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Bremen stellt um von BK 117 auf EC 135 (Update)

25.08.2011

Update vom 05.09.2011

Die ADAC Luftrettung und das LRZ Christoph 6 teilten dem Autor mit, dass sie auch weiterhin für einen Teil der Bereitschaftszeit in Bremen Helikopter des Typs BK 117 einsetzen wird. Die ADAC Luftrettung werde alle Pflichten, die sich aus dem Vertrag über den fliegerischen Betrieb der Station ergeben, selbstverständlich weiterhin erfüllen.

Bremen (BRE) ::  Am LRZ in Bremen ging eine Ära zu Ende. Die mittlerweile seit 24 Jahren fliegende BK 117 wurde nunmehr auf das Muster EC 135 umgestellt. Seit dem 01. Juli 1997 waren die ADAC-Maschinen aus dem Hause MBB in und über der Stadt unterwegs. Zuverlässig waren sie täglich zur Ergänzung des bodengebundenen Rettungsdienstes der Stadt Bremen eingesetzt. Teilweise steht die verletzungsspezifische Indikation des Hubschraubers im Vordergrund, zumeist jedoch der Aushilfsgedanke im Rahmen des „Notarztzubringers“, wenn das jeweilige Stadtteil-NEF nicht verfügbar ist.

Der bremische Rettungsdienst wird von der Feuer- und Rettungsleitstelle (FRLSt) der Berufsfeuerwehr Bremen koordiniert. Hierbei können die Disponenten stadtweit auf diverse Rettungswagen (RTW) und 5 Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) zurückgreifen. Diese sind den vier Himmelsrichtungen und der „Mitte“ zugeordnet. Wenn eine Unterversorgung in einem der Zuständigkeitsgebiete eintritt, greifen die Koordinatoren der Feuerwehr auf den Rettungshubschrauber (RTH) Christoph 6 zurück. Auf dem Anflug zur Landeörtlichkeit stimmt sich die Crew dann mit einem parallel alarmierten Streifenwagen der Polizei Bremen ab. Nach der Landung werden Notarzt /-ärztin und Rettungsassistent dann von der Polizei zum eigentlichen Einsatzort gefahren. Ein bundesweites Paradebeispiel für fachübergreifende Zusammenarbeit, die von allen Beteiligten hoch gelobt wird. Das „doppelte Rendezvous-System“ (erst RTH und Polizei am Landeort, dann Crew und RTW am Notfallort) ist an Routine und Flexibilität kaum zu überbieten und bewährt sich täglich hervorragend in der rettungsdienstlichen Kette zur Menschenrettung.

In diesem Zusammenhang zeigt sich die Feuerwehr Bremen stets dankbar, da der Christoph 6 als Ergänzung des bodengebundenen Rettungsdienstes nicht mehr wegzudenken ist. So stellt der Hubschrauber ein variables, schnelles Einsatzmittel dar, qualifizierte und medizinische Hilfe in fast jeden Winkel der Hansestadt zu bringen. 1.329 Alarmierungen im Kalenderjahr 2010 sprechen eine eigene Sprache!
In Rettungsdienst-, Feuerwehr- und Polizeikreisen, sowie der Bremer Bevölkerung haben sich Besatzung und Maschine einen festen Platz mit hohen Sympathiewerten erflogen.

Viele Jahre war die BK 117 mit der Kennung D-HBRB als Stammmaschine am Luftrettungszentrum des Christoph 6 eingesetzt. Ihr unverwechselbares Konterfei mit Radarnase samt grauen Dichtungsgummi, dem großen ASB-Aufkleber auf den Seitentüren und den Landescheinwerfer am linken Kufengestell machten die „Romeo-Bravo“ zu einem viel und gern gesehenen Gast im gesamten Stadtgebiet.

Am Montag, den 22. August 2011 war mit der BK-Ära in Bremen nun Schluss. Es wurde auf das Muster EC 135 umgestellt und die D-HBYF (P2, c/n 0078 aus 1999) aus Bonn-Hangelar eingeflogen. Bei Ihr handelt es sich um eine EC, die von der ADAC Luftrettung im Jahr 2010 von der Bayerischen Polizei angekauft wurde. Die bayerischen Ordnungshüter aus der Luft erhielten eine komplett neue EC-Generation für die Hubschrauberstaffel am Münchener Flughafen (Rufname „Edelweiss“). Die ehemaligen Polizei-EC´s unterscheiden sich vorrangig von den im ADAC eingesetzten Maschinen in ihrem Glascockpit und der eher untypischen Wetter- oder Radarnase im Cockpitbereich.

