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Marine-Seenotrettung nur noch von Kiel aus

07.03.2007

Nachtrag vom 08.03.2007:

Laut Marine-Webseite sind 38 MH 90 zur Beschaffung geplant; unsere Quelle sprach von 30 Exemplaren.

Kiel (SH) ::  Es ist bereits im vergangenen Jahr vollzogen worden und im Februar berichteten die Kieler Nachrichten darüber - doch eine große Diskussion scheint nicht entbrannt zu sein: Die Marine hat beschlossen, die SAR-Stützpunkte Helgoland (SAR 10) und Warnemünde (SAR 21) nur noch in extremen Wettersituationen zu besetzen. In der übrigen Zeit soll die komplette Hubschrauber-Seenotrettung von Kiel aus erfolgen, dem Geschwaderstützpunkt des Marineflieger-Geschwaders MFG 5.

Grund für diese Umstellung ist der geringe Klarstand der Maschinen des Typs Westland SeaKing MK 41. Diese sind Jahrzehnte alt und müssen nach wie vor als einziges Hubschrauber-Baumuster des MFG 5 für ein breites Aufgaben-Spektrum herhalten. So sind die SeaKings in immer mehr Auslandseinsätze eingebunden, müssen für Anti-Terror-Einsätze und dergleichen herhalten, während es an Piloten mangelt. Die technische Ablösung, der neue Marine-Hubschrauber MH 90, ist nach wie vor ein Wunschtraum, der voraussichtlich erst langfristig in Erfüllung gehen kann. Ob der vor Jahren schon entwickelte MH 90 dann als Nachfolger überhaupt noch auf dem technisch neuesten Stand ist, steht dann auch auf einem anderen Blatt. Wie die Kieler Nachrichten in ihrem Artikel berichten, sollen auch nur 30 MH 90 angeschafft werden - als Ersatz gleichermaßen für derzeit 21 SeaKings und 22 Bordhubschrauber vom Typ SeaLynx. Insgesamt also traurige Aussichten für die überaus traditionsreiche Aufgabe der Seenotrettung in Kiel. Hier liegt die Wiege der luftunterstützten Seenotrettung in Deutschland. Wenn auch diese Aufgabe stets von den Soldaten mit Engagement und vielen Erfolgen absolviert wurde, steht eine Besserung der Situation angesichts knappester Finanzmittel und alternder Technik nicht zu erwarten. Die Kieler Nachrichten zitierten den Kieler Bundestags- Abgeordneten Hans-Peter Bartels:

"Die SAR-Aufgabe ist sehr wichtig. Man muss vielmehr die Frage stellen, ob die Zahl von 30 Marinehubschraubern des Typs MH90 für den Bedarf der Marine langfristig überhaupt ausreicht."

Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Marineflieger ihre althergebrachte SAR-Seenotrettungsaufgabe weiter meistern können. Möglicherweise ereilt sie dann doch das Schicksal, welches der Bundesrechnungshof vorgeschlagen hatte (rth.info berichtete): Privatisierung des SAR-Dienstes und Ausgliederung aus den Strukturen der Bundeswehr. Eine weitere humanitäre Erfolgsgeschichte der Bundeswehr-Fliegerei wäre dann unter Sparzwängen des Bundes endgültig kaputtgespart.

 
Autor(en)
PPR
Quelle(n):
Kieler Nachrichten