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Bewegung in der Schweizer Luftrettung

30.04.2013

Birrfeld/Zürich (CH) ::  In der Diskussion über die Frage, wie mit dem im Kanton Aargau stationierten TCS-Helikopter verfahren werden soll (rth.info berichtete), gibt es nun erste Änderungen: Seit geraumer Zeit wird nicht mehr bevorzugt auf die Hubschrauber der REGA zurückgegriffen, sondern auch der Helikopter der AAA (Alpin Air Ambulance, Tochterfirma der TCS) wird nun zu Notfällen im Kanton alarmiert, sofern er eine kürzere Flugzeit hat und einsatzbereit ist.

Damit einhergehend kam es auch zu einem Wechsel in der Zuständigkeit für die Einsatzdisposition: Während bisher ausschließlich die zentrale REGA-Koordinationsstelle die Steuerung der Luftrettungsmittel übernommen hat, erfolgt die Disposition der Hubschrauber im Kanton Aargau nun über die Einsatzleitstelle 144. Dabei soll es sich jedoch nur um eine Übergangslösung handeln, wünscht sich der ärztliche Leiter der Leitstelle, Thomas Kamber. Luftrettungsmittel seien in der Software der Einsatzleitstelle 144 nämlich nicht vorgesehen, so Kamber.

Es bestehen jedoch weiterhin Hoffnungen, dass über die bisherige Zusammenarbeit von REGA und TCS im Bereich der Repatriierungen eine Lösung gefunden wird. Nennenswerte Fortschritte sind jedoch noch immer nicht bekannt. Außerdem kommt nun die Frage auf, wie die Rettungsflüge in Zukunft finanziert werden sollen. Die schweizer Pendants zur gesetzlichen Krankenversicherung und Unfallversicherung tragen nur die Hälfte der anfallenden Kosten und auch nur bis zu einer Obergrenze von 5000,- Sfr pro Jahr. Darüber hinaus werden entweder über freiwillige Zusatzversicherungen abgedeckt oder vom Betroffenen selbst beglichen. Nicht von Versicherungen getragene Einsatzkosten werden den etwa 2,4 Millionen Mitgliedern der REGA (sog. Gönnern) erlassen. Bei Einsätzen die von anderen Organisationen als der REGA erbracht und organisiert werden, besteht kein Gönneranspruch, so REGA-Pressesprecher Sascha Hardegger. Der TCS-Sprecher Mareno Volpi führt dagegen die geringe Anzahl an Einsätzen ohne Kostendeckung ins Feld. In solchen Fällen würde die Differenz von der AAA getragen.

Trotz der Einigkeit beiderseits, dass man einen Kokurrenzkampf in der Luftrettung nicht auf dem Rücken der Patienten austragen dürfe, ist die Stimmung weiterhin angespannt. REGA-CEO Ernst Kohler verneint weiterhin die Notwendigkeit eines Marktes auf dem Sektor Flugrettung und stellt Qualitätseinbußen gegenüber den Leistungen der REGA in Aussicht. Stephan Grötzinger, Generaldirektor des TCS sieht das jedoch anders: Für ihn ist der um etwa 5 Sfr günstigere Flugmitnutenpreis ein Beweis für den belebenden Effekt von Konkurrenz. Gleichzeitig distanziert sich der TCS aber von weiteren Ausbauintentionen in der Primärrettung. Diese stünde nicht an erster Stelle, so Volpi jüngst. Auch in der schweizer Bevölkerung sorgt das Geschehen für Verunsicherung. Beide Organisationen haben in der Schweiz eine lange Tradition und mit 2,4 Millionen (REGA) und 1,6 Millionen (TCS) große Mitgliederzahlen. In den Leserkommentaren der Medienberichterstattung war zu erkennen, dass es gespaltene Meinungen gibt. Auf der einen Seite herrscht großes Unverständnis dafür, dass sich der Touring Club statt Pannenhilfe nun mit Luftrettung beschäftige, auf der anderen Seite gibt es auch Stimmen, die die Konkurrenz und die Durchbrechung eines Quasi-Monopols der REGA begrüßten.

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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