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25 Jahre Christoph 30: Ein Rückblick

27.06.2008

Wolfenbüttel (NDS) ::  25 Jahre Luftrettung von Wolfenbüttel aus! Darauf werden die dortigen Rettungsflieger aus dem südöstlichen Niedersachsen am 15. Juli zurückblicken können. Gefeiert werden soll laut aktueller Auskunft auf ihrer Webseite am 16. August ab 11 Uhr auf dem Gelände der ehemaligen englischen Kaserne. Dort soll dann ein "Familientag" stattfinden.

Das Jubiläum können wir zum Anlass nehmen für einen Rückblick auf die Entwicklung der ADAC-Rettungsstation. Das hatten wir 2003 zum 20jährigen Bestehen der Station bereits getan. Wir wiederholen die Rückschau, setzen dabei aber einige neue Schwerpunkte bei der Beleuchtung der Entwicklung der Station.

Vor 25 Jahren

Die Station nahm die Polizei-Hubschrauberstaffel Niedersachen in Betrieb – was in Deutschland eine Besonderheit war. Niedersachsen ging einen eigenen Weg, was die "Initialzündung" seiner Luftrettung betraf: Das Bundesland unternahm den Versuch Polizeihubschrauber auch im Rettungsdienst einzusetzen. Dabei orientierten sich die Niedersachsen wohl an den Aktivitäten des damaligen Bundesgrenzschutzes.
So wurde eigens für diesen Zweck eine SA 365 Dauphin bereitgestellt: Die "D-HOPQ". Die Björn Steiger Stiftung leistete Unterstützung bei der Beschaffung der medizinischen Ausrüstung. Maschine und Ausrüstung setzte die Hubschrauberstaffel der Landespolizei zuerst in Uelzen ein. Dort steht heute „Christoph 19“, ebenfalls vom ADAC betrieben. Nach der Übergabe der Station in Uelzen stellte die Polizei die Luftrettung in Wolfenbüttel bis zum 01.10.85 sicher. Ihre Piloten flogen etwa 1.200 Einsätze in dieser Zeit. Danach wechselte die SA 365 in den regulären Polizeidienst.

1985: Polizeiflieger gehen, ADAC übernimmt

Wolfenbüttel wurde im Anschluss an diese Zeit die 7. Station der ADAC Luftrettung. Mit der Übernahme von Wolfenbüttel durch eine BO 105 und Piloten der ADAC Luftrettung stiegen auch die Einsätze und pendelten sich bei rund 1.000 Einsätzen pro Jahr bis ins Jahr 1996 ein. Der Zuwachs ist gar nicht schwer zu erklären: Im ursprünglichen, damaligen Einsatzradius von „Christoph 30“ verlief zum Teil weniger als 30 km entfernt die innerdeutsche Grenze. Das schränkte den Einsatzradius bis zur Wiedervereinigung massiv ein.

1996: Christoph 30 kurz vor Außerdienststellung

“Wer rettet Christoph 30?“ war in der "ADAC Motorwelt"-Ausgabe vom Dezember 1996 zu lesen. Der Hintergrund: Ein bereits 1995 vom Sozialministerium in Auftrag gegebenes Gutachten zur Bedarfsplanung der Luftrettung in Niedersachsen. Dieses Gutachten kam zum Ergebnis, „Christoph 30“ sei entbehrlich, ebenso auf längere Sicht „Christoph 44“ aus Göttingen. Als Begründung wurde die Erweiterung der Einsatzradien von 50 km auf 70 km genannt. Eine Gemeinde, die von der Entscheidung des Wegfalls von „Christoph 30“ betroffen gewesen wäre, startete eine Volksinitiative. Die Beteiligten sammelten 90.000 Unterschriften für den Erhalt der Station. Damit sich der Landtag in Niedersachen mit der Thematik beschäftigt waren nur 70.000 Unterschriften nötig gewesen.
Nur am Rande erwähnt: In Göttingen war es u.a. der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Jürgen Trittin, der sich für den Erhalt des Standortes stark machte.

Rettungsmittel gerettet

Für Wolfenbüttel hätte es zeitlich eng werden könne, lief doch der Vertrag im Jahr 1998 für den Standort aus. Doch die Kehrwende kam: Der damalige Sozialminister erklärte: „Die fünf Standorte in Niedersachsen werden bleiben“.

Mehr noch: Auf einem Symposium sprach sich Wolf sogar für eine mögliche Erweiterung aus. Man bedenke: In Niedersachsen standen 1998 Landtagswahlen an. Während die Politik sich für die Standorte und damit gegen die Empfehlungen des Gutachtens aussprach, fanden die Krankenkassen kaum Verständnis für diesen Plan.

Krankenkassen protestieren nach Leistungssteigerung

Lange war dann auch keine Ruhe. Völlig überraschend hatten die Krankenkassen am 30. Juni 1999 den Vertrag über die Bezahlung gekündigt. So wurden statt der vertraglich vereinbarten 96 DM nur noch 86 DM pro Flugminute bezahlt. „Vertragsbruch“ schimpfte G.Kugler (so war es in der Lokalen Presse zu lesen). Der Sprecher der AOK Krankenkassen hielt dagegen: Er sprach von einer Verdoppelung der Kosten auf 24,13 mio. DM seit 1995. So stellte die Kasse unterschwellig die Frage: „Wurde zuviel geflogen?“
Kugler antwortete in dem damaligen Interview : „Wir fliegen wenn wir gerufen werden!“

Die Einsatzzahlen von Wolfenbüttel aus dieser Zeit stellen sich wie folgt dar:

Jahr Einsätze
1995 905
1996 990
1997 1.162
1998 1.109

Von einer exorbitanten Zunahme konnte also keine Rede sein. Es spielten wohl auch noch andere Gründe (wie so oft) für die Kostenträger eine Rolle. Wieder einmal wurde die Politik gefragt und es kam zu einer Einigung.

Der Weg in die Gegenwart

Die jüngeren Entwicklungen können Sie auf rth.info im Nachrichten-Archiv einsehen. Beispielsweise die Umstellung auf den modernen Hubschraubertyp EC 135 von Eurocopter, sowie die Umbauarbeiten am Standort.

 

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