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Bell UH-1D

Auf einen Blick

Die Bell UH-1D ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber, der bei der Bundeswehr als Einsatzhubschrauber der Luftwaffe und des Heeres geflogen wird. Im Rahmen der Mitwirkung der Bundeswehr an der Luftrettung wurden und werden mit der Bell UH-1D aber auch immer wieder Rettungseinsätze geflogen. Nach dem Rückzug der Luftwaffe aus der zivilen Luftrettung kommt dies jedoch heute nur noch sehr viel seltener vor.

Bell UH-1D 'Huey'

Bell UH-1D 'Huey'
Foto: Patrick Permien

Ausphasung der Bell UH-1D

Von 1971 bis 2006 stand sie aktiv im Dienst der deutschen Luftrettung: Die Bell UH-1D gehört zu den ältesten Hubschraubertypen der Rettungsfliegerei in der Bundesrepublik. Seit der Ausphasung des letzten Exemplars zum 01.07.2006 in Neustrelitz ist sie nur noch im militärischen Such- und Rettungsdienst (SAR) als Rettungsmittel zu finden. Aus der Luftrettung als Bestandteil des zivilen Rettungsdienstes ist sie jedoch ausgeschieden. Neue europaweite Vorschriften zu den Leistungsklassen der Hubschrauber machten die Umstellung auf modernere Baumuster notwendig.

Bell UH-1D als Rettungshubschrauber in Hamburg

Bell UH-1D als Rettungshubschrauber in Hamburg
Foto: Harald Rieger

In der Luftwaffe ist die Bell UH-1D weiterhin als Waffensystem für den SAR-Dienst aktiv im Dienst, und wird zum Auffinden abgestürzter, überfälliger oder vermisster Luftfahrzeuge eingesetzt. In diesem Auftrag stehend können die zivilen Rettungsdienste weiterhin auf die SAR-Hubschrauber der Luftwaffe zugreifen; im Gegensatz zu den zuvor im Rettungsdienst geflogenen Bell UH-1D sind die SAR-Kommandos der Bundeswehr jedoch nicht ständig mit Notärzten besetzt.

 

Einsatz in der Luftrettung 1971-2006

Seit Anfang der 70er Jahre gehört die UH-1D zur Luftrettung - zunächst vor allem im Rahmen des SAR-Dienstes. In der deutschen Luftrettung fand sie ab 1971 dann an so genannten Rettungszentren Verwendung, an denen die Hubschrauber standardmäßig mit Notärzten besetzt wurden.
Alle diese Standorte betreibt die Bundeswehr jedoch mittlerweile zusammen mit nicht-militärischen Anbietern, welche die Hubschrauber stellen, oder hat sie an zivile Betreiber abgegeben.

Auch der Katastrophenschutz setzte jahrelang Bell UH-1D erfolgreich in der Luftrettung ein; hier Christoph 35 in Brandenburg a.d. Havel

Auch der Katastrophenschutz setzte jahrelang Bell UH-1D erfolgreich in der Luftrettung ein; hier Christoph 35 in Brandenburg a.d. Havel
Foto: Michael Butz (Archiv)

Für einige Jahre setzte auch der deutsche Katastrophenschutz Bell UH-1D in der Luftrettung ein. An den von ihm betreuten Standorten Hannover und Wittlich kamen Maschinen zum Einsatz, die zuvor bei der Bundeswehr aus dem Dienst ausgeschieden waren. Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte man im Katastrophenschutz die Bell UH-1D zudem an verschiedenen, gerade erst gegründeten Luftrettungs-Standorten in der ehemaligen DDR ein. So kam die Bell UH-1D längere Zeit in Brandenburg (Havel) und Nordhausen in Thüringen zum Einsatz.

Zeitweise half der Bundesgrenzschutz beim Katastrophenschutz mit Bell UH-1D in der Luftrettung aus: Hier Christoph 18 an der Uniklinik Würzburg

Zeitweise half der Bundesgrenzschutz beim Katastrophenschutz mit Bell UH-1D in der Luftrettung aus: Hier Christoph 18 an der Uniklinik Würzburg
Foto: Michael Butz (Archiv)

Im Rahmen des militärischen Such- und Rettungsdienstes (SAR) findet man die Bell UH-1D jedoch noch flächendeckend von der Küste bis in die Alpen. Die reinen SAR-Hubschrauber sind "nur" mit Hubschrauberführer, Bordtechniker und einem sog. Luftrettungsmeister besetzt. Sie führen eine entsprechend etwas modifizierte Ausrüstung mit sich.

Überall in Deutschland war die Bell UH-1D in der Luftrettung aktiv, wie hier der damalige SAR Nürnberg 74 bei einem Einsatz

Überall in Deutschland war die Bell UH-1D in der Luftrettung aktiv, wie hier der damalige SAR Nürnberg 74 bei einem Einsatz
Foto: Michael Butz (Archiv)

 

Charakteristika

Das Cockpit der Bell UH-1D ist noch ganz konventionelle Technik, die ohne große Flüssigkristall-Displays auskommt

Das Cockpit der Bell UH-1D ist noch ganz konventionelle Technik, die ohne große Flüssigkristall-Displays auskommt
Foto: Team www.sar71.de

Die Bell UH-1D ist eine äußerst robuste, leicht zu steuernde Maschine, die bei den Piloten der Bundeswehr bisweilen "Huey" genannt wird - oder auch die "Harley unter den Hubschraubern". Da die UH 1D trotz ihrer Größe und ihres Gewichtes nur 2 Rotorblätter hat, ist sie sehr laut: "Teppichklopfer" ist ein weiterer ihrer Spitznamen. Die Bell UH-1D ist der deutsche Ableger der US-amerikanischen Bell UH-1H. Vor allem die Bundeswehr setzte die Bell UH-1D in der Luftrettung ein.
Der Hubschraubertyp Bell UH-1H war von der US- Firma Bell zur Zeit des Vietnamkrieges für den Kampfeinsatz in eben jenem Krieg entwickelt worden. Die US- Army bestellte diesen Hubschraubertyp in großen Stückzahlen.

