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Wortlaut des Schreibens von MdB Ruck

07.06.2010

Augsburg (BAY) ::  Wie im gestrigen Artikel angekündigt, veröffentlichen wir das Schreiben von Herrn Dr. Ruck im Wortlaut, damit Sie sich selbst ein Bild von der Debatte machen können.

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank für Ihren offenen Brief vom 12. April 2010 in Sachen Stationierung eines Rettungshubschraubers im Rettungsdienstbereich "Augsburg".

Es ist sehr irritierend, dass die Politik von den Medien über den Inhalt Ihres Schreibens erfährt, indem [sic] Sie die Diskussion um eine Stationierung eines Rettungshubschraubers kritisieren.

Ich habe ausführlichst recherchieren lassen und teile Ihre Auffassung, dass Zeit im Rettungswesen mit ein wichtiger Faktor ist. Allerdings kann und darf dieser Faktor kein alleiniges Totschlagargument gegenüber weiteren gleichwertig zu berücksichtigenden Faktoren sein.

Nach meinen Erfahrungen u.a. als Vorsitzender einer Rettungsorganisation, spielen neben der Zeit, die Qualität der notärztlichen Erstversorgung, die notfallmedizinische Ausstattung, die Zahl der zu versorgenden Mitbürger, sowie die Einsatzschwerpunkte eine wichtige Rolle.

Sowohl medizinische, wie strukturelle Fakten lassen deshalb nach gründlicher Abwägung eine Stationierung des geplanten Rettungshubschraubers Augsburg/Nordschwaben nur am Klinikum Augsburg zu.

Strukturelle Fakten:

1. Einsatzschwerpunkt Großraum Augsburg mit 700.000 Einwohnern
Gerade der Einsatzschwerpunkt wird beim Faktor Zeit durch das Gutachten nicht geprüft. Besonders der drittgrößte Ballungsraum Bayerns, Augsburg mit rund 700.000 Einwohnern, sowie die Hauptverkehrsrouten (Bundesautobahnen A8, A96, die autobahnähnlich ausgebaute B17 Augsburg-Landsberg am Lech, sowie die zum Teil autobahnähnlich ausgebaute B2 Fürstenfeldbruck-Augsburg-Donauwörth, die Bundesfernstraßen B10 Augsburg-Ulm, sowie die B300 Krumbach-Augsburg-Ingolstadt) stellen den Einsatzschwerpunkt im Süden des Rettungsdienstbereichs Augsburg dar. Damit liegt die statistisch wahrscheinlichste Einsatzhäufung in diesem Gebiet und nicht im dünnbesiedelten Donau-Ries/Mittelfranken das in kürzester Zeit von Augsburg, Nürnberg oder Ochsenfurt aus erreichbar ist. Das Zentralklinikum liegt geradezu optimal im Zentrum dieses bisher nicht von einem Rettungshubschrauber versorgten Ballungsraum. Gerade bei einer Stationierung des Hubschraubers in Donauwörth, wäre der überwiegende Bevölkerungsanteil von der Versorgungszeit her benachteiligt. Umgekehrt wäre allerdings das Donau-Ries in kürzerster Zeit, auch aufgrund der hohen Reisegeschwindigkeit der neuen Helikoptergenerationen, nicht nur von Augsburg aus erreichbar.

2. Notarztbesatzung und Facharztversorgung:
Am Klinikum Augsburg ist die Bereitstellung des Notarztpersonals auf 24 Stunden an 365 Tagen sicher gewährleistet. Dies ist am Standort Donauwörth nur mit erheblichen Schwierigkeiten möglich. Zudem könnte in Augsburg im Bedarfsfall ohne zeitliche Verzögerung auf bestimmte fachärztliche Kompetenz (z.B. Kindernotarzt) zurückgegriffen und somit alle erdenklichen Spezialgebiete abgedeckt werden. Selbst das Gutachten geht im Ergebnis davon aus, dass das ärztliche Bordpersonal vom Klinikum Augsburg gestellt werden soll. In der Conclusio hieße das allerdings, dass dieses extra nach Donauwörth verbracht werden müsste, um für einen dort stationierten Hubschrauber zur Verfügung zu stehen.

3. Status des Krankenhauses:
Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist das Klinikum Augsburg geeignet, sämtliche Notfallsituationen, die aus Verletzungen, Erkrankungen oder aber aufgrund einer Geburt entstehen können, unmittelbar suffizient und auf höchstem Niveau zu behandeln.

4. Abdeckung auch des südwestlichen Landkreises Augsburg:
Der südwestliche Anteil des Landkreises Augsburg ist bis heute ein weißer Fleck auf der Rettungshubschrauberlandkarte. Dies würde sich durch Stationierung in Donauwörth nicht verändern. Bei Stationierung in Augsburg wäre diese Versorgungslücke geschlossen.

