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Bayern will Verteilung der Heli-Standorte prüfen

05.01.2008

Augsburg (BAY) ::  Aus einem aktuellen Artikel der Augsburger Allg. Zeitung geht hervor, dass das Bayerische Staatsministerium des Innern in Erwägung ziehe, eventuell Optimierungen in der Standortverteilung der bayerischen Luftrettungsmittel zu überprüfen.

Vorausgegangen war ein Antrag Augsburger Lokalpolitiker auf einen eigenen Rettungshubschrauber-Standort in der eigenen Stadt. Da Augsburg aus allen Himmelsrichtungen von diversen SAR- und Rettungshubschraubern angeflogen werden kann, darf man aber stark vermuten, dass die Stadtväter mit ihrem Antrag nicht weit kommen werden.

Ministerium hat Prüfung der Verteilung bisher nur in Planung

Dem Zeitungsbericht zufolge "sieht sein Haus (das von Innenminister Joachim Hermann) zwar die Notwendigkeit, generell die Verteilung der Rettungshubschrauber im Freistaat zu überprüfen. In diesen Überlegungen würden auch potenzielle Standorte wie Augsburg berücksichtigt. Das sei aber noch nicht geschehen und deshalb könne das Ministerium nun nicht kurzfristig über den Antrag aus Augsburg entscheiden.".

Augsburg sieht sich benachteiligt

Obwohl Augsburg also von Rettungshubschraubern aus München (RTH+ITH), Ulm, Ingolstadt, Landsberg am Lech (SAR), sowie Manching bei Ingolstadt (SAR) angeflogen werden kann und wird, sieht man sich dort benachteiligt. Dazu heißt es in dem Artikel:

"In der Region Augsburg befindet sich ein Streifen, der von Mittelneufnach im Süden über Fischach, Horgau, Wertingen bis Buttenwiesen im Norden reicht. Dieser Streifen befindet sich außerhalb des per Gesetz vorgeschriebenen Radius von 50 Kilometern."

Auf welches Gesetz man sich dabei eigentlich beruft, bleibt indes unklar. In der Bundesrepublik gelten die 50km-Radien typischerweise als grober Richtwert, zumal in Einzelfällen der Radius für Einsätze auch auf 70km um den Standort aufgestockt werden kann. Das ist zum Beispiel bei der Luftrettungsstation Sande (Ostfriesland) der Fall.

Die Begründung

Max Strehle von der bayerischen CSU jedenfalls habe die Notwendigkeit für einen "eigenen" Rettungshubschrauber so begründet, wie es die "Augsburger Allgemeine" sinngemäß wiedergab:

"...wenn es im eigentlichen Versorgungsgebiet des Großkrankenhauses kracht, kann es dauern, bis Hilfe aus der Luft eintrifft, in Einzelfällen mehr als eine Stunde. Wenn überhaupt: In über 50 Fällen kam in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres gar kein Hubschrauber - es stand schlicht keiner zur Verfügung, weil er in seinem Heimatbereich gebraucht wurde."

Argumentation kann durchaus hinterfragt werden

Dabei haben die dahinter stehenden Kommunalpolitiker offenbar ein wenig die Tatsache übersehen oder verdrägt, dass dies auch anderswo durchaus kein Sonderfall ist, da nun einmal Rettungsmittel meist mehrfach am Tag benötigt werden und dann eben nicht anderweitig verfügbar sind. Dass die Eintreffzeiten sich verlängern können, wenn der eigentlich zuständige Notarzt bereits anderweitig gebunden ist, wird auch in allen gängigen Bedarfskalkulationen zur notärztlichen Versorgung berücksichtigt.
Darüber hinaus jedoch wäre manch andere Region sicherlich froh, überhaupt nur ein Großkrankenhaus wie das in Augsburg in ihrem Einzugsbereich zu haben.

Topografische Besonderheiten, die einen zusätzlichen Standort in Augsburg augenblicklich evident werden ließen, gibt es im Augsburger Umland jedenfalls nicht - sonst hätte man sich wohl auch auf sie berufen.
Man darf also sicherlich gespannt sein, ob sich in Bayern nach der Umstrukturierung der Sekundärluftrettung in den 1990ern nun auch im Primärsektor der Luftrettung etwas auf ministerieller Ebene tut - und wie Augsburg dabei abschneidet.

Mittel zum Zweck im Kommunalwahlkampf?

Im Hinblick auf derzeitige Politiker-Äußerungen sollte man allerdings auch daran denken, dass im März 2008 in Bayern Kommunalwahlen anstehen. Das Hintergrundwissen um den laufenden Wahlkampf hilft sicher beim Verständnis der Forderungen.

Nachrichten zu diesem Thema im Archiv

Autor(en)
PPR
Quelle(n):
Lokalteil Augsburg-Stadt der "Augsburger Allgemeinen", online-Ausgabe vom 04.01.08, "Rettungshubschrauber in der Warteschleife"

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Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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