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Tirol: Streit um Flugrettung erneut entflammt

03.01.2014

Innsbruck (AU) :: 

Ergänzung 04.01.2014

Wie mittlerweile bekannt wurde, ist der Flugplatz in Mayrhofen gesperrt worden und ein Strafverfahren gegen die Firma Heli Tirol von Roy Knaus eingeleitet worden. Knaus selbst hält dieses für eine „politische Aktion“. Weitere Informationen erhalten Sie über die externen Links (siehe rechte Spalte).

Nachdem der Flugunternehmer Roy Knaus am 27. Dezember im Tiroler Zillertal den 16. Hubschrauberstandort Tirols (inkl. der Standorte des ÖAMTC sowie Schider Helicopter Services) in Betrieb genommen hat, drohten ÖAMTC und Schider Helicopter Service (SHS) dem Land Tirol mit einer Vertragsauflösung der Flugrettungsvereinbarung.

ÖAMTC und SHS zufolge soll Roy Knaus (es gilt die Unschuldsvermutung) den neuen Standort ohne Bewilligung sowie ohne Wissen der zuständigen Behörden eingerichtet haben und gegen die erst im Vorjahr vom Land Tirol ausgearbeitete Flugrettungsvereinbarung verstoßen. ÖAMTC sowie SHS haben Anzeige erstattet.

Die Flugrettungsvereinbarung Tirol wurde im letzten Jahr ausgearbeitet, nachdem sowohl das Land Tirol als auch der österreichische Rechnungshof die außergewöhnlich hohe Zahl an Flugrettungsstandorten in Tirol bemängelt hatten. Diese Vereinbarung bezieht alle Betreiber mit ein - laut dem Flugbetriebsleiter des ÖAMTC, Reinhard Kraxner, haben alle Betreiber diese Verträge geprüft, ihre Budgets sowie Planungen danach ausgerichtet und letztendlich auch unterfertigt. Kraxner zufolge gefährdet Knaus ein funktionierendes System, wenn er meint, sich einfach darüber hinwegzusetzen zu können.

Rudolf Schider, Geschäftsführer des gleichnamigen Schider Helicopter Services GmbH, kritisiert die Integrierte Leitstelle Tirol, die den neuen Hubschrauber bereits disponiert, obwohl der neue Standort laut Schider gegen mehrere luftfahrtrechtliche Bestimmungen verstößt. Schider:

Wenn augenscheinlich geduldet wird, dass plötzlich jeder nach Belieben weitere Hubschrauber stationieren darf, dann sehe ich in Zukunft auch keinen Grund mehr, mich an die Vereinbarung zu halten.

ÖAMTC und SHS haben ihre Anwälte angewiesen, eine Auflösung der Vertragsvereinbarung an das Land Tirol zu übermitteln. Sie bedauern das Scheitern des bis jetzt funktionierenden Vertrages, sehen jedoch aufgrund der Eigeninitiative von Knaus sowie der Reaktion des Landes keine andere Alternative (die ILS Tirol ist dem Land Tirol direkt unterstellt). ÖAMTC und SHS sind der Meinung, dass für die Zukunft eine europaweite Ausschreibung des Landes Tirol bezüglich der Flugrettung die einzige Möglichkeit bleibt, um die Flugrettung in Tirol in einer für alle faire Basis aufrecht zu erhalten.

Roy Knaus hingegen sieht sich im Recht und vertritt die Meinung, dass in der geltenden Vereinbarung kein Verbot gegen die Stationierung eines weiteren Notarzthubschrauberstützpunktes festgeschrieben sei. Knaus bedauert den Vorstoß seiner Konkurrenten ÖAMTC und SHS nicht und meint, dass das Land Tirol sich bei einer Vertragsauflösung jährlich 2 Millionen Euro sparen würde, dieser Betrag fließe nämlich jedes Jahr als Subvention an die Flugrettungsunternehmen in Tirol.

Am Silvestertag schließlich fand in Mayrhofen ein Lokalaugenschein des Landes Tirol hinsichtlich der Frage, ob Knaus in Mayrhofen einen weiteren Notarzthubschrauber stationieren darf oder nicht. Anwesend waren ein Vertreter der Bezirkshauptmannschaft Schwaz, ein Gemeindevertreter sowie zwei externen unabhängigen Gutachtern statt. Die beiden Gutachter (ein Flugplatz-Experte sowie ein Luftfahrt-Experte) werden nun bis Ende der Woche individuelle Gutachten erstellen, welche die weitere Vorgehensweisen der Behörden bestimmen sollen.

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Autor(en)
Patrick Martinetz
Quelle(n):
orf.at

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