Die EC ist als Hubschrauber bei innerstädtischer Primär-Luftrettung leiser, sparsamer und damit wirtschaftlicher für den Betreiber zu fliegen. Diesen Abschied von der BK 117 nahm der Autor des vorliegenden Artikels zum Anlass, einen Aufnäher mit dem Titel „fly-in   fly-out“ zu veröffentlichen. Entwicklung und Produktion liefen komplikationslos, flexibel und zügig mit der renommierten Patch-Firma „bk-helicopter-patch-design.de“ ab. Hochwertig und detailgetreu wurde versucht, das Ereignis in Stoff zu bannen – eine Grafik über das produzierte Design ist nachstehend zu sehen. Der Aufnäher ist zum Verkauf an Sammler und Interessierte vorgesehen und wird exklusiv über Sven Arnold und die Station des Christoph 6 zu beziehen sein.

Dennoch gibt einen Wermutstropfen beim Abschied von der BK: es steht stark zu vermuten, dass das alte Muster immer mal wieder in Bremen im Austausch für die EC 135 auftauchen und fliegen wird.
Die Bremer Station stellt nämlich mit ihrer BK eigentlich die sog. „back-up“-Maschine für den Winden-Standort des Christoph 26 in Sanderbusch / Wilhelmshaven. Wenn dafür in der Vergangenheit auch nicht immer eine BK mit Windenbeschlag in Bremen flog, so war die Ausrüstung mit Seefunk-Gerät doch ein entscheidendes Merkmal, um bei einem technischen Defekt am 26 schnell mit einer Tauschmaschine reagieren zu können. Die ADAC-Retter von der Küste betreuen nämlich allesamt die ostfriesischen Inseln und sind daher bei Ausfällen auf schnellen Ersatz mit Seeflugtauglichkeit angewiesen.

Die hohe Zuverlässigkeit und guten Leistungsreserven der BK 117 bieten dabei die idealen Bedingungen für den Flug über Wasser. Aus diesen Gründen scheint absehbar, wann in Bremen wieder eine unverwechselbare BK zu hören und zu sehen sein wird.

Das fly-out soll laut ADAC-Internen dennoch endgültig dahingehend sein, als dass es ab sofort bei dem in Bremen verwendeten Muster „EC 135“ heißen wird. Ob die D-HBYF analog zur D-HBRB in Bremen als Stamm-Maschine fliegen wird, blieb zunächst offen. Vorgesehen sei es wohl, aber ob es letztendlich dabei bleibe, sein von vielen Faktoren abhängig und könne daher derzeit gar nicht abschließend beantwortet werden. Die Umlaufraten de r Maschinen haben sich in den vergangenen Jahren sowieso dahingehend verändert, als dass insgesamt ein Trend weg von einer Stamm-Maschine zu erkennen ist. Alle fliegen irgendwann mal an jeder Station   einzige Ausnahme: der Christoph Murnau, dem die D-HLIR fest zugeordnet ist, da es sich um die einzige C-1 im Maschinenpark des ADAC handelt. Diese letzte Ausführung der BK 117 hat etwas verbesserte Leistungsreserven, die für die Gebirgsflüge mit Windenrettung unabdingbar sind.

Und so sahen einige Zaungäste am LRZ des Christoph 6 am vergangenen Montag in den Himmel hinterher, als sich die abgelöste D-HDAC erhob und sich mit ihr eine Ära in Sachen Sound und Aussehen über Bremen verabschiedete. Schade, dachten viele – wünschten dem neuen Muster aber gleichermaßen derartigen Erfolg im Einsatzgeschehen für die Menschen in und um die Hansestadt: Happy landings!

Autor

Wir danken für Unterstützung:
LRZ Bremen Christoph 6
Quelle(n):
bk-helicopter-patch-design

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Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

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