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Weltweit erste EC 145 T2 an DRF Luftrettung übergeben

31.07.2014

Donauwörth (BAY) ::  Am heutigen Tage (31.07.2014) wurde der DRF Luftrettung gAG als „launching customer“ die erste Maschine vom Typ EC 145 T2 mit dem Kenner D-HDSF übergeben. In einer kleinen Zeremonie äußerte sich Steffen Lutz, Vorstand der DRF Luftrettung, sichtlich stolz, als Erstkunde dieses Produkt mit auf den Weg gebracht zu haben und weltweit die erste Maschine zu erhalten. Er betonte, wie gut in diesem Fall die Zusammenarbeit mit dem Hersteller Airbus Helicopters funktioniert hätte. Alle der von der DRF Luftrettung geforderten Aspekte wurden erfüllt: Die Maschine sei leiser, verfüge über größere Leistungsreserven als deren Vorgänger, wird voraussichtlich günstiger im Betrieb sein und entlaste mit ihrem neuen Vierachsen-Autopiloten die fliegerischen Besatzungen ungemein. Lediglich die Anschaffungskosten wurden von Lutz nur mit einem stillschweigenden Grinsen kommentiert.

Die Luftrettung sei eine „Triebfeder für die Entwicklungen des Hauses“, meinte der Geschäftsführer von Airbus Helicopters Deutschland, Dr. Wolfgang Schoder. Mit dem neuen Muster werde die Flugsicherheit durch die gesteigerte Leistung und den Fenestron deutlich erhöht. Zuletzt hatten jedoch immer wieder zulassungsbedingte Verzögerungen eine frühzeitigere Einführung des Musters verhindert.

Insbesondere im Hinblick auf die Neuregelung der Krankenhauslandeplätze und deren stellenweise notwendige Transformation zu sogenannten „Public Interest Sites“ sei die Leistungssteigerung ein wesentlicher Vorteil, so Lutz weiter. Die Maschinen des Typs sind vollständig für den Betrieb mit Nachtsichtbrillen (Night Vision Goggles – NVG) ertüchtigt. Der erste Einsatzort des neuen Fluggeräts wird ab Dezember 2014 München sein, da der dort stationierte ITH „Christoph München“ eine Vorreiterrolle im zivilen Einsatz von NVG einnimmt und innerhalb der HDM Luftrettung die größte Expertise im Nachteinsatz vorhanden ist. Die Auslieferung von zwei weiteren Maschinen des Typs werde noch in diesem Jahr erwartet. Eine gegen Ende August/ Anfang September und eine weitere etwa zu Beginn des 4. Quartals. Diese EC 145 T2 sind für die von der HDM Luftrettung betriebenen 24-Stunden-Standorte Regensburg und Nürnberg vorgesehen, wobei man sich aber hinsichtlich der endgültigen Stationierung eine gewisse Flexibilität vorbehält. Zwei weitere Maschinen werden im Jahr 2015 die Flotte erweitern, während die freigesetzten EC 145/ BK 117 C2 ältere BK 117 B2 an anderen Standorten ablösen werden.

Wer annimmt, es handele sich bei der „T2“ lediglich um eine EC 145/ BK 117 C2 mit angesetztem Fenestron, liegt falsch. Abgesehen von der Rumpfzelle und der Steuereinrichtungen handelt es sich bei der „T2“ um ein völlig neues System. Der Heckausleger besteht größtenteils aus Carbonfaser. Dies sorgt für eine Gewichtsersparnis und eine konstruktionsbedingt geringere Wartungsanfälligkeit gegenüber der klassischen Bauweise in der „C2“. Erstmals wurden Arriel-Triebwerke der Generation 2E verbaut, die im Gegensatz zum Vorgänger mit einem volldigitalen Triebwerksmanagement (FADEC) ausgestattet sind. Auch das neue Avionikkonzept „Helionix“ sorgt für mehr Wohlbefinden bei den Betreibern. Verglichen mit den gewöhnlichen Glascockpits der EC 135 und EC 145/ BK 117 C2 ist es deutlich integrierter und fasst alle wichtigen Flugdaten nun in einem Display zusammen. Von anwesenden Piloten der HDM Luftrettung, einer Tochter der DRF Luftrettung, war zu erfahren, dass der neue Autopilot auch Instrumentenanflüge ohne Hände am Steuer bis zur Entscheidungshöhe, theoretisch sogar bis zur Schwebeflugphase, ermöglicht.

Das eigentliche Highlight der EC 145 T2 war indes bei der Übergabe noch nicht zu bestaunen: Die vollkommen neu gestaltete Inneneinrichtung der Maschine. Wie bereits zur Fachtagung Luftrettung im Jahr 2013 deutlich wurde, verfolgen die DRF Luftrettung und die ADAC Luftrettung erstmals ein gemeinsames Konzept bei der Innenausstattung. Ingenieure der Schweizer Firma Bucher Leichtbau AG haben auf Grundlage der Erfahrungen der Betreiber und deren Besatzungen ein völlig neues Ausstattungskonzept entwickelt, dass neuesten Erkenntnissen der Ergonomie entspricht. Anders als gewöhnlich ist die Patiententrage zum Beispiel auf der rechten Seite angeordnet. Modular aufgebaute Schranksysteme ermöglichen zum Einen die Aufnahme eines Notfallrucksacks und gleichzeitig die Nutzung einer abklappbaren Schreib- und Arbeitsfläche. Je nach Bedarf kann die Ausstattung binnen kürzester Zeit variiert werden, in dem die Schränke um weitere Staufächer oder Funktionselemente erweitert werden. Für zusätzliche Sicherheit sorgt eine Ausleuchtung des Be- und Entladebereiches. Neue, einheitliche Gerätehalterungen an verschieb- und drehbaren Schienensystemen erlauben die bedarfsgerechte Flexibilität je nach Einsatzlage und -profil. Die erste Maschine wird in Kürze zur DRF-Werft am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden überführt, wo sie dann ihren Innenausbau erhhält. Da eine endgültige Abnahme der Ausstattung durch die europäische Luftfahrtbehörde EASA noch aussteht, wird der erste Einsatz des neuen Hubschraubers als „Christoph München“ noch bis Dezember des Jahres auf sich warten lassen (rth.info wird zum gegebenen Zeitpunkt berichten).

Schlussendlich dankte Steffen Lutz allen, die bei der Firma Airbus Helicopters und bei der DRF Luftrettung an der Entwicklung und Ausstattung des neuen Hubschraubers beteiligt waren. Auch den Besatzungen der HDM Luftrettung war anzusehen, dass sie sich auf ihr neues Einsatzgerät freuen. In diesem Sinne wünscht die Redaktion von www.rth.info der DRF Luftrettung und natürlich auch deren Tochterunternehmen „many happy landings“ mit ihrem neuen Hubschraubermuster.

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