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Zivilschutz-Hubschrauber 2007: Jahr im Rückblick

03.01.2008

Auch die Bell 212 wird nach langen Einsatzjahren ausgephast

Auch die Bell 212 wird nach langen Einsatzjahren ausgephast
Foto: Dirk Weinberg

Noch vor einiger Zeit hatte es so ausgesehen, als wenn sich das Bundesministerium des Innern (BMI) mit den Zivilschutz-Hubschraubern (ZSH) vollständig aus der Luftrettung zurückziehen würde. Umfangreiche Investitionen bei angespannter Haushaltslage zur erforderlichen Erneuerung der Hubschrauber-Flotte schreckten verantwortliche Stellen ab.
Letztlich wurde aber doch die Entscheidung zum Verbleib in der Luftrettung getroffen. Damit ist trotz der erneuten Reduzierung von 16 auf nunmehr 12 Luftrettungszentren ein deutliches Zeichen zugunsten des Bevölkerungsschutzes und der Daseinsvorsorge für die Bürger in Deutschland gesetzt worden.

Ein ereignisreiches Jahr

Neue Technik

Über die technischen Neuerungen wurde bereits verschiedentlich berichtet

Über die technischen Neuerungen wurde bereits verschiedentlich berichtet
Foto: Werner Latten

Bei der Einführung eines neuen Hubschraubers mussten die Belange des Bevölkerungsschutzes und die der Medizin zusammengebracht werden.

Nach der grundsätzlichen Entscheidung für die EC 135 wurde eine Wechselausstattung der Firma AirAmbulanceTechnology (Österreich) konzipiert, die sich in vergleichbarer Form bereits bei anderen Betreibern der Luftrettung bewährt hat.
So war es möglich, spezifische Gesichtspunkte (z.B. eingesetzte medizinische Geräte) der Station zu berücksichtigen und gleichzeitig flugbetriebliche Rahmenbedingungen zu erfüllen.

Damit kann unabhängig von der eingesetzten EC 135 immer der stationsspezifische Satz für die Luftrettung eingerüstet werden.

Indienststellungen

Bereits am 31. Januar 2007 wurden die beiden ersten Hubschrauber EC 135 in der orangefarbenen Lackierung in der neuesten Version "T2i" von Eurocopter Deutschland (ECD) an das BMI übergeben.

Ärzte, Rettungsassistenten und Piloten vor dem neuen Hubschrauber

Ärzte, Rettungsassistenten und Piloten vor dem neuen Hubschrauber
Foto: Werner Latten

Seit dem 30. März bewähren sich die Maschinen an den Standorten Christoph 14 und 17. Die Erfahrungen und die Besonderheiten gerade an diesen beiden Standorten konnten bei den weiteren Entwicklungen berücksichtigt werden.

Zum Jahresende 2007 ging es mit dem Modellwechsel der ZSH sehr schnell weiter. Im November erhielt das Luftrettungszentrum Christoph 34 in Güstrow pünktlich zu seinem Geburtstag den neuen Hubschrauber. Damit endet eine bewegte Geschichte mit unterschiedlichen Zuständigkeiten der BPOL und entsprechend eingesetzten Hubschraubern.

Die jüngste Umstellung: Brandenburg an der Havel

Klar zum Abflug

Klar zum Abflug
Foto: Werner Latten

Schon am 12. Dezember 2007 wurde nachmittags der neue Hubschrauber EC 135 T2i D-HZSI aus Blumberg nach Brandenburg überführt. Christoph 35 ist oberhalb des Städtischen Klinikums stationiert. Für den Flugbetrieb an beiden Standorten ist die Bundespolizei (BPol)-Fliegerstaffel Ost in Blumberg zuständig. Dort waren zuvor auch die Piloten und medizinischen Besatzungen eingewiesen worden. Nach Ende der täglichen Einsatzzeit räumten die Besatzungsmitglieder die Ausstattung unter den wachsamen Augen des Leitenden Hubschrauberarztes Dr. Martin Hochstatter aus der BO 105 CBS-5 "D-HGST" um, so dass am nächsten Morgen die EC 135 einsatzbereit war. Am 13. Dezember erfolgte um 8:57 Uhr der erste Start zu einem internistischen Notfall nach Wilhelmsdorf, einem Ort in der Nähe.