Die Hubschrauber wurden als leichte Transport- und Kampfhubschrauber eingesetzt. Sie dienten als Transportmittel für bis zu 13 Soldaten (neben dem Piloten), bzw. für Material- und Verletztentransporte. Die US- Army setzte die Bell UH-1H schon früh als Rettungshubschrauber ein, wobei insgesamt sechs Tragen (je drei entlang einer Tür) eingebaut wurden. Umrüstungen waren aufgrund des einfachen Prinzips relativ problemlos möglich, noch heute wird die Inneneinrichtung jeweils an den am Hubschrauberboden montierten Halterungen befestigt.

Der Wartungsaufwand für die Bell UH-1D ist im Laufe der Jahre erheblich gestiegen

Der Wartungsaufwand für die Bell UH-1D ist im Laufe der Jahre erheblich gestiegen
Foto: Team www.sar71.de

Die UH-1H war von der US-Armee ursprünglich als billiger "Wegwerf- Hubschrauber" gedacht, der nach der Ableistung von 60 Flugstunden seine erwartete Gesamtflugzeit hinter sich hatte. Nun weiß jedoch so gut wie jeder, dass dieser Hubschraubertyp über dieses Soll recht eindrucksvoll herauskam. Denn in unzähligen, inzwischen vielen hunderttausenden Flugstunden bewies dieser Hubschrauber immer wieder seine extreme Zuverlässigkeit. Die Huey ist leicht zu steuern, lässt sich fast überall landen, hat recht große Zuladungskapazitäten bei vergleichsweise geringem Eigengewicht, lässt sich einfach warten, ist unverwüstlich und hat einen unvergleichlichen "Sound". Die deutsche Bundeswehr beschaffte die UH-1D in großem Stil (Heer: 204 Stück; Luftwaffe: 132 Stück). Durch diesen leichten Mehrzweckhubschrauber wurden ab dem 15.02.1968 die älteren Maschinen abgelöst, die ganz am Anfang noch im Dienst standen - wie beispielsweise die H34 und Alouette- Kleinsthubschrauber. Ab Anfang der 70er Jahre bildeten die Bell UH-1D in Verbindung mit der Westland SeaKing MK 41 sowie der BO 105 und später der Sikorsky CH53 schnell eine solide Basis aus wenigen Typen, die bei der Bundeswehr zuverlässig flogen und fliegen.

 

Weitere Verwendung bei der Luftwaffe

Trotz recht großer Außenabmessungen sind Landungen auf kleiner Fläche mit der UH-1D kein Problem

Trotz recht großer Außenabmessungen sind Landungen auf kleiner Fläche mit der UH-1D kein Problem
Foto: Team www.sar71.de

Die Bell UH-1D der Bundeswehr werden inzwischen durch großen Wartungsaufwand in einem Top-Zustand gehalten. Auch wenn die Bell UH-1D nur über ein Triebwerk verfügt und es inzwischen durchaus Maschinen mit mehr bzw. stärkeren Triebwerken gibt, so lassen sich doch nur verschwindend wenige der (sowieso nicht häufig vorkommenden) Zwischenfälle im Flugbetrieb der Bell UH-1D der Bundeswehr auf technische Mängel zurückführen. Vermutlich wird die Bell UH-1D noch bis über 2010 hinaus bei der Bundeswehr fliegen.

 

Nachfolger NH 90

Allerdings sollen für den SAR-Dienst zukünftig Allzweckhubschrauber vom neuen Typ NH 90 eingesetzt werden. Da diese sich aufgrund ihrer Größe nicht für den Einsatz in der Zivilluftrettung eignen, werden die verbliebenen Maschinen vom Typ UH-1D an den Rettungszentren nach und nach durch andere Muster, zumeist von anderen deutschen Luftrettungsbetreibern, ersetzt werden müssen. Dieser Prozess ist mittlerweile fast vollständig abgeschlossen; jedoch stehen in Neustrelitz weiterhin Bell UH-1D standardmäßig mit einem Notarzt besetzt bereit. Dort bereitet man sich allerdings bundeswehrseitig bereits auf die Abgabe der Station an die ADAC Luftrettung Mitte 2006 vor. Der Standort Hamburg war erst im Januar 2006 auf einen gemeinschaftlichen Betrieb durch Bundespolizei (Piloten, Bordtechniker, Hubschrauber Bell 212) und Bundeswehr (Standort, med. Crew) umgestellt worden. Bis alle SAR-Kommandos jedoch mit NH 90 ausgestattet sein werden, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit aufgrund der angespannten Finanzlage des Bundes noch einige Zeit vergehen.

Maschinenwechsel am Bundeswehr-Rettungszentrum

Maschinenwechsel am Bundeswehr-Rettungszentrum
Foto: Team www.sar71.de

Nach Indienststellung der NH 90 wird hingegen der SAR-Dienst ein komplett anderes Gesicht haben, da sich die tägliche Praxis des SAR-Dienstes unter Nutzung dieses Hubschraubermusters ebenfalls grundlegend ändern wird. So werden vor allem die Einsätze im Rahmen der dringenden Nothilfe abnehmen, während man sich für "richtige" SAR-Einsätze sehr viel besser gerüstet sieht.

Abgabe des allerletzten verbliebenen Bundeswehr-Rettungszentrumsin Neustrelitz

Abgabe des allerletzten verbliebenen Bundeswehr-Rettungszentrumsin Neustrelitz
Foto: Uwe Mattuschka