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Tag der offenen Tür am Johanniter-Luftrettungszentrum Reichelsheim (Wetterau)

14.09.2017

Im Frühjahr 2017 konnte am Verkehrslandeplatz Reichelsheim in der Wetterau (EDFB) das neue Sozialgebäude der Johanniter Luftrettung in Betrieb genommen werden (rth.info berichtete). Am Sonntag, den 3. September hatte nun die Öffentlichkeit erstmals die Möglichkeit, sich den neuen Funktionsbau anzuschauen – zumindest von außen. Möglich machte dies ein Tag der offenen Tür, zu dem die Johanniter Luftrettung gemeinsam mit ihrem Partner HeliFlight GmbH & Co. KG von 10 bis 16 Uhr Besucherinnen und Besucher aus nah und fern eingeladen hatte.

Im Mittelpunkt des Interesses der Besucher: die Schauübung von Feuerwehr und Johannitern mit Beteiligung des ITH “Christoph Mittelhessen“

Im Mittelpunkt des Interesses der Besucher: die Schauübung von Feuerwehr und Johannitern mit Beteiligung des ITH “Christoph Mittelhessen“

Foto: Tobias Klein

Und Tausende folgten dieser Einladung. Dies lag wohl nicht nur am schönen Wetter, sondern war auch der kurzfristig anberaumten Evakuierung der Frankfurter Innenstadt geschuldet. Aufgrund des Fundes einer britischen Luftmine bei Bauarbeiten mussten am Sonntag rund 65.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen wurden evakuiert. Die Johanniter selbst waren mit zahlreichen Einsatzkräften in die Evakuierungsmaßnahmen eingebunden, was direkte Auswirkungen auf den Tag der offenen Tür in Reichelsheim hatte. Statt einheimischen Rettungskräften aus Mittelhessen kamen Johanniter aus dem bayerischen Regionalverband Unterfranken mit ihrem Notarzteinsatzfahrzeug und Rettungswagen bei der Schauübung zum Einsatz, auch konnte der zweite Intensivtransporthubschrauber (ITH) der Johanniter Luftrettung nur im Static Display gezeigt werden, da das umfangreiche medizinisch-technische Equipment des Reserve-ITH zur Verstärkung zusätzlicher Intensivtransportwagen (ITW) zur Verfügung gestellt wurde.

Dicht umringt: die AS 365 N3 mit dem Kenner D-HFKG

Dicht umringt: die AS 365 N3 mit dem Kenner D-HFKG

Foto: Jörn Fries

Während Gerd Schröder als junger Sozi am Zaun des Kanzleramtes rüttelte, versucht es der kleine Junge mit der Tür des Intensivtransporthubschraubers

Während Gerd Schröder als junger Sozi am Zaun des Kanzleramtes rüttelte, versucht es der kleine Junge mit der Tür des Intensivtransporthubschraubers

Foto: Jörn Fries

Die Johanniter aus Mainz/Rheinhessen waren mit ihrer JUH-Motorradstaffel angereist und konnten sich kaum vor Anfragen retten. Das galt auch für die dienstfreien Besatzungen der Johanniter Luftrettung (Notärzte und HEMS TC) bzw. von HeliFlight (Piloten), die sich den Fragen der Großen und Kleinen stellten und jede noch so oft wiederholte Frage gerne und ausführlich beantworteten. Während die medizintechnisch herabgerüstete Ersatzmaschine (mit dem Kenner D-HFKG) ausgiebig begutachtet werden konnte, stand der ITH “Christoph Mittelhessen“ (D-HJOH) für Dritte unzugänglich in der Nähe des Towers. Anfänglicher Bodennebel, der auch die Bombenentschärfung in Frankfurt am Main um mehrere Stunden verzögerte, sich allerdings gegen 12 Uhr auflöste, sowie die weiträumige Sperrung des Luftraumes über der Rhein-Main-Metropole sorgten dafür, dass der ITH “Christoph Mittelhessen“ während des Tages der offenen Tür zu keinem realen Notfalleinsatz alarmiert werden musste.

Fürs digitale Familienalbum: Jungs (und auch Mädchen) auf den farbenfrohen Motorrädern der Mainzer JUH-Motorradstaffel

Fürs digitale Familienalbum: Jungs (und auch Mädchen) auf den farbenfrohen Motorrädern der Mainzer JUH-Motorradstaffel

Foto: Jörn Fries

Rundflüge

Das ebenfalls am Reichelsheimer Flugplatz ansässige Unternehmen HeliFlight bot mit seinen beiden weißen Robinson R44 und einer schwarzen R66 bereits am Vormittag Rundflüge zu günstigen Preisen an. Lange Schlangen am späten Vormittag bewiesen, dass Rundflüge immer noch ein Publikumsmagnet sind. Nachmittags wurde deshalb eine dritte Robinson R44 eingesetzt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in hellblauen HeliFlight-Poloshirts standen den ganzen Tag für Fragen rund um die Fliegerei parat, das Flugplatzrestaurant war sehr gut besucht.

Die Rundflüge mit den weißen Robinson R44 ...

Die Rundflüge mit den weißen Robinson R44 ...