5. Rund 90 Tage pro Jahr keine Möglichkeit von Flügen nach den Sichtflugregeln in Donauwörth:
Der Anteil der Tage, an denen kein Sichtflugbetrieb möglich ist, liegt nach einer 10-Jahres-Statistik des Deutschen Wetterdienstes und nach Informationen des meteorologischen Dienstes der Bundeswehr in Donauwörth mit rund 90 Tagen pro Jahr signifikant höher wie [sic] in Augsburg mit rund 30 Tagen pro Jahr.

6. Stationierung in Augsburg ist wirtschaftlichere Lösung:
Bei Nichtstationierung des Hubschraubers am Klinikums Augsburg muss davon ausgegangen werden, dass fast alle Einsätze insgesamt 3 Starts und Landungen benötigen (Donauwörth/Flughafen Augsburg – Einsatzort – Klinikum Augsburg – Donauwörth/Flughafen Augsburg). Bei Stationierung am Klinikum Augsburg wären dies dagegen lediglich 2 Starts und Landungen (Klinikum Augsburg – Einsatzort – Klinikum Augsburg). Da das Fluggerät insbesondere bei Start und Landung extremen Beanspruchungen ausgesetzt ist, muss hier die Wirtschaftlichkeit für den Betreiber erheblich in Frage gestellt werden, wenn der Hubschrauber in Donauwörth stationiert ist.
Darüber hinaus kommt es natürlich auch zu einem wesentlich höheren Treibstoffverbrauch bei einer entsprechenden Stationierung. Es ist zudem davon auszugehen, dass auch den Kostenträgern bei einer Stationierung in Donauwörth deshalb höhere Kosten zufallen würden.

Medizinische Fakten:

1. Schwäbisches Herzzentrum am Klinikum Augsburg
Am Klinikum Augsburg ist das Herzzentrum Augsburg in den vergangenen Jahren fest etabliert worden. Es stehen sämtliche modernste Gerätschaften in ausreichender Anzahl zur Verfügung, so daß jederzeit kardiologische Notfallpatienten hier ohne Zeitverzögerung therapiert werden können. Hierzu zählen die koronare Katheterangiographie ebenso wie die Möglichkeiten einer der größten Herzchirurgischen Kliniken Deutschlands.

2. Stroke unit der Klinik für Neurologie am Klinikum Augsburg
Die Stroke unit am Klinikum Augsburg ist in den vergangenen Jahren als Modellprojekt etabliert worden. Insbesondere bei akuten Schlaganfallgeschehen muss heute eine zeitnahe Therapie gefordert werden. Diese ist am Klinikum Augsburg durch die Stroke Unit gewährleistet. Darüber hinaus besteht durch die Abteilung für Neuroradiologie auch die Möglichkeit zur interventionellen Behandlung eines Schlaganfalles uneingeschränkt zur Verfügung.

3. Vorhaltung einer Neurochirurgischen Klinik am Klinikum Augsburg
Gerade bei schädelhirnverletzten Patienten stellt die unmittelbare Vorhaltung einer neurochirurgischen Therapiemöglichkeit ein entscheidendes Qualitätskriterium dar. Diese ist in Schwaben nur am Klinikum Augsburg realisiert.

4. Unfallchirurgische Kompetenz am Klinikum Augsburg
Die Unfallchirurgie des Klinikums Augsburg zählt zu den größten unfallchirurgischen Abteilungen Deutschlands. Sie ist als überregionales Traumazentrum im Traumanetzwerk Bayerisch-Schwaben zertifiziert. Außer schwerbrandverletzten Personen können hier alle Verletzungen auf höchstem Niveau behandelt werden. Als überregionales Traumazentrum ist die simultane Behandlung von mindestens 2 Schwerstverletzten rund um die Uhr möglich.

5. Pädiatrische und neonathologische Kompetenz an der Kinderklinik Augsburg
Durch die Präsenz einer Neonathologie und Kinderkardiologie ist im gegebenen Fall die Bestückung des Hubschraubers auch durch einen entsprechenden neonathologisch geschulten Notarzt möglich.

Wie Sie sehen können, hat sich die Politik in Augsburg mit den Sachargumenten auseinandergesetzt. Aus fachlicher Sicht kommt nach Abwägung aller Fakten für den Rettungsdienstbereich "Augsburg" nur eine Stationierung des Rettungshubschraubers nur am Zentralklinikum Augsburg als Haus der Maximalversorgung in Betracht.

Deshalb appelliere ich an Sie, dieses legitime Anliegen (öffentlich) zu unterstützen. Eine Stationierung des Rettungshubschraubers in Augsburg dient zum [sic] Wohle aller Patienten!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christian Ruck, MdB [...Signatur...]

Die dazugehörigen Artikel finden Sie in der Chronologie, die wir für Sie zusammengefasst haben.

 

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Autor(en)
Team www.rth.info