Die eigentliche Übergabe erfolgte am 20. Dezember 2007 im Luftrettungszentrum. Die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg, Dagmar Ziegler, freute sich, den ZSH an Michael Brandt, Beigeordneter der Stadt Brandenburg an der Havel, dem Träger des Luftrettungszentrums, übergeben zu können.

Rückblick in Brandenburg

Angefangen hatte die Luftrettung in Brandenburg mit einer Bell UH-1D, einem von sechs Hubschraubern, die das BMI von der Bundeswehr für Zwecke des Zivilschutzes im Zusammenhang mit der Errichtung von fünf in den neuen Ländern nach der Wiedervereinigung übernommen hatte.

Für die Sicherstellung des Einsatzbetriebes an den beiden Luftrettungszentren Brandenburg und Güstrow in Zuständigkeit der Staffel Ost wird ein Ersatz-Hubschrauber vorrangig in Blumberg stationiert. Die EC 135 D-HZSK ist bereits von ECD ausgeliefert und wird zur Aus- und Fortbildung der Einsatzpiloten genutzt. Sie verfügt nicht über eine medizinische Schnellwechsel-Ausstattung. Damit kann bei Bedarf immer der an der jeweiligen Station vorhandene Satz mit speziellem Gerät nach den örtlichen Bedürfnissen eingerüstet werden.

Weitere Ablösung schon auf dem Weg

Von ECD ausgeliefert ist auch die jüngste EC 135 T2i mit der Kennung D-HZSL. Der Hubschrauber befindet sich bereits in der Bundespolizei-Fliegerstaffel Mitte in Fuldatal. Die Notärzte und Rettungsassistenten von Christoph 7 erhalten dort ihre Einweisung in die medizinische Wechselausstattung und die neue Technik der Maschine, die Einsatzpiloten der Staffel machen sich mit der Maschine vertraut. Damit kann am 18. Januar 2008 der Flugbetrieb am Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Kassel aufgenommen werden. Die feierliche Übergabe findet für geladene Gäste des Hessischen Sozialministeriums um 10 Uhr in der Messehalle 1 statt.

Statistiken zu erwarten

Aufschluss über den Stand der Einsätze aller ZSH wird die Statistik 2007 bringen. Sie wird erstmalig die Zahlen für Flüge aufweisen, die über ein ganzes Jahr angefallen sind, ohne abgegebene oder hinzugekommene Luftrettungszentren berücksichtigen zu müssen. rth.info wird hierzu berichten. Die Zahlen in den offiziellen Publikationen der zuständigen Behörde sind veraltet und spiegeln nicht den aktuellen Stand nach der Reduzierung von 16 auf 12 Luftrettungszentren wider.

2008 - ein Ausblick

...für die Techniker!

Bisher sind 12 der vorgesehenen insgesamt 16 Hubschrauber ausgeliefert. Noch im Frühjahr 2008 folgen die restlichen vier Maschinen, so dass der Wechsel auch in Frankfurt, Duisburg und zuletzt Siblin vollzogen werden kann. Damit ist schon jetzt abzusehen, dass die Ära der BO 105 schnell zu Ende gehen wird. Zur Zeit stehen von den seit 1996 insgesamt noch 22 vorhandenen Hubschraubern dieses Typs nur noch acht zur Verfügung: D-HBGS, HGSA, HGSB, HGSC, HGSD, HGST, HGSU und letztlich HGSV, eine BO 105, die als Ersatz für die D-HGSH eingesetzt wurde. Dieser Hubschrauber flog nur an den Stationen im Bereich der BPol-Staffel West, da sich die Cockpit-Konfiguration aufgrund anderer Navigationsgeräte von den anderen Hubschraubern unterscheidet.