Foto: Jörn Fries

... und der schwarzen R66 wurden sehr gut nachgefragt

... und der schwarzen R66 wurden sehr gut nachgefragt

Foto: Jörn Fries

Kinderbelustigung

Für die kleinen Besucher hatten die Johanniter eine Hüpfburg, eine Kasten-Rutschbahn, diverse Spiele, Kinderschminken sowie den Besuch von zwei besonderen Vorbildern organisiert: Für die ganz Kleinen kam die aus dem gleichnamigen Märchen bzw. vom 2005er Disney-Film bekannte Eiskönigin vorbei, für die etwas Älteren waren die Geisterjäger aus der Fimreihe “Ghost Busters“ unterwegs. Wer wollte, konnte sich mit seinen (Kindheits-)Helden fotografieren lassen. Für das richtige Souvenir sorgte der Stand der Johanniter Luftrettung, wo man Plakate, Schlüsselanhänger, Modellhubschrauber und andere Devotionalien der Johanniter Luftrettung käuflich erwerben konnte.

CEO Günther Lohre begrüßte am Vormittag die zahlreichen Gäste – begleitet von den Geisterjägern der so genannten “German Division“ der Ghostbusters

CEO Günther Lohre begrüßte am Vormittag die zahlreichen Gäste – begleitet von den Geisterjägern der so genannten “German Division“ der Ghostbusters

Foto: Jörn Fries

Die Eiskönigin stellte sich mit ihrem Olaf dem Fotografen

Die Eiskönigin stellte sich mit ihrem Olaf dem Fotografen

Foto: Jörn Fries

Ein gefragter Kaufartikel war das Modell der “Dauphin“ – allerdings noch im alten Corporate Design der Johanniter Luftrettung

Ein gefragter Kaufartikel war das Modell der “Dauphin“ – allerdings noch im alten Corporate Design der Johanniter Luftrettung

Foto: Jörn Fries

Schauübung

Absolutes Highlight der Veranstaltung war die Schauübung am frühen Nachmittag. Die leitliniengerechte Versorgung und Rettung eines verunfallten Autofahrers sowie die Betreuung weiterer Betroffener durch die zuerst eintreffende Feuerwehr und die kurze Zeit später eintreffenden bodengebundenen Rettungskräfte sowie die anschließende Übergabe eines schwerst verletzten Patienten an die Besatzung des ITH “Christoph Mittelhessen“ nahmen die Gäste in ihren Bann. Dass der ITH einen Alarmstart imitierte und anschließend einen Überflug über das Gelände mitsamt Landung in unmittelbarer Nähe zum vermeintlichen Notfallort durchführte, ließ den Unterschied zwischen Übung und Realeinsatz verblassen.

Der ITH “Christoph Mittelhessen“ startete zu seinem Übungseinsatz

Der ITH “Christoph Mittelhessen“ startete zu seinem Übungseinsatz

Foto: Jörn Fries

Am Übungsort wurde der ITH “Christoph Mittelhessen“ schon sehnsüchtig erwartet, nicht nur von den vielen Schaulustigen ...

Am Übungsort wurde der ITH “Christoph Mittelhessen“ schon sehnsüchtig erwartet, nicht nur von den vielen Schaulustigen ...

Foto: Jörn Fries

..., sondern auch von den zahlreichen Übungsteilnehmern

..., sondern auch von den zahlreichen Übungsteilnehmern

Foto: Tobias Klein

Für das leibliche Wohl wurde natürlich auch gesorgt. Es bildeten sich lange Schlangen an den Pommes-Wurst- bzw. Kuchen&Kaffee-Ständen. Hier hätte man durchaus weitere Stände aufbauen können, wenn denn Platz gewesen wäre. Denn jeder Zentimeter rund um das neue Sozialgebäude der Johanniter Luftrettung und den großen HeliFlight-Hangar wurde genutzt, um den Besucherinnen und Besuchern die Faszination Luftrettung näherzubringen.

CEO Günther Lohre, Leitender Hubschrauberarzt Mumi Abou-Taleb und Stationsleiter Olaf Pérez Preiss hatten mit Unterstützung ihres Johanniter-Luftrettung-Teams und der Verantwortlichen von HeliFlight ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, auf das man als Helispotter und Familienvater ungern noch einmal fünf Jahre warten möchte, denn der letzte Tag der offenen Tür am Reichelsheimer Luftrettungszentrum, damals noch als “Christoph-Hessen-Tag“ bezeichnet, fand im Mai 2012 statt (rth.info berichtete). Auf die eingesetzten Hubschrauber muss man aber nicht mehr so lange warten, denn bereits am vorletzten Septemberwochenende wird es ein Wiedersehen mit den ITH der Johanniter Luftrettung und den Robinson R44 der HeliFlight geben. Denn vom 22. bis 24. September findet in der Rhein-Mosel-Stadt Koblenz der Bundeswettbewerb Erste Hilfe der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. statt, bei dem sich die Johanniter dem Publikum mit ihren vielfältigen Tätigkeitsfeldern präsentieren wollen. Auf dem Freigelände der Festung Ehrenbreitstein, die sich gegenüber dem Deutschen Eck befindet und mit einer über den Rhein fahrenden Seilbahn zu erreichen ist, werden der ITH “Air Rescue Nürburgring“ (vermutlich die D-HFKG) und ein weiterer ITH (vermutlich die D-HJOH) stationiert und für Besucher zugänglich sein. Rundflüge mit den beiden weißen Robinson R44 werden von HeliFlight von der nur wenige hundert Meter entfernten Panzerkaserne aus angeboten. Eine Vorabanmeldung im Internet ist nicht notwendig.

Autor(en)
Jörn Fries
Tobias Klein

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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