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Ab 6. November fliegen Südtiroler Flugretter von 6 bis 22 Uhr

06.10.2017

Bozen (I) ::  Die Südtiroler Landesregierung hat am Dienstag (03.10.2017) beschlossen, dass ab dem 6. November 2017 die Betriebszeiten der Rettungshubschrauber (RTH) in die Tagesrandzeiten ausgeweitet werden dürfen. Flogen die RTH der Flugrettung Südtirol bislang nur im Tagbetrieb, also in der Regel im Zeitraum eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, jedoch frühestens um 7 Uhr, bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, so dürfen die Rettungshelis künftig von 6 Uhr bis 22 Uhr fliegen, egal ob Sommer oder Winter.

Bereits seit März 2015 setzt Aiut Alpin Dolomites die H135 in der Luftrettung ein – als erster Betreiber weltweit

Bereits seit März 2015 setzt Aiut Alpin Dolomites die H135 in der Luftrettung ein – als erster Betreiber weltweit
Foto: Freddy Planinscheck

Allerdings ist die Genehmigung an einige Bedingungen geknüpft: So darf im Nachtbetrieb ausschließlich das Bozener Klinikum angeflogen werden, verfügt es doch als einziges Krankenhaus in der Region über die geeigneten sicherheitsrelevanten Einrichtungen auch für den Nachtbetrieb. Des Weiteren muss in der Anfangsphase der Nachtflugphase immer auch ein zweiter Pilot an Bord sein. Die beiden Luftrettungsunternehmen INAER (mit ihren beiden RTH “Pelikan 1“ in Bozen und “Pelikan 2“ in Brixen) und Aiut Alpin Dolomites (AAD) in Pontives (RTH “Aiut Alpin“) haben bereits im März 2015 ihre Flotte auf für Nachtflug geeignete Hubschraubertypen (INAER: H145 und AAD: H135) umgestellt.

Auch seit März 2015 setzt INAER an den beiden Standorten Bozen und Brixen die H145 als Rettungshubschrauber ein

Auch seit März 2015 setzt INAER an den beiden Standorten Bozen und Brixen die H145 als Rettungshubschrauber ein
Foto: heli2015

Die Kosten für das erste Betriebsjahr werden mit rund 500.000 Euro beziffert und umfassen die Ausbildung für den zweiten Piloten sowie die verlängerten Dienstzeiten der Brandschutzwache am Bozener Klinikum. Allerdings dürften für die permanente Fortbildung der Piloten und HEMS TC sowie die Anschaffung weiterer Night Vision Goggles (N-VIS, dt. Restlichtverstärkerbrillen, BIV) weitere Kosten anfallen.

Anmerkungen des Verfassers

In Deutschland wird seit mehr als 15 Jahren über die Ausweitung der Flugbetriebszeiten von Rettungshubschraubern in die Nacht diskutiert – der Verfasser dieser Zeilen nahm im Herbst 2001 in Kaiserslautern an einer Veranstaltung teil, die den Titel “Luftrettung bei Nacht: Teuer, riskant und selten indiziert?“ trug. Schon damals plädierte der damalige Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, Friedrich Rehkopf, für eine Ausweitung der Betriebszeiten der zivilen RTH in die Tagesrandlagen. Eine ähnliche Veranstaltung fand kurz darauf in Baden-Baden statt. Veranstalter war die damalige Deutsche Rettungsflugwacht (heute DRF Luftrettung). Geschehen ist bis zum heutigen Tage fast nichts.

Lediglich die beiden für die Inselrettung wichtigen RTH-Standorte “Christoph 26“ in Sande und “Christoph 42“ in Rendsburg (die Regensburger LUNA-Nachtflugstudie sei hier nur am Rande erwähnt) sowie einige wenige Intensivtransporthubschrauber (ITH)-Standorte, die zuvor schon im 24-Stunden-Betrieb exisitierten, wurden für die Notfallrettung rund um die Uhr ertüchtigt. Am 1. Oktober ging mit dem Standort Villingen-Schwenningen der erste 24-Stunden-RTH-Standort im Süden Deutschlands in Betrieb. Die ADAC Luftrettung hat zwar an ihren Standorten Sande und Senftenberg sowie an ihrer HEMS Academy in Sankt Augustin ihre Piloten für den Nachtflug ertüchtigt. Angedachte und von der lokalen Politik teilweise vehement geforderte Ausweitungen, wie beispielsweise in Dinkelsbühl-Sinbronn, Friedrichshafen oder Greifswald, wurden bislang jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

Damit Deutschland weiterhin Vorreiter in der Luftrettung bleibt, müssen sich Luftrettungsbetreiber, Landespolitik, Landesverwaltung, Kliniken und Kostenträger jetzt endlich zusammensetzen und die Rahmenbedingungen schaffen, dass auch hier flächendeckend ein sicherer Nachtflugbetrieb im Bereich der Notfallrettung ermöglicht und umgesetzt wird. Notfallpatienten haben ein Recht auf die bestmögliche Versorgung. Diese von Notärzten seit Jahrzehnten erhobene Forderung nutzt eine Luftrettungsorganisation seit einigen Jahren für die Bewerbung ihrer eigenen Leistungen und hebt dazu den Faktor Zeit besonders hervor: “ADAC Luftrettung – Gegen die Zeit und für das Leben!“. Mit einem anderen Zitat – es ist von Erich Kästner (23.02.1899-29.07.1974) – möchte ich enden: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

 

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Autor(en)
Jörn Fries