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13. Juni: 50 Jahre Hubschraubertesteinsatz von ADAC und BRK in München

13.06.2018

München (BAY) ::  Vor genau 50 Jahren, am 13. Juni 1968 (Fronleichnam), starteten der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. (ADAC) und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in München ihren “Kolibri“-Test, der letztendlich in die Stationierung des ersten dauerhaft betriebenen zivilen Rettungshubschraubers “Christoph“ (später “Christoph 1“) am Städtischen Krankenhaus in München-Harlaching im November 1970 mündete. Der Bundesminister für Verkehr in Bonn regte den Versuch an und stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung. In zwei zeitlichen Abschnitten, vom 13. Juni bis zum 6. Oktober 1968 und vom 20. Dezember 1968 bis zum 7. Januar 1969, testeten ADAC und BRK, ob der Einsatz von Hubschraubern zu einer weiteren Verbesserung des damals so genannten Unfallrettungsdienstes beitragen könne.

Hand in Hand arbeiten bodengebundene Kräfte und RTH-Besatzung zusammen (hier bei einer Landung auf der Münchner Theresienwiese)

Hand in Hand arbeiten bodengebundene Kräfte und RTH-Besatzung zusammen (hier bei einer Landung auf der Münchner Theresienwiese)

Foto: Archiv Werner Wolfsfellner MedizinVerlag (München)

Beteiligt am Münchner “Hubschraubertesteinsatz“, dem zwei weitere in Nürnberg und Mainz (beide ebenfalls im Jahr 1968) folgen sollten, waren auch das Bayerische Staatsministerium des Innern, die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und der Malteser Hilfsdienst (MHD). An insgesamt 47 Tagen wurde der Heli 52-mal angefordert und 27 Patienten transportiert, in vier Fällen wurden zwei Verletzte gleichzeitig transportiert. In 16 Fällen erfolgte eine (not-)ärztliche Erstversorgung am Unfallort ohne “Hubschrauberabtransport“, sechsmal wurden Patienten von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt, und in zwei Fällen wurden Blutkonserven transportiert (so steht es in den historischen Unterlagen, die in Auszügen auch auf www.wolfsfellner.de einzusehen sind). Eine eindrucksvolle Bilanz!

Einen Schwerpunkt bildete die (not-)ärztliche Versorgung von Notfallpatienten bei Verkehrsunfällen (hier eine für Werbemaßnahmen des ADAC gestellte Szene)

Einen Schwerpunkt bildete die (not-)ärztliche Versorgung von Notfallpatienten bei Verkehrsunfällen (hier eine für Werbemaßnahmen des ADAC gestellte Szene)

Foto: ADAC

Nach dem ersten erfolgreichen zivilen Hubschrauber-Test des praktischen Arztes Hans-Werner Feder im Sommer 1967 in Anspach/Taunus (Hessen) mit einer 2-sitzigen Brantly B2B des Piloten Franz Hartmannsberger und nach dem Projekt der Feuerwehr Frankfurt am Main über Ostern und Pfingsten 1968 mit einer ursprünglich von Piasecki konstruierten Boeing-Vertol H-21C der Bundeswehr kam in München ein Bell 206 A Jet Ranger zum Einsatz. Die blau-weiß lackierte Maschine wurde von der Firma Süd-Helicopter Flug-Gesellschaft Ch. Ortner & F. Haberl oHG (München) gechartert und trug die vier schwarzen Buchstaben des Automobilclubs sowie das rote Kreuz als Genfer Schutzzeichen an den für den Patientransport quer zur Flugrichtung extra an den Seitentüren angebrachten weiß lackierten Ausbuchtungen. Besetzt war “Kolibri“ – so sein Funkrufname – mit einem Piloten der Firma Süd-Helicopter und einem Arzt, den die Hilfsorganisationen BRK, JUH und MHD zur Verfügung stellten; ein Sanitäter zur Unterstützung von Arzt und Pilot, wie heute üblich, war damals nicht an Bord. Stationiert war die Bell zunächst am Flughafen München-Riem, sie wurde später aus organisatorischen Gründen an das Klinikum rechts der Isar verlegt. Die Einsätze koordinierte der ADAC mithilfe einer in seiner Münchner Zentrale installierten Bodenfunkstelle, die den Funkrufnamen “Christoph“ trug.

Über die umfangreichen Vorbereitungen des Versuchs, die Auswahl der Ärzte, das gewählte Meldesystem, die Besonderheiten des mehrwöchigen Einsatzes sowie die Schlussfolgerungen und seinerzeitigen Empfehlungen wird rth.info gesondert berichten.

QUELLEN:

  • Der Einsatz von Hubschraubern bei der Erstversorgung und dem Transport von Notfallpatienten (DRK-Schriftenreihe Nr. 42). Herausgegeben im Auftrag des Präsidiums des Deutschen Roten Kreuzes. Bonn 1970
  • Benjamin Homberg: Wir fliegen[,] damit Sie leben. Hanau 1985

Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken für Unterstützung:
ADAC e. V. und Werner Wolfsfellner MedizinVerlag (München) für die Zurverfügungstellung der historischen Fotos

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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