Der technische Fortschritt macht nicht Halt. So gilt es, die Möglichkeiten der schnellen Dateneingabe zur Navigation weiter zu verbessern. Das System "Flight Following" der DRF bewährt sich bereits im alltäglichen Einsatz zur Verbesserung der Disponierung der Hubschrauber. Die neuen ZSH bieten die technischen Voraussetzungen für die Nutzung eines derartigen Verfahrens.

Die Erhaltung der Einsatzbereitschaft insbesondere im Winter kann durch eine externe Heizung am Standort verbessert werden. Hierzu wird bei Christoph 4 in Hannover bereits in diesem Winter eine Anschlussmöglichkeit erprobt. Die Station verfügt über eine umfangreiche Erfahrung auf diesem Gebiet, verfügte die dort eingesetzte BO 105 über eine modifizierte Schiebetür mit Anschluss für ein separates Heizgerät.

...für die Hamburger!

Der neue Hangar in Hamburg-Wandsbek nimmt deutliche Formen an

Der neue Hangar in Hamburg-Wandsbek nimmt deutliche Formen an
Foto: Daniel Baumgart

Am Rettungszentrum Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ist der Baufortschritt des neuen Hangars für Christoph 29 deutlich zu erkennen. Der Zeitpunkt der Fertigstellung des Neubaus und damit der Umzug der EC 135 aus dem Tornado-Zelt ist noch nicht bekannt.

Der alte Hangar, in dem die UH-1D der Luftwaffe und für einige Zeit die Bell 212 untergestellt wurden, wird nicht abgerissen, sondern für andere Zwecke des Bundeswehrkrankenhauses genutzt werden.

...für Sammler!

Bereits 2007 haben einzelne Stationen den Maschinenwechsel als Anlass genommen, einen eigenen Aufnäher zu schaffen. Weitere werden 2008 voraussichtlich folgen. Ob es zusätzlich eigene Aufkleber in neuer Ausführung geben wird, bleibt abzuwarten. Die Aufkleber, die die ADAC-Luftrettung zur Verfügung gestellt hat, zeigen zwar eine EC 135 ZSH mit hohem Landegestell, aber nicht detailgetreu mit Radarnase.
Für die einzelnen Luftrettungszentren gibt es bereits Aufnäher und Aufkleber in einheitlichen Design (rth.info berichtete).

...für die Freunde der ILA

Ende Mai öffnet in Berlin-Schönefeld wieder die ILA ihre Pforten. Das HeliCenter wird der internationalen Hubschrauber-Branche die bekannte Plattform zur Darstellung und zum Meinungsaustausch bieten. Sicherlich werden der Flugdienst der Bundespolizei und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Messe nutzen. Ob die neuen ZSH mit ihren Besonderheiten erstmalig dem Fachpublikum präsentiert werden, ist bisher nicht abzusehen.

...für anstehende Jubilare

Auch einige Jubiläen gibt es 2008 zu feiern: 35 Jahre Christoph 29 in Hamburg und 15 Jahre Christoph 35 in Brandenburg. Sicherlich erinnert sich anlässlich der Jubiläen in Ludwigshafen, Bremen, Saarbrücken und Dresden auch jemand daran, dass dort einmal ZSH des BMI zu Hause waren.

... und für den möglichen Doppelstandort Kalkberg

Nicht zuletzt bleibt die Stationierungsfrage von Christoph 3 und Christoph Rheinland in Köln zu beobachten. Ein neuer geplanter Doppelstandort für zwei unterschiedliche Einsatz-Hubschrauber mit zwei unterschiedlichen Betreibern hat seinen Reiz. Bisher sind am öffentlich verkündeten Standort am Kalkberg keinerlei Bauaktivitäten zu erkennen. Damit dürfte eine schnelle Lösung nicht kommen. Aus Presseverlautbarungen kann entnommen werden, dass die lang erhoffte Genehmigung der zuständigen Behörde immer noch nicht vorliegt. Anscheinend wird auch die Möglichkeit eines anderen Standortes in Betracht gezogen.

 
Autoren
Ulrich Schröer