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Tag der offenen Tür in Bra-sur-Lienne

10.09.2013

Am Sonntag, den 8. September 2013, lud das Centre Médical Héliporté (CMH) in Bra-sur-Lienne (Belgien) zum Tag der offenen Tür ein. Diese Einladung wurde von etwa 2.000 begeisterten Besuchern wahrgenommen. Das Fest soll Anlass sein, um die Station von „Spirit of St. Luc“ einmal etwas genauer vorzustellen.

Bereits früh am Tag kamen zahlreiche Gäste

Bereits früh am Tag kamen zahlreiche Gäste

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Im Mittelpunkt stand die Einsatzmaschine vom Typ EC 145 (Kennung "OO-NHB")

Im Mittelpunkt stand die Einsatzmaschine vom Typ EC 145 (Kennung "OO-NHB")

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Was im Jahr 1986 mit einem privaten bodengebundenen Notarzt begann, ist heute ein unverzichtbarer Teil des Rettungsdienstes in den belgischen Provinzen Lüttich und Luxemburg sowie der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Grenzüberschreitende Anforderungen nach Deutschland sind auch möglich, jedoch die große Ausnahme. Im Jahr 1997 wurde der Luftrettungsdienst mit einer Sikorsky S-76 aufgenommen. Von 2003 bis 2006 flogen die Luftretter der CMH mit einer Aérospatiale / Sud Aviation SA 365.

Seit 2006 ist eine EC 145 mit der Kennung „OO-NHB“ und dem Rufnamen „Spirit of St. Luc“ als Stammmaschine in Bra-sur-Lienne stationiert. Im Jahr 2012 stand kurzfristig eine MD 900 als Ersatzmaschine in Bra. Allerdings wird diese mittlerweile in Frankreich eingesetzt. Des Weiteren steht ständig ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) für Einsätze zur Verfügung, sofern der Einsatz des Hubschraubers nicht möglich ist. Für die Zukunft gibt es Überlegungen, am Standort ständig eine zweite Maschine zu stationieren. Diese Pläne befinden sich allerdings noch im Anfangsstadium.

Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) steht rund um die Uhr an der Station bereit und wird durch die medizinische Besatzung des Hubschraubers besetzt, sofern ein Flug nicht möglich ist

Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) steht rund um die Uhr an der Station bereit und wird durch die medizinische Besatzung des Hubschraubers besetzt, sofern ein Flug nicht möglich ist

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Die Maschine der CHM ist 24 Stunden am Tag einsatzbereit. In den Anfangsjahren wurden jährlich zwischen 200 und 300 Einsätze geflogen. Diese Zahlen steigerten sich von Jahr zu Jahr. 2012 gab es insgesamt 1117 Einsätze, von denen ca. 1/3 Nachteinsätze waren. 106 Einsatzstellen befanden sich im vergangenen Jahr im Bereich der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Bereits seit 2006 wird am Standort in Bra der Hubschrauber vom Typ EC 145 eingesetzt

Bereits seit 2006 wird am Standort in Bra der Hubschrauber vom Typ EC 145 eingesetzt

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Als Besonderheit steht den Besatzungen ein europaweit einmaliges System zur Verfügung, in welchem Beleuchtungsanlagen von speziellen Landeplätzen per Handy ferngesteuert werden können. Im Jahr 2006 ereignete sich im Einsatzgebiet der CHM ein schwerer Verkehrsunfall bei Nacht, zu dem der RTH wegen fehlender Landungsmöglichkeiten im Dunkeln jedoch nicht eingesetzt werden konnte. Im Unterstützungsausschuss entstand daraufhin die Idee, auf Flächen, die über eine Beleuchtungsanlage verfügen (z.B. Sportplätze), diese mittels Fernsteuerung einzuschalten. Ein solches Vorgehen würde den Besatzungen eine sichere Landemöglichkeit bei Nacheinsätzen bieten. Nach Planungs- und Entwicklungsphase konnten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die sich aktiv an dem Projekt beteiligte, im Jahr 2009 zwanzig Plätze eingerichtet werden, die per Handy und spezieller Verschlüsselungstechnik bei Bedarf durch die Hubschrauberbesatzung beleuchtet werden können. Die Beleuchtungsanlagen sind so geschaltet, dass die Anlage eine Stunde aktiviert ist. Nach 50 Minuten erhält die Besatzung automatisch eine SMS, die sie darüber informiert, dass sich die Anlage in weiteren zehn Minuten deaktiviert. Bei Bedarf kann die Beleuchtung anschließend für eine weitere Stunde eingeschaltet werden. Aktuell sind bereits 90 Plätze in das Projekt eingebunden. Bei Interesse an diesem Projekt hat sich Herr Karl Heinz Cornely vom Direktionsausschuss CHM Asbl bereiterklärt, über die Erfahrungen mit dem System zu informieren.

