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Hightech auf Kufen: Christoph 77 (Teil 3)

10.05.2005

In dieser Reportagenserie sind erschienen:

Vom Buchdruck zur Luftrettung – unsere Reportage

Lesen Sie im dritten Teil unserer Reportage über die Hubschrauberstation in Mainz:

  • Die Merkmale der neuen Einsatzmaschine "EC 145";
  • das Tragensystem "AMICUS";
  • die Besetzung von "Christoph 77" und
  • seine Einsatzzahlen.
 

Christoph 77: Was ist und was wird...

 

Ein neues Kapitel des Christoph 77 wurde am 28.07.2004 mit dem Abzug der MD 900 (D-HITH), deren Leasingverträge ausgelaufen waren, und dem ersten Einsatz der neuen EC 145 (D-HLRG) angebrochen. Mit der neuen Maschine kamen auch einige Neuerung und Verbesserungen. Zwar war die MD 900 sehr geschätzt bei den Mainzern, doch die langen Wartezeiten auf Ersatzteile und die damit verbundene hohe Ausfallsrate veranlasste den ADAC, eine der beiden neuen EC 145 (D-HLRG und D-HWVS) in Mainz zu stationieren.
Diese Entscheidung stellte sich nach rund einem Jahr “Erprobungsphase“ als positiv heraus. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten wie Leistungsproblemen im Sommer 2004, bedingt durch sehr niedrige Luftdichte, konnte sich die noch leisere EC 145 behaupten. Vor allen Dingen steht der sehr große Innenraum von 6m3 im Vordergrund. Dieser ist ergonomisch gestaltet und gewährleistet so eine noch bessere Versorgungsmöglichkeit des Patienten während des Fluges. Darüber hinaus bietet dies neben der besseren Unterbringung von Geräten und Materialen auch die Möglichkeit zur Mitnahme einer zusätzlichen Person wie etwa eines angehenden HCM oder Notarztes.

Flüssigsauerstoff in der EC 145

Flüssigsauerstoff in der EC 145 "D-HWVS"
Foto: Hermann-Josef Gundlach

Ein für den Einsatz von Nachtsichtbrillen geeignetes Glascockpit, ein Vierachs-Autopilot, ein schwenkbarer Landescheinwerfer sowie ein Wetterradar runden die fliegerische Komponente ab. Zusätzlich kann auf der EC145 D-HWVS (Christoph 71) in einem speziellen Behälter auf wenig Raum Flüssigsauerstoff mitgeführt werden, wobei das Volumen ca. 8000 Litern entspanntem Sauerstoff entspricht.
Zum Einsatz kommt auch eine neue Trage vom Typ AMICUS (ADAC Medical Intensive Care Unit System). Die 2 m lange und 80 kg schwere Trage wurde in Zusammenarbeit von Dr. Stolpe und Bucher Aerolite entwickelt und besteht aus drei Teilen.

Es setzt sich zusammen aus einer 5-fach verstellbaren Trage mit integrierter Schaufeleinheit, einem Zwischenteil zur Unterbringung der medizinischen Geräte und Material für Intensivtransporte, sowie der Fahreinheit.

Ein Teil des Tragensystems

Ein Teil des Tragensystems "Amicus" mit 5 Verstellmöglichkeiten
Foto: Pedro Bargon

Das Zwischenteil wird nur bei Bedarf aufgenommen und ist regulär wie auch der Inkubator am Standort vorgehalten.

Im September 2004 kam ein Schrank hinzu, welcher von der Firma Aerolite Max Bucher AG aus extrem festem und leichtem Aluminium gebaut wurde und im hinteren Teil der Maschine montiert ist.

Hier können nun Geräte und Ausrüstung sauberer und besser griffbereit verstaut werden. Mit ihm kam auch ein neuer Intensivtisch, der am Ende der Trage angebracht wird und sich zum Umlagern des Patienten um bis zu 20cm verschieben lässt. Somit ist eine vorherige Demontage der Geräte, wie bisher, nicht notwendig und eine noch bessere Überwachung des Patienten wird ermöglicht.

Crew

Zur Besatzung zählt ein Notarzt bzw. eine Notärztin, ausschließlich Fachärzte der Anästhesie, die u.a. neben dem Fachkundenachweis „Notfallmedizin“ den Kursus “Intensivtransport“ absolviert haben und mindestens eine 12-monatige Tätigkeit auf einer Intensivstation nachweisen müssen. Ein Großteil der Ärzte verfügt über die Zusatzbezeichnung “Spezielle Anästhesiologische Intensivmedizin“ und/ oder gehört der “Leitenden Notarzt Gruppe der Stadt Mainz und des Landkreises Mainz-Bingen“ an.

