christoph 4“, der an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stationiert ist, zum Einsatz. Damit kann die Herzdruckmassage, die am Boden begonnen wurde, in der Luft durch den Corpuls CPR fortgeführt werden – sprich: Er übernimmt das Drücken auf den Brustkorb. Die Johanniter-Unfall-Hilfe investierte um die 18.000 Euro in das neue technische Gerät.

Was sich ändert

„Vorher war die Herz-Lungen-Wiederbelebung im Hubschrauber nur bedingt bis gar nicht möglich und der Patient musste mit dem Rettungswagen transportiert werden“, erklärt Dr. Christian Macke, Ärztlicher Leiter von Christoph 4. Durch das neue Gerät ergeben sich zahlreiche Vorteile für die Luftrettung. „Wir können die Patienten nun unterbrechungsfrei unter Reanimation auch mit dem Hubschrauber in eine Klinik bringen, wo sie dementsprechend weiter und besser versorgt werden können“, ergänzt der Unfallchirurg der MHH. „Gerade Patienten, die über große Strecken transportiert werden müssen, profitieren hiervon. Zeit ist in unserer Arbeit ein maßgeblicher Faktor, der lebensentscheidend sein kann.“

Wie das Gerät einsetzbar ist

Eine weitere Besonderheit: Mit der Reanimationshilfe können auch Kinder ab acht Jahren wiederbelebt werden. „Als Rettungshubschrauber haben wir überproportional viele Kindernotfälle. Diesen Sommer wurden wir zu zahlreichen Badeunfällen von Kindern alarmiert.“ Nicht nur für die Patienten ist das Reanimationsgerät ein großer Vorteil. Auch der Notarzt im Helikopter hat durch den Einsatz des Gerätes die Hände frei, sodass er sich parallel um die Beatmung des Patienten oder Medikamentengaben kümmern kann.

Der Corpuls CPR zeichnet sich mit einer Akkulaufzeit von 90 bis 120 Minuten aus, die Drucktiefe und Frequenz lassen sich, auch manuell während der Nutzung, einstellen. Mit speziellen Festigungsgurten kann das Gerät direkt am Patienten fixiert werden, sodass ein sicherer Transport gewährleistet ist. Zwei unterschiedliche Aufsätze, sogenannte „Stempel“, werden je nach Brustumfang angebracht. Unterhalb des Patienten wird ein Board platziert, an dem der „Arm“ mit Feststellhebel befestigt wird.

Doch auch das Eintreffen mit bestem Equipment kann wirkungslos sein, wenn nicht Ersthelfer vor Ort richtig reagieren. „Die erste Reaktion am Unfallort ist entscheidend“, macht Dr. Macke deutlich. „Selbst wenn wir nach zehn Minuten mit High-Tech-Ausstattung eintreffen, können wir dem Patienten kaum noch helfen, wenn die Ersthelfer keine Herzdruckmassage durchgeführt haben.“ Deshalb rät er, dass mit der Herzdruckmassage sofort begonnen wird, bis der Rettungsdienst vor Ort eintrifft.

Das Team von Christoph 4

An der Luftrettung mit Christoph 4 sind mehrere Institutionen beteiligt. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Landesverband Niedersachsen/Bremen ist für den Dienstbetrieb des Hubschraubers verantwortlich und stellt die Notfallsanitäter/HEMS-TC. Die Piloten gehören der Bundespolizei, Fliegerstaffel Nord Stützpunkt Gifhorn, an und führen die Wartung und Instandhaltung des Hubschraubers durch. Die Notärzte kommen aus der Unfallchirurgischen Klinik der MHH. Die ärztliche Leitung hat seit 2016 Dr. Christian Macke inne. Träger des Luftrettungsstützpunktes ist das Land Niedersachsen.

Autor(en)
Originaltext Pressemitteilung des Johanniter-Medienservice vom 18.10.18

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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