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Station des Mendiger GRH wird aufgegeben

17.02.2003

Mendig (RPF) ::  Ein Großschadensfall sowie der Massenanfall von Verletzten (MANV) stellt höchste Anforderungen an Rettungsdienst und die medizinische Versorgung der Verletzten. Häufig sind die örtliche Rettungsleitstelle, die Rettungskräfte und die regionalen Kliniken bei der Bewältigung solcher Ereignisse überlastet.

Für solche Fälle stehen zur Zeit zwei Großraumhubschrauber (GRH) vom Typ Sikorsky CH 53 G der Heeresflieger der Bundeswehr in Mendig und Laupheim bereit, um zusätzliches Personal und Material auch über größere Distanzen schnell an den Einsatzort zu befördern und anschließend die örtlichen Krankenhäuser zu entlasten, indem die Patienten auch in weiter entfernte Kliniken geflogen werden. Die Maschine bietet im Ernstfall Platz für die Versorgung von 12 Verletzten. Ein GRH kam zum Beispiel am 03.06.1998 nach dem Hochgeschwindigkeitszug-Unglück in Eschede zum Einsatz.

Wie nun bekannt wurde, soll der bisher in Mendig vorgehaltene GRH noch im Sommer diesen Jahres aufgegeben werden. Nach der Außerdienststellung dieses Standortes würde für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik nur noch der in Laupheim bei Ulm vorgehaltene Hubschrauber bereitstehen, um im Falle einer Großschadenslage eingesetzt zu werden.

Daher stellt sich die Frage nach einem zusätzlichen zweiten Standort nach der Aufgabe des Mendiger GRH. Nach einem Alarm muss der GRH zuerst das nächstliegende Bundeswehrkrankenhaus anfliegen, um dort Mediziner und unter Umständen auch zusätzliches Material aufzunehmen. Erst danach wird der Einsatzort angesteuert. Das nächste Bundeswehrkrankenhaus in Mendig war das das nur wenige Kilometer entfernte Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz.

Dies ist bei der Wahl eines neuen Standortes zu bedenken. Schnelle Reaktionszeiten des GRH in Krisenfällen können demnach nur durch die Stationierung des Hubschraubers in der Nähe eines BwK gewährleistet werden. Allerdings sollen auch neue Standorte im Gespräch sein, die weit von einem BwK entfernt liegen. Als möglicher neuer Standort ist die Stadt Rheine in Aussicht. Sie bietet den entscheidenden Vorteil, dass durch die nördliche Lage der Stadt auch eine gute Versorgung des nördlichen Bundesgebiets gewährleistet werden kann.

Letztlich scheint klar, dass deutschlandweit durchaus Bedarf für zwei GRH sein dürfte. Auch wenn die Einsatzzahlen solcher Einheiten sich in Grenzen halten, können sie doch im Ernstfall eine große Hilfe bei der effizienten und schnellen Bewältigung der Krise darstellen.

Kurze Informationen über die Sikorsky CH 53 G

Rotordurchmesser: 24,08 m
Länge: 22,35 m
Höhe: 8,66 m
Leermasse: 15.071 kg
Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h
Reichweite: 2075 km
Triebwerk: 3 x Wellenturbinen General Electric T64-GE-416
Zuladung: 38 Passagiere bzw. 8000 kg

Autor(en)
FHR

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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