Tragensystem

Tragensystem "Amicus" mit dem so genannten Intensivtisch
Foto: Pedro Bargon

Die Rettungsassistenten werden tagsüber vom ASB Mainz gestellt, welche auch über die Zusatzqualifikation HEMS-Crew-Member (HCM) verfügen. Tagsüber wird mit einem Piloten (7-Tage Dienst), sowie Notarzt/in und HCM geflogen. Aus Sicherheitsgründen fliegt man nachts mit zwei Piloten, welches auch das Mitfliegen von Rettungsassistenten/-innen möglich macht, die nicht über die Zusatzqualifikation "HCM" verfügen. Diese Rettungsassistenten kommen nicht nur vom ASB Mainz sondern auch vom ASB Wiesbaden. Die medizinische Crew verfügt über entsprechende Kenntnisse der Intensivmedizin und präklinischen Notfallmedizin. Neben den vorgeschriebenen Fortbildungslehrgängen werden auch alle drei Wochen mit Ausnahme der Ferien in Eigenregie geführte Schulungen am Standort abgehalten, die neben Einweisung z.B. bei Neuerungen an der Maschine auch dazu dienen, die Kollegen auf dem neusten Stand der Medizin, der Technik, den Studien und Entwicklungen zu halten.

Viel Platz zur Verfügung der medizinischen Crew

Viel Platz zur Verfügung der medizinischen Crew
Foto: Jonas Lettmann

Während der Notarzt regulär Dienst auf seiner Abteilung versieht und bei einer Alarmierung mit dem Fahrrad zum Heliport kommt, bleiben HCM und Pilot auf der Station. In den Nachtstunden schlafen Rettungsassistent/in und Notarzt/in in der Regel zu Hause, während die Piloten in der seit Januar 1998 existierenden angemieteten Wohnung in der Nähe zur Klinik übernachten. Diese verfügt u.a. auch über alle nötigen Materialen zur Flugvorbereitung. Alarmiert wird tagsüber primär über Auslösung der Meldeempfänger, hingegen wird rund um die Uhr sekundär via Telefon alarmiert.

Start zum nächsten Einsatz; der Rettungsassistent kontrolliert die Sicherheit der Maschine

Start zum nächsten Einsatz; der Rettungsassistent kontrolliert die Sicherheit der Maschine
Foto: Jonas Lettmann

Christoph 77 - nicht nur tagsüber einsatzbereit, sondern rund um die Uhr verfügbar

Christoph 77 - nicht nur tagsüber einsatzbereit, sondern rund um die Uhr verfügbar
Foto: Jonas Lettmann

Auch der Sektor der post-primären Luftrettung bei Nacht wurde verbessert. So hat man im primären Einsatzradius von Christoph 77 ein Nachtlandeplatznetz geschaffen, welches 41 Landeplätze umfasst. Zumeist sind es Sportplätze oder großflächige Wiesen, die man bei Bedarf 'umfunktioniert' und durch die örtlichen Feuerwehren ausgeleuchtet werden. Diese Landeplätze sind meist in der Nähe von Unfallschwerpunkten so wie in Gemeinden angesiedelt, die man in Eigeninitiative der Besatzung in mehr als 3000 km per Auto und rund 10 Flugstunden angeflogen, ausgekundschaftet und dokumentieren hat. Somit kann die Sicherheit der Besatzung und Maschine auch bei Nacht gewährleistet werden.

Begriffsklärung "Post-Primäre Luftrettung":

Bei einer primären Indikation fliegt der Hubschrauber direkt die Landestelle an. Ist dies z.B. auf Grund der Örtlichkeiten bzw. Gegebenheiten wie in der Nacht nicht möglich, fliegt der Hubschrauber zu einem vereinbarten Landeplatz wie z.B. einem Sportplatz. Dort nimmt man den vom RTW gebrachten Patienten auf um in eine Klinik zu verbringen. Hierbei sprich man dann von "Post-Primär".

Nähere Informationen zu Christoph 77 sowie zu dem Mainzer Rucksäcken und dem System BANI können Sie in Teil 1 und 2 unserer Reportage abrufen.

Download

Sie können auch die gesamte Reportage als PDF-Datei herunterladen (ca. 1,2 MB).

Gut erkennbar unter anderem Navigationshilfe und Notfallrucksack auf dem Tragenkopfteil, sowie die Funkeinheit mit Statusgeber über dem Regal im Seitenfenster. Oberhalb des Tragenfußteils angebracht s

Gut erkennbar unter anderem Navigationshilfe und Notfallrucksack auf dem Tragenkopfteil, sowie die Funkeinheit mit Statusgeber über dem Regal im Seitenfenster. Oberhalb des Tragenfußteils angebracht s
Foto: Jonas Lettmann

 
Autor(en)
Jonas Lettmann
Wir danken:
M. Müller, P. Bargon, Dr. G. Scherer, Team Christoph 77