Ein gutes Beispiel für die Zweckmäßigkeit des Systems und die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Euregio zeigte sich am frühen Abend des 6. September 2013. Durch die Leitstelle Lüttich wurde der Rettungshubschrauber „Christoph Europa 1“ zu einem Einsatz nach Eupen (B) bei der Leitstelle der StädteRegion Aachen angefordert. Die Station in Bra-sur-Lienne wurde informiert und schaltet die Beleuchtung eines Sportplatzes in Eupen zwecks Landung von „Christoph Europa 1“ ein.

Die Besatzungsmitglieder nahmen sich viel Zeit für die interessierten Gäste

Die Besatzungsmitglieder nahmen sich viel Zeit für die interessierten Gäste

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Nun zurück zum Tag der offenen Tür: Im Mittelpunkt des Tages stand bei den ca. 2000 Besuchern bzw. Besucherinnen natürlich die EC 145, die ausgiebig inspiziert werden konnte. Viele Besucher (nicht nur die Kleinen) nutzen die Möglichkeit, einmal auf dem Pilotensitz eines Hubschraubers Platz zu nehmen. Die zahlreich anwesenden Stationsmitglieder beantworteten sehr freundlich alle Fragen. Bis zum Mittag wurde die Besatzung zu zwei Einsätzen alarmiert. Bei der Rückkehr zur Station zeigte der Pilot den Besuchern einen Ausschnitt der Leistungsfähigkeit einer EC 145. Diese Flying Displays wurden von den zahlreichen Zuschauern mit großem Applaus honoriert.

Abflug des Hubschraubers mit dem Rufnamen "Spirit of St. Luc“ zu einem Einsatz

Abflug des Hubschraubers mit dem Rufnamen "Spirit of St. Luc“ zu einem Einsatz

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Das Unterstützungskomitee verkaufte verschiedene Artikel mit dem Logo des CMH

Das Unterstützungskomitee verkaufte verschiedene Artikel mit dem Logo des CMH

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Neben einem Stand, der Artikel mit dem Logo der Station anbot, gab es eine Fotoausstellung mit Bildern der Station und der Maschine. Außerdem wurde eine Computerpräsentation über die Geschichte der CMH angeboten. Ein privater Flugdienst bot Hubschrauberrundflüge an, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Polizei informierte über die Gefahren bei Alkohol im Straßenverkehr. Kinder konnten sich auf einem Polizeimotorrad fotografieren lassen. Das Rote Kreuz war mit einem Dummy vor Ort, an dem Interessenten Maßnahmen zur Reanimation üben konnten. Die Regionen boten einen Überblick über ihr touristisches Angebot. Abgerundet wurde alles durch ein reichhaltiges und sehr gutes kulinarisches Angebot.

Mit einer privaten Robinson R44 konnte man einen Rundflug über die Ardennen machen

Mit einer privaten Robinson R44 konnte man einen Rundflug über die Ardennen machen

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Nicht nur die Triebwerktechnik wurde vielfach abgelichtet

Nicht nur die Triebwerktechnik wurde vielfach abgelichtet

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Das Gelände der Station bot viel Platz für die unterschiedlichen Aktionen zum Tag der offenen Tür

Das Gelände der Station bot viel Platz für die unterschiedlichen Aktionen zum Tag der offenen Tür

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Wir bedanken uns bei Herrn Karl Heinz Cornely (Verwalter und Mitglied des Direktionsausschusses CMH Asbl) für die Informationen. Das deutschsprachige Unterstützungskomitee wurde im Jahr 2003 gegründet. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich.

Die "Spirit of St. Luc" startet zum 2. Einsatz an diesem Tag

Die "Spirit of St. Luc" startet zum 2. Einsatz an diesem Tag

Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Der nächste Tag der offenen Tür in Bra wird voraussichtlich im Jahr 2015 stattfinden.

Autor(en)
Tim und Ralph Nußbaum
Wir danken:
Karl Heinz Cornely

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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